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Im Französischen sind mir so viele Wortspiele mit Korea in den Sinn gekommen, dass ich Schwierigkeiten hatte, eins auszuwählen. Im Deutschen hatte ich aber leider nicht das gleiche Glück. (Irgendwas mit einer Co-Reha-Klinik vielleicht? Oder mit der Hornhaut im Auge?).
Wenn euch ein Gutes einfällt, lasst es mich unbedingt wissen.
Auf jeden Fall bin ich mir sicher, dass die Nachricht, dass meine kleinen Witzchen Annas Leben so viel schöner machen, euch erfreuen wird. Schwieriger, gewiss, aber schöner.
Nach fast vier Jahren Lebens im Exil haben wir endlich in unserem übervollen Urlaubszeitplaner eine Lücke gefunden, während der wir für etwa zwei Wochen nach Korea zurückkehren.
Die Reise fängt schon gut an, wir kommen am Flughafen in Chiang Mai gut durchgenässt an, nach den paar Minuten Fußweg von der Arbeit. Und das trotz Regenschirms.
Wir ziehen uns um und steigen in einen Nachtflieger nach Busan, wo wir früh morgens ankommen.
Wir freuen uns über die Frische der halbwegs niedrigen Temperaturen, welche wir in Thailand nie erleben können. Die Freude hält nur kurz an, dank des kalten Küstenwindes frieren wir uns bald schon einen ab.
Um nicht auf der Straße einzuschlafen, da wir schlecht im Flieger geschlafen haben und unser Hotel Check-In erst um 16 Uhr nachmittags öffnet, spazieren wir durch die unterirdischen Einkaufszentren und schauen uns den vielen Schnickschnack an, den wir lieber nicht anschauen sollten, um nicht in Versuchung zu geraten.
Nach einem Nickerchen gehen wir zum koreanischen Grill, wo uns eine Dame dabei hilft, unser Fleisch vor unseren Augen zu grillen. Ob sie sich nur langweilt oder ob wir einfacher schlechte Griller sind, können wir euch nicht sagen.
Am nächsten Tag sind wir schon weniger müde und besuchen unser Lieblingsmuseum, wo eine neue, immersive Ausstellung uns zwischen eher... speziellen Animationen durchlaufen lässt.
Dann gehen wir uns die kleinen Kapselzüge an der Küste anschauen, die noch nicht ganz fertig waren, als wir damals dort wohnten und die inzwischen eine der Hauptattraktionen der Stadt geworden sind.
Ein Schild fordert uns dazu auf, den Kapseln zuzuwinken. Wir winken den Kapseln also zu. Und das funktioniert! Die Kapselinsassen winken uns zurück. Haben die da im Innern ein ähnliches Schild?
Am Strand wird das Sandburgfestival vorbereitet. Große Sandstatuen werden dort in den Sand geschnitzt. Und das hält sogar, trotz Regens. Wie geht das denn?
Als der Regen vorbei ist, kehren wir in die ferne Vergangenheit zurück, indem wir durch das Viertel schlendern, wo wir einst gewohnt haben. Unser Lieblingspizzarestaurant steht noch, aber das Gebäude, in dem sich unser Hostel befand, ist komplett entkernt und hat nicht einmal mehr Fenster.
Wir ertränken unseren Kummer durch einen Aufstieg auf die Dachgrünanlage des Einkaufszentrums nebenan von dem wir die ganzen Spazierausflüge nachverfolgen können, die wir im Viertel, auf der Insel gegenüber und in den Bergen hinter uns gemacht haben.
Wir erzählen uns gegenseitig die Spaziergänge, die wir zusammen gemacht haben, aber auch die, dir wir jeder einzeln gegangen sind, während der jeweils andere schwer in der belgischen Waffelei am Arbeiten war.
Da es bald Buddhas Geburtstag ist, sind alle Tempel hübsch geschmückt und vor allen Dingen gut mit Laternen beleuchtet. Wir besteigen erneut einen in den Bergen liegenden großen Tempel, der mit 40.000 Laternen besonders gut bestückt ist. Und alle leuchten sie. Wir hatten das Ganze schon beim letzten Mal gesehen, aber es ist immer noch genauso unglaublich.
Ja, 40.000. Das entspricht etwa einer Laterne für jedes Mal, dass wir gefragt wurden, ob wir in Nord- oder Südkorea gelebt haben.
Da Busan eine äußerst bergige Stadt ist, geht es überall entweder hoch oder runter. Um der immer älter werdenden Bevölkerung bei der Fortbewegung zu helfen, haben manche Viertel Straßenaufzüge installiert, die diagonal an den bereits existierenden Treppen nach oben fahren.
Einer dieser Aufzüge ähnelt mehr einem Fahrgeschäft auf dem Rummel, weshalb er auch eine touristische Sehenswürdigkeit geworden ist. Sobald man aber drin sitzt, hat das nicht mehr viel mit einer Achtbahn gemein, der Aufzug bewegt sich wirklich äußerst sachte fort.
Wir lassen Busan hinter uns für unser nächstes Ziel: Die Stadt Daegu. Däguh ausgesprochen.
Daegu ist die einzige große Stadt in Korea, die wir nicht wirklich touristisch besucht hatten. Wir haben dort schon gearbeitet, ein Wochenende lang belgische Waffeln backend in einem großen Einkaufszentrum und wir sind eines Tages auf Wohnturmtour mit unserem Chef von der Farm gegangen, um den dort lebenden Ajummas Chili zu liefern. Wir haben also mehr von der Stadt gesehen als ein Stino-Tourist, aber wir haben die Stadt nie wirklich besichtigt und holen das dieses Mal also nach.
Unser Freund Will, dessen Großeltern aus Daegu stammen, gibt uns ein paar Restaurant-Empfehlungen. Anna von der Blutsuppe, der Spezialität der Stadt, zu überzeugen, wird wahrscheinlich schwierig, aber eine Reissuppe mit Rind sollte drin sein.
Will erzählt uns außerdem, dass der Spitzname Daegus nicht nur Däfrika ist - wegen seines warmen Klimas, sonder auch Gotham Daegu, nach der elendigen Stadt in Batman.
Das stammt daher, dass in Daegu mehr tragische oder sonderbare Vorkommnisse passieren als im Rest Koreas.
Es ist außerdem die konservativste Stadt des Landes. Laut Will haben manche Restaurants noch Fotos von Park Chung Hee an der Wand hängen. Wenn euch dieser Name nichts sagt, er war während der 60er und 70er Diktator in Korea. Diktator von Süd-Korea, nicht vom Norden, wohlgemerkt, aus einer weitaus dunkleren Zeit der Geschichte des Landes stammend, dass sich in rasendem Tempo modernisiert hat.
Wir sind nicht auf ein solches Restaurant gestoßen, selbst das alte Lokal, das seit bald 80 Jahren Suppe mit gekochtem Blut serviert, hatte keine solche Bilder an der Wand. Der Saal roch allerdings extremst stark nach Käse, ohne, dass welcher auf dem Menü stand. Ich lasse euch eure eigenen Schlüsse ziehen, wo der Geruch wohl herkommt.
Eine kurze Recherche auf Google offenbart uns, dass andere koreanische Städte ebenfalls niedliche Spitznamen wegbekommen haben. Dazu gehören unter anderem: Racoon (Oder Waschbär-) Gwangju, Sim City Seoul, Gangs of Busan oder Demonworld Incheon.
Wir nehmen die Einschienenbahn in Daegu, die uns hoch über den Straßen der Stadt entlang fliegen lässt. Wir haben jedoch schlechte Nachrichte für Spanner: die Fenster werden automatisch komplett undurchsichtig milchig, wenn man zu nahe an Wohngebäuden vorbeifährt, um die Bewohner dort in Ruhe zu lassen. Eifrige Spanner haben also nur noch die Möglichkeit, selbst Einschienenbahnenfahrer zu werden, um den Sichtschutz zu umgehen.
Gotham Daegu ist ebenfalls der Ort in Korea, wo damals Corona ausgebrochen ist und wodurch das Land eins der ersten befallenen außerhalb Chinas war. All das dank der Hilfe einer Sekte, die in ihren Kreisen die Krankheit schnell verbreitet hat, während sie die Anweisungen der Behörden komplett ignorierte.
Trotz dieses Fehlstarts konnte Korea die Situation weitaus besser meistern als der Großteil der Rest der Welt. Und was macht man, wenn man etwas gut gemacht hat? Man zeigt es den Menschen in einem Museum. Ja, in Daegu findet man das Corona-Museum. Und nicht irgendwo, sondern nur eine Minute zu Fuß der größten Kirche des Landes der zuvor erwähnten Sekte. Wir sind bezaubert von so viel passiver Aggressivität.
Übrigens, der Name der Sekte übersetzt sich zu "Die Liebe zuerst" im Deutschen. Ich bin mir sicher, dass euch diese Information erfreut.
Und da wir gerade von Sekten sprechen, in Korea gibt es überall Kirchen, und sogar noch mehr in Daegu. Wir finden hier sogar mehr als buddhistische Tempel.
In einer kleinen Seitenstraße stoßen wir auf ein Museum von einem Menschen, von dem wir nicht so recht wissen, was er gemacht hat, aber der Wachmann war sehr nett. Er hat uns mit einer Polaroid-Kamera fotografiert und es uns als Andenken geschenkt.
Wir setzen unsere Reise fort nach (Waschbär-) Gwangju, der dritten Stadt, in der wir anno dazumal belgische Waffeln backten. Gwangju ist eine kleine Stadt im Vergleich zu den anderen hier genannten, sie hat nur eine einzige U-Bahn-Linie. Im Unterschied zu Daegu haben wir hier einen Monat gewohnt.
Wir finden aber dennoch noch neue Dinge zu entdecken, wie den beeindruckendsten Straßenspringbrunnen den wir je gesehen haben. Zu K-Pop wird dabei nicht nur Wasser hochgespritzt, sondern auch Feuer.
Unser Hostel-Zimmer befindet sich auf einmal nicht im Hostel selbst, sondern im großen Haus der Mutter des Eigentümers, welches aus den 70ern stammt. Wir haben fast den Eindruck, zurück auf der Chili-Farm zu sein.
Unsere Pläne werden von Waldbrandalarmen komplett auf den Kopf gestellt, die uns sagen, nicht in in die Berge zu gehen. Wir halten uns daran, nicht allein schon weil das Land gerade erst wochenlang mit großen Waldbränden in verschiedenen Teilen des Landes zu kämpfen hatte.
Unser Plan B, ein Baseball-Match anschauen zu gehen, dem Volkssport in Korea, fällt ebenfalls ins Wasser, das Spiel ist komplett ausverkauft. Selbst der Mensch vom Hostel hat kein Ticket mehr bekommen.
Wir besichtigen also ein Stadtviertel, dass vollstens Pinguinen gewidmet ist.
Der nächste Halt auf unserer Expedition ist Jeonju. Wir machen viele Stopps in kurzer Zeit, richtig. Aber vergesst nicht, dass wir in Korea, einem Land etwas größer als die Benelux-Staaten, für anderthalb Jahre rumgereist sind. Wir stopfen nur ein paar Löcher auf der Karte mit Dingen, die wir beim letzten Mal nicht machen konnten oder die es zu dem Zeitpunkt noch nicht gab.
In Jeonju, Stadt bekannt für seinen Überfluss an Hanok, den traditionellen koreanischen Häusern, schlafen wir in einem solchen Viertel, welches eher ruhig ist, da wochentags. Wir gehen in ein Museum dass alle möglichen Gerätschaften und Gedöhns der Dachböden der Leute eingesammelt hat, um das Leben in Korea in den 60ern zu simulieren. Am Ende bekommen wir seltsame, aber leckere, Snacks aus der gleichen Zeit.
Eine Modeerscheinung in Korea sind große Fahrräder auf stillgelegten Schienen. Wir machen eine Wettfahrt mit dem KTX, der koreanischen Version des ICE, und nehmen anschließend einen echten Zug nach Seoul, unserem letzten Halt auf dieser Reise. Wir kommen dort pünktlich zum Streik der Bus-ser an.
Der Unterschied mit den anderen Städten in Korea lässt sich sofort spüren, hinsichtlich Anzahl der Menschen in den Straßen und deren Alters. Uns war das, bevor wir in Seoul angekommen sind, nicht wirklich weiter aufgefallen, aber die anderen Städte, auch wenn sie sehr groß sind, fühlen sich etwas ruhiger und ein bisschen leerer an, verglichen mit unseren Erinnerungen. Die rasante Erhöhung des Durchschnittalters in den Regionen außerhalb Seouls spüren auch wir, obwohl wir nur kaum vier Jahre weg waren.
Wir schauen uns erneut Bukchon an, ein Viertel, wo es ebenfalls unzählige alte traditionelle Häuser gibt. Anna hatte dort sogar mal eine Zeit lang in einem Luxus-Hotel Zimmer geputzt.
Das Viertel ist noch touristischer als damals, so sehr, dass die Stadt eine nächtliche Eingangssperre für Nichtanwohner verhängen musste.
Wir schauen uns das blaue Haus an. Bis vor kurzem war es das koreanische Gegenstück zum weißen Haus in den USA. Jetzt, da der selbe Präsident, der gerade nach einem Putschversuch rausgeschmissen wurde, damals woanders in die Stadt umgezogen war, ist das blaue Haus und das riesige Gebiet an Wäldern und Gärten drumherum in den Bergen im Herzen Seouls zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich.
Im Hauptquartier einer der großen Videospielhersteller Koreas befindet sich ein Videospielmuseum, mit ganz vielen alten Spielekonsolen. Sogar seltene Dinge wie eine Nähmaschine für den Gameboy oder koreanische Konsolen aus den 80er und 90er, von denen wir gar nicht wussten, dass es so etwas gab.
Am Ende des Museums, vor dem Souvenirladen, können wir nach Belieben an antiken Spielautomaten spielen.
Dann begeben wir uns zum Fuße des fünfhöchsten Turmes der Welt. Weil es dort im Park drumherum eine Pokemonausstellung gibt.
Die Touristeninformationen Seouls ist ganze fünf Stockwerke hoch. Dort kann man unter anderem auf einer K-Pop-Bühne tanzen, Mokbang streamen, oder wenigstens so tun, und an einem Atelier teilnehmen, bei dem man lustige Texte auf eine Mütze stickt.
Und dann-- wie? Was ist ein Mokbang. Oh. Ja. Äh. Gut. Das kommt von mokda für essen und bang für Raum. Das war mal im Trend, wo sich Leute dabei live filmten, wie sie riesige Mengen an Essen verdrücken. Ich verstehe nicht so ganz den Anreiz, das anzuschauen, das kommt mir in etwa genau so faszinierend vor wie Unbekannte beim Sport zuzuschauen, aber wir sind ja nicht alle gleich gemacht, zum Glück.
Wir haben die Ehre, dem ersten Kinderwagenwettrennen Seouls beizuwohnen, inklusive Inhalt, versteht sich. Dafür wurden sogar zwei Hauptadern der Stadt abgesperrt.
Wir fahren zu unserem Freund Will und seiner Frau Sonny, die in einer der Satelittenstädte im Norden Seouls leben. Wir nehmen eine neue Express-U-Bahn dorthin, die ganze 180 Sachen fährt (also schneller als die Züge in Thailand), komplett 10 Etagen tief unter der Erde.
Wills und Sonnys Wohnung ist riesig, neu und voll mit technischem Schnickschnack. Eine Art Schrank, der Jacken wieder gut riechen lässt und ein Kühlschrank mit Fenster, der das Licht drinnen anmacht, wenn man an der Tür klopft, gehören auch dazu.
Dieser ganze Luxus wäre in Seoul selbst nicht möglich, da die Wohnungspreise dort schier unbezahlbar sind.
Am nächsten Tag geht es schon wieder zurück. Am Flughafen sortieren wir die 2400 Fotos und Videos, die wir in den knapp zwei Wochen gemacht haben, um unseren Kummer zu betäuben.
Und das war's, Lars.

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