2023 Teil 4: Die Große Reise

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- Wie viel?

- Wie?

- Wie viel?

- Wie viel was denn?

- Ihre Ausgeglichenheit.

- Meine Ausgeglichenheit?

- Ja. Wie viel?

- Entschuldigen Sie mal, sowas kann man doch nicht kaufen. Ihr Reichen habt überhaupt nichts verstanden im Leben. Man kann nicht einfach alles für Geld kaufen. Sie wollen Ausgeglichenheit? Dann gehen Sie doch im Park joggen. Rufen Sie Ihre Eltern an. Beichten Sie Ihrer Frau, dass Sie Chicorée mögen. Aber lassen Sie mich in Ruhe mit Ihrem widerlichen Kaufwahn.

- Ich geb' Ihnen auch ganz viel Geld.

- Wollen Sie eine Tüte dazu?


Wir hatten die großartige Idee, einen Japanischtest zu machen. Wie ihr seht, habe ich "Japanisch" und nicht "Japaner" geschrieben, wir führen keine Experimente mehr an Menschen durch. Das ist sowas von 2000er Jahre. 

Jeden Tag lernen wir wie die Wilden bis der Tag J, wie Japanisch, kommt. Wir begeben uns für diesen Test bis zur Uni von Chiang Mai, die gleich nebenan von unserem Wohnblock ist. Wir fühlen uns wie in der Zeit zurückgespult. Da bekommt man richtig Lust, wieder Student zu sein. Minus der Armut, natürlich. 


Vor lauter den ganzen Tag auf einen Bildschirm stieren versteinert sich mein Nacken langsam. Um dem etwas abzuhelfen gehe ich zu einer Saugglockenmassage.

Wenn ihr noch nie die Gelegenheit dazu hattet, dann dreht euren Staubsauger auf die Einstellung "Industriemodus" und saugt ein Stück Haut (eure eigene) für gute zehn Minuten ein.


Das erste Mal hinterlässt das fette Flecken die im Laufe der folgenden Wochen langsam ihre Farbe ändern. 

Das zweite Mal ist nicht besser.


Auf jeden Fall meint es der Krake, äh, der Herr Doktor, nett und erzählt mir, ich hätte jetzt ein schönes Leopardenmuster auf dem Rücken. Meine liebe Anna ist nicht ganz so nett und findet direkt einen neuen Spitznamen für mich: Der Marienkäfer. Ich würde zugeben, dass das eine präzisere und lustigere Beschreibung wäre, wenn es nicht auf meine eigene kleine Persönlichkeit abzielen würde. 


Wir haben erneut ein paar Tage Urlaub und beschließen, uns dieses Mal nicht allzu über zu strapazieren, da bald die große Reise beginnt.

Ich spüre euch schon vor Aufregung rumhüpfeln. Ihr könnt es sicherlich kaum erwarten, herauszufinden, was es denn mit dieser großen Reise auf sich hat. Aber eine Sache nach der Anderen.

Wir verbringen erneut ein paar Tage in Kuala Lumpur, in Malaysia. Weil es dort cool ist und vor allen, weil es weitaus billiger ist als unsere erste Wahl für dieses verlängerte Wochenende, Singapur.

Dort begeben wir uns nach Little India und essen Pani Puri. Das sind kleine, hohle Bällchen die vor unseren Augen mit allen möglichen Zutaten gefüllt werden, inklusive Flüssigkeiten. Deshalb muss man sie schnell essen, da das Ganze sonst sehr matschig wird und man alles vollkleckert. Aber es schmeckt.


Für unseren zweiten Besuch in Kay El machen wir weniger einen auf Touristen und mehr einen auf Teenagern, die gerade sturmfrei haben.

Wir fahren also Rollschuhe, schießen Bogen und bowlen. Weiter geht's mit einer Runde Go-Kart, wo die Karts irgendwie schlittern soll, anstatt vernünftig zu fahren. Oder die Karts sind einfach nur kaputt und werden als höhere Schwierigkeitsstufe angepriesen. Man weiß es nicht.


Um den Tag etwas ruhiger ausklingen zu lassen, gehen wir in einen super schickes Karaoke, mit Snacks und Getränken bis zum abwimmeln.


Aber, sagt ihr, habt ihr denn keine Freizeitaktivitäten bei euch zu Hause? Nein, zumindest nicht in der Dichte und Fülle. Corona hat hier zwei der anno dazumal sechs Einkaufszentren in Chiang Mai zu einem vorzeitigen Abscheiden verholfen. Eins enthielt, neben einem Immigrationsbüro, auch eine Trampolinhalle. Das andere und gleichzeitig älteste Einkaufszentrum der Stadt bot die einzige Bowlinghalle im Umkreis von 600 km. Und die Proberäume meiner Theatergruppe, unter anderem. Wenn ihr denkt, eure Stadt ist langweilig, dann stellt euch mal eine Stadt ohne Bowling vor! Zum Glück arbeiten wir auch ab und zu, sonst würden wir noch Gefahr laufen, einer gewissen Fadheit zum Opfer zu fallen. 


Wir beginnen einen neuen Tag in KL, indem wir einen Doughfee trinken. Das ist ein Café in einem Berliner serviert. Dit is een Fannkuchen, Keule. Wie beim Pani Puri sollte man sich nicht zu lange mit dem Trinken aufhalten, wenn man nicht seine Dosis Kaffein aus dem Unterteller schlürfen müssen will. 


Als nächstes essen wir einen Kaya Toast. Hierbei handelt es sich um ein Frühstücksset, das wir auf unserer Reise nach Singapur entdeckt haben. Es besteht aus mehreren, mit Kokosnussmarmelade beschmierten Toastschnitten, einem Café oder Tee und einem Ei, das so weich gekocht ist, dass es zweifellos noch als Flüssigkeit eingeordnet werden kann. Diese FlüssigkEIt verrührt man mit einer Soße, die einfach "die schwarze Soße" genannt wird. Macht doch nicht so ein Gesicht, das schmeckt!


Beim Verlassen des Restaurants bedankt sich der Besitzer persönlich bei uns beiden, obwohl das Restaurant aus allen Nähten platzt, man am Eingang eine Nummer ziehen muss und es in eine eigene Handy-App zum Schlangestehen investiert hat, so viel Andrang herrscht dort. 

Erst in dem Moment fällt uns auf, dass wir die einzigen Farangs (thailändisches Wort, das westliche Menschen bennent, Anm. d. Red. (Anmerkung der Redaktion, Anm. d. Red.)) sind, umgeben von Ostasiaten, mutmaßlich chinesische Touristen. Das singapurische Frühstück hat offensichtlich noch nicht viel Erfolg außerhalb Asiens gehabt. Hiermit empfehle ich euch also, es mal zu probieren, wenn ihr das nächste Mal in Singapur seid.


Wir verbringen übrigens auch Zeit in Chiang Mai, wir schwören. Irgendwie müssen wir ja unsere Urlaubstage ansammeln. 


Das heißt aber noch lange nicht, dass wir auch dort bleiben, wenn wir die Wahl haben. Unsere Freundin Tatiana lädt uns auf eine Spritztour in die Stadt Sukhothai ein. Allerdings hatte sie uns vorenthalten, dass ihre in die Jahre gekommene Karre Schwierigkeiten beim Gefällehochfahren hat. Von den vier Stunden Fahrt sind zwei bergauf. So haben wir mehr Zeit, die Aussicht zu genießen.


Sukhothai ist die ehemalige ehemalige Hauptstadt Thailands. Nein Frau Autokorrektur, ich stottere nicht. Sukhothai war die Hauptstadt vor Ayutthaya, welche wiederum die Hauptstadt vor Bangkok war. Sie ist also wirklich antik. So antik sogar, dass man die Parks, die die Ruinen der Tempel und Regierungsgebäude beherbergen, mit dem Fahrrad durchstreifen kann, während diese Wege für Autos gesperrt sind. Das müsst ihr euch mal vorstellen! Da kauft ihr einen Pick-Up-Truck den ihr für die nächsten drei Jahrzehnte eures Lebens abzahlen müsst und dann kommen da solche Nichtsnutze auf dem Fahrrad dahergerollt und sperren die Wege in einem Park!


Am nächsten Tag geht es auch schon wieder zurück nach Chiang Mai. Das Navi führt uns über ländliche Straßen. Straßen, die so ländlich sind, dass sie sogar so benannt werden. Auf der ländlichen Straße Nummer 4 stehen wir auf einmal im Stau. Ein Hund hat sich dazu entschieden, sich mitten auf der Straße hinzulegen und sich die E-- Ich will sagen, ein Hund hat sich dazu entschieden, mitten auf der Straße ein Sonnenbad zu nehmen. Erst nach einer Serie energischen Hupens erhebt er sich mürrisch, um die Straße frei zu machen.


Inzwischen hat sich eine neue Regierung gebildet, nach mehreren Monaten Unsicherheit. 

Ich konnte gerade das Schulterzucken meiner belgischen Leser hören, so laut war es. "Nach so zwei, drei Jahren sollte man vielleicht schauen, ob noch etwas Futter im Napf ist," sagen die Rekordhalter der längsten Zeit ohne Regierung. 

Thailand, seinerseits, ist Inhaber eines anderen Rekords, nämlich der höchsten Anzahl an Staatsstreichen. Der letzte Putsch ist erst acht Jahre her.


Ein neuer Umsturz ist, zumindest vorerst, abgewendet. Die Regierung konnte, mit dem Segen der Armee, die de facto seit 2014 an der Macht ist, eine neue Regierung bilden, indem sie eine gigantische Koalition mit elf Parteien geschaffen hat. Sie wollten niemanden kränken, und deshalb sind einfach alle dabei.


Oder... fast alle. Eine Partei fehlt. An sich nichts Verwerfliches, wir stellen doch jetzt keine Sessel für irgendwelche Dahergelaufenen dazu.

Das Problem ist nur, dass die Partei, die da unsanft am Straßenrand ausgesetzt wurde, ihr ahnt es schon, auch die Partei ist, die die meisten Stimmen bekommen hat.


Wir begeben uns zum silbernen Tempel, in der Hoffnung, einer Lichtershow beiwohnen zu können. Das Wetter war mit dem allerdings nicht einverstanden und so finden wir uns schließlich unter (und mit den Füßen in) einer Wassershow wieder.


An einem anderen Tag, wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, begeben wir uns zu einem anderen Spektakel. Diesmal haben sich 3300 Menschen in den Straßen aneinandergereiht, die Nägel lang und spitz geschliffen, und tanzen synchron, um den 150. Geburtstag einer verschiedenen Königin zu feiern. Und schon wieder wurden Straßen gesperrt!


Und das führt uns auch schon zu unserer großen Reise. Da sie aber die Anzahl an Wörtern, die ich gern in einen einzelnen Artikel eintippen will, sprengen wird und es mir eure Aufmerksamkeitsspanne auch danken wird (dieser Satz wird auch schon wieder viel zu lang), reden wir darüber einfach beim nächsten Mal. Und ich hoffe ebenso sehr wie ihr, dass ich diesen Artikel zur großen Reise abschließen werde, bevor wir auch schon die nächste große Reise in Angriff nehmen. Ja, es gibt eine große Reise einmal jährlich. Wir können uns das erlauben, da wir keinen Pick-Up abzahlen müssen. 


Also, bis sehr bald. Wasserrutschentesterehrenwort.

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