Ein Artikel pro Jahr ist auch eine gewisse Regelmäßigkeit

Guten morgen, guten abend, guten Tag,

Nach sorgfältiger Recherche ist uns aufgefallen, dass der letzte Artikel letztes Jahr erschienen ist. Oder das Jahr davor. Deshalb beschleunigen wir den gewohnten Erzählrhythmus unserer Abenteuer etwas. 

Wir waren also in Korea für eine Weile und sind jetzt in Thailand. Den Rest könnt ihr euch einfach herleiten. 

Also, bis zum nächsten Mal!

Photos Octobre 2020

Novembre 2020

Décembre 2020

Janvier 2021

Février 2021

Mars 2021

Avril 2021

Mai 2021


Und? Seid ihr drauf reingefallen?

Also, jetzt aber in wirklich. Es ist Anfang Oktober 2020 und wir sind noch in Busan, wo wir belgische Waffeln backen. Beruflich. Es sind auch gerade Festtage in Korea, Chuseok genannt. Oder das koreanische Erntedankfest. Es ist eins der beiden großen Feste in Korea, zusammen mit dem Neujahr laut Mondkalendar. Sogar das Kaufhaus in dem wir arbeiten ist ganze zwei Tage geschlossen. Könnt ir euch das vorstellen? Wir genießen unsere Freiheit und fahren Rollschuhe in einer Rollschuhhalle. 

Direkt danach gehen wir Sulbing essen. Das ist ein koreanisches Dessert mit rasiertem Eis. Und wieder ein Beispiel der extremen Schönheitsstandards in Korea, wenn selbst die Eiswürfel sich rasieren müssen. Aber wenigstens können sie die abfallenden Schnipsel verkaufen und ihre Baby-Eiswürfel durchfüttern.

Auf der letzten Etappe unseres vor Aktivitäten überquillenden Tages verbringen wir in einer Spielautomatenhalle, wo wir Experten beim Tanzen auf der Maschine zusehen. Er streamt seine rasanten Manöver auch direkt online und wir winken der Kamera zu.





An einem anderen namenlosen Tag gehen wir auf Abenteuer in den unendlichen U-Bahnreisen die Busans Spezialität sind. Wir kommen tatsächlich irgendwann an unser Ziel an: Ein Feld, auf dem Zuckerwatte biologisch angebaut wird.



Wir haben dort übrigens auch wunderschöne Arachnoiden gesehen (siehe oben).

Unser ehemaliger Chef in Gangneung, am anderen Ende des Landes, schreibt uns, dass Mitarbeiter der Stadt vorbeigekommen sind um zu sehen, ob wir dort noch wohnen. Die haben wahrscheinlich eine Meldung bekommen, weil wir für unsere Versicherung zur Krankenkasse in Busan gegangen sind. Sind wir jetzt Kriminelle? Nein, das ist nur der Anfang einer erneuten bürokratischen Odyssee.
In Korea muss man sich innerhalb von zwei Wochen nach einem Umzug bei der Stadt anmelden, wenn man keine Strafe zahlen will.
Was wir natürlich nicht gemacht haben. Wir versuchen uns trotzdem anzumelden und zu tun, als ob nichts wär, mit fast zwei Monaten Verspätung.
Der erste Versuch war erfolglos, wir waren im falschen Rathaus. Kurz bevor die Rathäuser schließen, natürlich. Ein Tag mehr oder weniger macht jetzt auch nichts mehr aus.
Wir stehen am nächsten Tag früh auf, um vor der Arbeit hinzugehen. Wir haben wieder kein Glück, heute ist Feiertag. Schon wieder! Die arbeiten ja nie in Korea! Deshalb hat die Regierung auch die gesetzliche Vollzeit auf 52 Stunden reduziert. Von vorher irgendwas mit 70 Stunden. Pro Woche.
Heute wird der Hangeul-Tag gefeiert. Das ist kein Kommandant eines U-Brots oder der Tag nach einer durchzechten Nacht, sondern der Name der koreanischen Schrift.
Die Schrift ist leichter zu lernen und stellt die koreanischen Töne besser dar als die chinesischen Symbole, die bis dahin benutzt wurden. Und das muss gefeiert werden!
Beim dritten Versuch haben wir endlich Erfolg. Wir konnten unsere Adresse ändern und unsere Verspätung wurde nicht einmal erwähnt. Danke, netter Herr vom Rathaus.

Wir fahren eine Stunde mit der U-Bahn um in ein Café zu gehen, dass Anna erspäht hatte. Wir kommen pünktlich um zu sehen, wie gerade die letzten Möbel rausgetragen werden, bevor das Café endgültig seine Türen dichtmacht. Wir gehen also in ein anderes Café in der Nähe und essen ein Dinosaurier-Ei aus Schokolade.

Wir gehen zur Bank, wo wir endlich unsere koreanischen Bankkarten abholen können, nachdem wir drei Monate warten mussten. Die Dame fragt uns, ob wir koreanische Namen haben. Ähm, nicht, dass wir wüssten. Dürfen wir uns jetzt vorstellen? Nohpöh und Pöliekah. Sie gibt uns unsere frisch gedruckten Karten und ein Auszugbuch, dass man in die Automaten stecken kann und auf die dann die Auszüge gedruckt werden. Genau wie im Film! Wir sind jetzt übrigens auch offiziell Millionäre. Genau wie alle anderen hier.
Ich lade meine SIM-Karte direkt auch am Automaten auf, indem ich eine Überweisung auf ein Bankkonto mache, dass nur für das Aufladen meiner SIM-Karte existiert.

Eines schönen Morgens werden wir erneut vom super sensiblen Feueralarm des Hauses geweckt. Diesmal jedoch ist weißer Rauch im Treppenhaus. Wir vermuten das Schlimmste, greifen nach Reisepass und Portemonnaie und verlassen das Gebäude. Überall draußen ist auch weißer Rauch, aber es riecht nicht nach Feuer. Wir laufen ein bisschen durch die Straße und stellen fest, dass der Rauch aus der Kanalisation kommt. An manchen Stellen ist er so dicht, dass man kaum mehr als zwei Meter sehen kann. Auf Arbeit erklärt mir dann eine Kollegin, dass Mücken und andere Insekten so getötet werden. Und dabei gleich auch die ganze Nachbarschaft eingenebelt wird.

Mit einem Freund gehen wir Lamm in einem guten japanischen Restaurant essen. Die Köchin grillt das Fleisch direkt auf unserem Tisch. Was ein Service! Die Spezialität des Restaurants? Fischeier in Lamm-Eingeweiden. Sehr lecker! Ohne Witz.

Während meiner Pause genieße ich die vorwinterliche Sonne als sich plötzlich ein älterer Herr neben mich setzt und mir ein Papier hinhält, dass seltsamerweise nach Hausaufgaben aussieht. Er fragt mich schließlich, ob ich ihm ein paar Wörter in Englisch aus einem Artikel erklären kann.

Wir gehen zu einer touristischen Aktivität in unserem Viertel die sich "Die 168 Stufen" nennt. Genau an dem Tag werden natürlich gerade Wartungsarbeiten am Fahrstuhl durchgeführt.

Anna macht einen sogenannten Temple Stay während ich auf Arbeit bin. In den Bergen hinter den Dörfern. Was ist denn ein Temple Stay? Kurzgesagt lebt man das asketische Leben der Mönche einen Tag und eine Nacht mit.

Wir gehen zusammen einen Tempel in einer Grotte besichtigen. In der Mitte steht eine riesige Buddha-Statue. Wunderschön. Und ihr müsst uns das einfach glauben, da man vom Inneren keine Photos schießen darf.

Wir spazieren in der Nacht durch einen Park in dem am Tag viele Leute Drachen steigen lassen haben. Wir finden so einige in den Sträuchern und Bäumen. Wir schaffen es schließlich, einen einzufangen und lassen ihn steigen. Im Dunkeln und im kalten Dezemberwind.

Währenddessen bittet die Post, keinen Kimchi mehr ins Ausland zu schicken. Durch die Verspätungen durch Corona saugen die anderen Pakete den Geruch auf. Und das riecht wahrscheinlich streng im Logistikzentrum.

Ich tanze mal wieder auf einer Maschine in einer Spielhalle während Anna die anderen Maschinen inspiziert. Als das Lied vorbei ist, höre ich plötzlich Applaus hinter mir. Ein paar Jungspunde sind kurzzeitig meine Fans geworden, bevor ich mich mit der Schwierigkeit des nächsten Liedes übernehme und nicht mehr hinterherkomme.

Und da ist Silvester auch schon da. Wir feiern im Ruhigen mit einem Kumpel. Keine Straßenfeste. Keine Ansammlungen von mehr als vier Personen. Keine 33 Gongs in den Tempeln um das neue Jahr einzuläuten. Kein Feuerwerk. Hügel und Berge in den großen Städten sind gesperrt, damit die Leute nicht in großen Ansammlungen den ersten Sonnenaufgang des Jahres anschauen. Ja, die Koreaner stehen zu Neujahr äußerst früh auf, kraxeln einen Berg hoch und schauen sich den ersten Sonnenaufgang des Jahres an.
Und dann kommt noch hinzu, dass alle auf einmal ein Jahr älter werden. Alle Menschen in Korea werden zum ersten Januar ein Jahr älter. Wir sind dementsprechend zwei Jahre älter als unser "internationales" Alter, was sich erst wieder zu unserem Geburtstag ändert.

Die Arbeit im Waffelbackgeschäft beendet, sagen wir Busan "au revoir" und fahren erst einmal für ein Wochenende zurück nach Tongyeong, und überlegen uns, wo es als nächtes hingehen soll. Johnny lässt uns für etwas Arbeit kostenlos in der Herberge bleiben und wir bleiben schließlich ganze zehn Tage.

Mal was für das Allgemeinwissen: Zum ersten Geburtstag eines Kindes stellt ihm die Familie verschiedene Objekte auf einen Tisch. Das soll die Zukunft des Kindes vorhersagen, je nachdem, welches Objekt das Kind zuerst greift.
Wenn es zum Beispiel nach Geld greift, wird es später reich werden, ein Strick für ein langes Leben, usw. Manche sagen, wenn es nach tteok, dem koreanischen Reiskuchen, greift, dann wird es dumm sein. Das wird unter Erwachsenen manchmal zum Spaß gesagt. "Na, du hast wahrscheinlich nach tteok gegriffen!"

Eigentlich wollten wir auf eine Insel, aber der Bus, der bis zur Fähre fährt, kam einfach nicht und so sind wir halt in einen Abenteuerwald gegangen. Tolle Sache, vor allem, wenn man Höhenangst hat. Und noch toller, wenn das Ganze mit einem Sprung ins Bodenlose endet. Noch eine halbe Stunde später war ich am Schlackern, was Anna sehr amüsiert. Sie ist übrigens gar nicht erst da hoch gegangen, nur so nebenbei gesagt.

Wir begeben uns wieder auf Reisen. Der erste Halt ist in Jinju, wo wir den Bus wechseln. Wir nutzen die Wartezeit, um die Burg dort zu besuchen. Mit unseren großen Rucksäcken. Zum Glück haben wir ein paar Sachen nach Europa geschickt, bevor wir aus Busan weg sind.

Und weiter geht's mit dem nächsten Bus nach Suncheon, wo uns ein schönes Hotel mit allerhand Kitsch erwartet. Wir gehen in einen Blumengarten der weitaus größer ist als gedacht. Und auf einmal geht das Licht aus und wir finden nur mit Schwierigkeiten die Brücke, die uns auf die andere Seite des Parks führt. Und dort, Überraschung, erwarten uns viele Lichtspiele.

Am nächsten Tag gehen wir zu einem Filmset, dass das alte Korea der 50er bis 80er Jahre bezeugt. Wir schauen uns die Filmposter an, von den Filmen, die hier gedreht wurden und kennen keinen einzigen davon. Ein Schneesturm überrascht uns und wir verschanzen uns schnell in einer Kolathek. Das ist eine Diskothek von damals, wo es, wie der Name vermuten lässt, keinen Alkohol zum Ausschank gab. Wenn man sich betrinken wollte, musste man halt ins Restaurant gehen.  

Wir kommen dann endlich in Seoul an, wo es wirklich überall viele Menschen gibt. Endlich weg vom Dorf namens Busan, wo es kaum mehr als sechs oder sieben Millionen Einwohner gab.

Als erstes gehen wir auch direkt in eine Filiale unserer alten Waffelarbeit. Die brauchen uns zwar nicht mehr, dafür können wir dort aber jedes Mal kostenlos essen, wenn wir vorbeikommen. 

Wir spazieren in der Stadt und stellen fest, dass das Rathaus von Seoul uns ein Ohr hinhält. Ganz wörtlich. Vor dem Rathaus wartet ein Ohr darauf, dass man den Knopf drückt und dann kann man seine Nachricht innerhalb von 30 Sekunden einsprechen.

Wir stolpern über den Berliner Platz, der kaum mehr als 20 m² misst. Trotzdem haben sie es geschafft, eine echte Berliner Bärstatue, eine uralte Straßenlampe und ein paar ausrangierte Mauerteile aufzustellen.

Und schon geht es wieder auf Reise, wir fahren mit Dudu, einem Freund aus unserer Zeit aus Gangneung, auf Ski-Urlaub. Bei bis zu minus 17 Grad fror sogar mein Bart ein. Wir haben Spaß bis ich ausrutsche und auf meine Hand falle. Ich kühle sie dann im Hotel mit einem eingefrorenen Handtuch. Erinnert euch das nicht an was? 

Wir verbringen noch ein paar Tage auf der Skistation bevor wir nach Incheon fahren, Metropole gleich neben Seoul und vor allem bekannt für seinen internationalen Flughafen, auf dem man ankommt, wenn man nach Seoul will. Eure Stadt hat nur halbwegs was aus sich gemacht, wenn man nur dort hin geht, um woanders hinzukommen.

Jedenfalls fängt die Odyssee im kleinen Ski-Ort namens Pyeongchang an, welcher übrigens nichts mit der Hauptstadt des Nordens zu tun hat. Wir frieren uns die Zehen während einer Stunde an der Bushaltestelle ab, wo es kein Schild gibt, ob der Bus überhaupt existiert. Wir gehen zurück ins Hotel und trinken eine heiße Schokolade. Die Dame an der Bar macht sich schlau und sagt uns, wann der Bus vorbeikommt. Wir warten noch ein oder zwei Stunden und halten den Bus dann einfach direkt vorm Hotel an.

Wir kommen endlich am Bahnhof von Pyeongchang an und wollen Tickets nach Seoul kaufen. Da wir aber nicht die einzigen mit der Idee sind, können uns die Menschen am Schalter nur Tickets für den halben Weg verkaufen. Wir steigen in einer Stadt, von der wir noch nie etwas gehört haben, aus und laufen bis zum Busbahnhof. Dort, welch Glück, gibt es einen Bus der direkt bis nach Incheon fährt.

Wir kommen schließlich mit mehr als zwei Stunden Verspätung in Incheon an, dank der Staus in den Ringen um Seoul. Wir haben also fast den ganzen Tag gebraucht, um etwa 300 km hinter uns zu bringen. Alles Gute zum Geburtstag, Anna, so nebenbei.

Um unsere Ankunft und ihren Geburtstag zu feiern, verbringen wir die Nacht in einem Kapselhotel mit Videospielen und Mangas. Hier zahlt man für 24 Stunden und nicht pro Nacht. Wir haben den Eindruck, in einem Raumschiff zu schlafen und spielen mit all den Knöpfen in unseren Kapseln.

Aber wir sind ja nicht nur hierher gekommen, um wieder in unsere Teenagerzeit zurückverfrachtet zu werden und den ganzen Tag Videospiele zu spielen und Mangas zu lesen. Leider müssen wir auch die Touristen mimen. Erster Stopp: Songdo, eine weitere Planstadt. Sie wurde auf dem offenen Meer gebaut, oder viel mehr wird sie seit 20 Jahren gebaut und erweitert. Heute ist die Halbinsel voll mit modernen Gebäuden aber es gibt noch genug Brachland und ein paar Parks sind noch nicht wirklich fertig.

Am nächsten Morgen fahren wir in die einzige "offizielle" Chinatown in Korea. Dort stehen so einige Gebäude im chinesischen Stil des 19. Jahrhunderts und jede Menge andere Sachen, die an China erinnern. Wir haben aber trotzdem den Eindruck, dass irgendetwas fehlt... Ah, ja genau. Hier gibt es keine Chinesen. Sie wurden auf nette Weise verscheucht als Korea seine Grenzen vor vielen Jahrzehnten zu gemacht hatte. 

Es ist Mitte Februar und dementsprechend Seoullal, das koreanische Neujahr. Dieses Jahr gibt es aber keine Festlichkeiten und wir schauen uns nur ein paar schön dekorierte Tempel an.

Nur ein paar Tage nachdem wir in Seoul angekommen sind, finde ich schon neue Arbeit. Aber ich wollte noch ein bisschen mehr Urlaub haben um die Stadt zu entdecken! Nun gut, dann mache ich halt Essen in einem veganen Lieferrestaurant. Dienstags ist übrigens Burrito-Tag, an dem ich mehr als 100 Burritos mache. Meine Liebe für Burritos hat ein plötzliches Ende genommen.

Wir müssen erneut unsere Adresse beim Rathaus ändern. Wie so oft hier, kommt es ganz drauf an auf wen man auf der anderen Seite des Schalters stößt. Anna geht hin, als ich auf Arbeit hin, verbringt dort Jahre, nur dass man ihr am Ende sagt, dass sie das online machen muss. Ich gehe am nächsten Morgen und bin nach 15 Minuten fertig. 

Um das zu feiern, gehen wir in einen Park mit großen runden Dingern. Es handelt sich hierbei um ehemalige Öllager, direkt neben einem gigantischen Stadion, die in Kunstausstellungen umgemodelt wurden. Wir verschönern uns den Tag, indem wir auf einen hohen, rechteckigen Hügel klettern. Der Hügel war einmal die größte Müllhalde in der Welt und ragt noch heute hoch über die Dächer Seouls hinaus. Alles kann ein Touristenmagnet werden, wenn man nur ein paar Schilder aufstellt und Golfwagen zum Transport zur Verfügung stellt.

Ich begebe mich ins famose Gangnam-Viertel, wo ich in einer auf Audio spezialisierten Firma Übersetzungen für eine TV-Marke machen soll. Zwei Wochen später bin ich wieder dort, um meine Stimme aufzunehmen, mit der eine künstliche Intelligenz spielen soll, um deutschsprachige Nutzer besser zu verstehen.

Wir fahren in eine Stadt namens Paju Book City. Hier gibt es viele Verlagshäuser gibt. So viele, dass daraus eine kleine Stadt geworden ist. Uns interessiert vor allen Dingen die Architektur. Nicht nur sehen die Häuser gar nicht aus wie im Rest von Korea, sondern man möchte meinen, dass jemand alle Projekte von Architekturstudenten im ersten Studienjahr zusammengesammelt hat und sich gedacht hat: Ja, warum eigentlich nicht!

Unsere Reise führt uns in das nächste architekturale Wunderland: Provencetown. Genau, ein Dorf, dass den Dörfern in der Provence in Frankreich nachempfunden ist. Wie im Fall von Chinatown weiter oben gibt es hier wahrscheinlich auch nur wenige Provençale Menschen die hier tatsächlich leben. Nicht nur, weil das Dorf eher ein kleiner Vergnügungspark mit jeder Menge Läden und keiner einzigen Wohnung ist, sondern vor allen Dingen weil dort ein Eiffelturm mitten im Dorfzentrum steht. Selbst der Schriftzug "Provence" auf selbigem Turm mach die Sache nicht besser. 

Wir klettern einen Berg hoch, nachdem wir eine andere Vergnügungsstadt durchquert haben, und schauen uns den Sonnenuntergang über Nordkorea an. Ja, meine Damen und Herren, wir haben Nordkorea gesehen. Von weit weg, hinter dem Stacheldraht und nach einem Fluss, konnten wir es erspähen. Dort waren aber nur Berge und Wälder zu sehen. Der Legende zu Folge hat der Norden am Flussufer irgendwo eine kleine Stadt gebaut, um seine Wirtschaftsmacht dem Süden zu demonstrieren. In dieser Stadt aus Karton lebt natürlich niemand.

Am 14. März ist der sogenannte White Day in Korea. An diesem Tag zahlen es die Frauen den Männern für den 14. Februar heim, an dem sie ihnen Schokolade geben müssen. Am 14. März ist das genau andersrum.

Wir lassen uns an diesem Tag testen. Nicht, weil wir mit jemandem in Kontakt waren oder weil uns langweilig ist, sondern weil alle Ausländer in Seoul sich testen lassen müssen, weil es ein paar Fälle auf Bauernhöfen gab, wo auch Ausländer arbeiten.

Eines schönen Tages nehme ich Anna mit in die Metro und dann in einen Bus aufs Land. Sie weiß nicht, wo wir hinfahren und hat Angst, dass ich sie an Bauern für ein paar Radieschen verkaufe. Keine Sorge, Schatz. Ich mag keine Radieschen.
Wir kommen schließlich in einer schön geschmückten Höhle an, die wahrscheinlich auch die meistbesuchte Höhle der ganzen Halbinsel ist. 

Kennt Ihr Katzen- und Hundecafés? Wir sind auch in ein Café gegangen wo es Katzen, Hunde und... Erdmännchen gab. Anna hat sich auch sofort mit den Tieren wohlgefühlt, wie ihr in dem Foto unten, dass ich nicht gefunden habe, nicht feststellen könnt.

Wir machen weiter mit einem Café, in dem man malen kann. Der Eigentümer gibt uns Pinsel, Farbe und Papier zusammen mit unserem Getränk. Die Wände sind voll mit mehr oder weniger gelungenen Werken früherer Kunden und wir malen, während wir den Sonnenuntergang über der Altstadt von Suwon betrachten und unsere Smoothies, Geschmacksrichtung Mango-Erdbeere-Fatalismus, schlürfen. Der wohl bekömmlichste Aspekt der des Mal-Cafés war aber wahrscheinlich das große Schild an der Eingangstür, dass Kindern den Zutritt formell verbietet.

Wir sitzen wieder in einem Bus, um in einen Vergnügungspark zu fahren, etwa eine Stunde südlich von Seoul. Wir waren auch nicht die einzigen, die diese Idee hatten und der Bus ist voll mit aufgeregten Paaren. Da ist es noch so erstaunlicher, dass niemand den kleinen Knopf gedrückt hat, damit der Bus auf dem großen Parkplatz oben auf dem Hügel vorm Park anhält. Der Busfahrer fährt also weiter, wieder den Berg runter und lässt uns an einem kleinen Halt am Fuße des Berges wieder raus, als ihm ein paar Fahrgäste wahrscheinlich gesagt haben, dass der Großteil der Insassen eigentlich doch Achterbahn fahren wollte. Wir erklimmen also ein zweites Mal den Berg, diesmal zu Fuß.

Wir fragen bei der Touristeninformation, spezialisiert in Reisen in die DMZ, die demilitarisierte Zone zwischen den beiden Koreas, ob wir eine Tour buchen können. Uns wird das verneint, weil dort gerade eine Art Schweinegrippe vorherrscht. Sie scheinen daran mindestens genauso stark zu glauben wie wir. Auf die Frage, wann das denn sonst wieder möglich sei, wird uns mit Schulterzucken geantwortet. Vielleicht in einem Jahr. Okay, wir kommen wieder.

Wir kommen durch Zufall durch einen Park mit einem großen runden Ding aus Beton in der Mitte. Bekannte Persönlichkeiten aus aller Welt haben hier ihre Signatur und Wünsche eingravieren lassen, unter anderen Jacques Chirac und der Gouvernör von Hawaii. Wir erfahren, dass es sich hierbei um eine Zeitkapsel handelt, die in etwa 400 Jahren zum 1000. Geburtstag der Stadt Seoul wieder geöffnet werden soll. Okay, wir kommen wieder.

Habt ihr schon einmal in einer Stadt mit schlechter Luftqualität gelebt? In Deutschland werden zum Beispiel Maßnahmen getroffen, wenn Kleinstpartikel Werte von mehr als 50 Teilen pro Kubikmeter überschreiten. Hier in Seoul haben wir bereits Werte von über 800 erleben dürfen. Die Luft ist zum einen schlecht, weil in der Metropole 26 Millionen Menschen leben, aber zum anderen auch wegen dem "gelben Staub" der aus den Wüsten in China auf die Halbinsel rüber geblasen wird, wenn der Wind schlecht steht. Was er anscheinend öfter tut.

Wir versuchen unser Visa um einen Monat zu verlängern, um die letzten Formalitäten für unsere nächstes Reiseziel abschließen zu können: Thailand. Anna hat ihre Verlängerung problemlos bekommen und versucht, ihre Freude zu verbergen. Diesmal bin ich auf die falsche Person gestoßen, die mir am Ende sagt, ich soll das Ganze online machen. Was ich auch getan hatte und mir die Verlängerung abgelehnt wurde. Ich mache also einen neuen Termin bei der Immigration, diesmal bepackt mit einem Motivationsschreiben und einem Rückflugticket nach Deutschland. Ich habe ganz schön geschwitzt, aber schließlich doch meine Verlängerung bekommen. Und mir wurde die Hälfte meines Flugtickets nach Deutschland wiedererstattet. Nicht gerade billig, für ein 30-tägiges Visum.

Um diesen Erfolg zu feiern, fliegen wir zum Mallorca Koreas. Die halb-subtropische Insel (dort stehen halt Palmen) ist von den Koreanern so geliebt, dass die Flugroute zwischen Seoul und Jeju die meistgeflogene in der Welt ist. Wir verstehen was das genau bedeutet erst, als wir am Flughafen in Gimpo ankommen. Alle fünf Minuten geht dort ein Flieger nach Jeju. Unser Flug ist voll ausgebucht und wir fliegen lässig die ersten 400 km in 35 Minuten, bevor wir in einen Stau geraten und die 50 letzten Kilometer in einer halben Stunden spazierenfliegen, während wir darauf warten, landen zu können.

Als wir endlich auf der von den Koreanern so hochgelobten Erde landen, geht es zuerst zu Fuß ins Abenteuer. Wir stoßen auf einen uralten Go-Kart-Platz auf einem noch älteren Parkplatz am Landstraßenrand und fahren spontan ein paar Runden. Der Eigentümer macht uns einen Preis und wir bedanken uns, indem wir einen Reifen in einer steilen Kurve aus Versehen platzen lassen.

Wir fahren die Küste in einem Bus ab und stoßen auf einen riesigen Felsen mitten auf der sonst platten Erde. Wir kraxeln hoch und entdecken dort einen Tempel in einer Höhle und eine tolle Aussicht aufs Meer. Und ein altes niederländisches Schiff, dass dort vor ein paar Jahrhunderten auf Grund gestoßen ist und bis jetzt immer noch nicht das Reserverad aus dem Kofferraum geholt hat.

Wir fahren mit einem anderen Bus die anderen Hälfte der Insel ab und kommen am Eingang zu einer Höhlenansammlung an, die vor Millionen Jahren von Lava geschaffen wurden. Wir haben kein Glück, heute ist zu. Wir gehen also in einen Park mit Labyrinth nebenan, wo sich viele Leute finden, denen das gleiche Schicksal wiederfahren ist.

Das Wetter wird langsam schlechter und wir entscheiden uns dafür, die Insel zu verlassen, bevor wir hier stecken bleiben und unseren Termin bei der thailändischen Botschaft verpassen. Da sich die Insel mitten im Meer befindet, wird sie regelmäßig von Stürmen und Taifuns heimgesucht und Schiffe und Flugzeuge bleiben im Hafen.

Wir spazieren etwas durch die Hauptstadt der Insel und kommen am Hafen an. Wir kaufen zwei Tickets und es geht auf eine Kreuzfahrt zur Stadt Mokpo, an der Südwestküste des Landes. Auf dem Schiff gibt es keine Sitze, dafür aber schuhfreie Zonen mit Fußbodenheizung, wo man sich hinsetzen oder hinlegen kann. Es gibt dort auch ein Kino, ein Restaurant, eine Bar, Massagesitze und Videospiele. Uns wird während der fünf Stunden Überfahrt nicht langweilig. 

Wir entdecken die Hafenstadt Mokpo und beschließen, eine weitere Nacht zu bleiben, um uns die violetten Inseln anzusehen. Ein folgenschwerer Fehler, denn die Hin- und Rückfahrt mit dem Bus kostet uns fast den ganzen Tag.


Schön, oder? Zurück in Seoul sprechen wir mit dem Inhaber des Hostels der uns Mokpo und die Geschichte der violetten Inseln näherbringt. Auf den Inseln wurden anscheinend behinderte Menschen von den Bauern dazu gezwungen, auf den Feldern zu arbeiten. Weiterhin erklärt er, dass die "Gangster" in Seoul und Busan meistens auch aus dieser Region stammen. Nur halb im Scherz erklärt er, dass es in jeder Familie in Mokpo mindestens einen Mafiaangehörigen gibt. Uns geht es aber gut.

Wir liefern unsere Reisepässe in der thailändischen Botschaft ab. Und was finden wir gleich nebenan? Ein deutsches Restaurant. Wir bleiben dort zum Essen und der Geschmack erinnert schon entfernt an deutsches Essen. Nicht all zu verwunderlich, da es auf dem Menü auch thailändische Gerichte gibt, weitaus günstiger, um den Mitarbeitern der Botschaft das Heimweh zu lindern.

Wir besuchen das fünfthöchste Gebäude der Welt, den Lotte Tower, benannt nach und erbaut durch den riesigen koreanischen Lotte-Konzern. Welcher wiederum nach der verlorenen Geliebten in einem Goetheroman benannt wurde. Wir finden auch eine große Statue des Autors im Park am Fuße des Turms, dem Bauwerk mit seinem 123 Etagen hinaufschauend.

Und wir haben unsere Visa! Um das zu feiern, fahren wir für ein bisschen Urlaub mit dem Bus nach Gangneung und besuchen Will und Yihan in ihrem kleinen Hotel. Wir gehen in ein Museum mit unechten Stalaktiten mitten im Nirgendwo und essen auf dem Rückweg mit Hailey im Viertel des weichen Tofus in Gangneung.

Wir nehmen erneut die zweitlängste Busfahrt Koreas auf uns und fahren direkt bis nach Busan, wo wir meinen Schachfeind, André, treffen. Wir sind auch perfekt zum Geburtstag Buddhas da und gehen in einen großen Tempel auf einem der unzähligen Hügel Busans. Mehr als 10.000 bunte, leuchtende Laternen dekorieren den Tempel und tausende andere Menschen hatten die gleiche Idee.

Wir nehmen einen kleinen Zug von Busan und fahren zurück nach Seoul und beenden damit unsere letzte Runde in Korea. Wie viele Runden haben wir denn nun hinter uns? Vier? Fünf? Wir haben aufgehört zu zählen.

Wir gehen ein letztes Mal in den Waffelladen und finden dort den CEO zufällig vor. Er erzählt uns, dass er einen thailändischen Freund vor 20 Jahren in New York kennengelernt hat und welcher jetzt eine Bäckerei in Chiang Mai hat. Die Welt ist ein Dorf. Er sagt uns, in seinem Namen mal hallo zu sagen und steckt uns ein paar Banknoten in die Tasche.

Wir verbringen einen guten Teil des Nachmittags am Flughafen und warten auf unsere Testergebnisse. Wir nutzen die Zeit und tanzen bei den Reinigungskräften mit, die sich in der Gruppe für den Arbeitstag aufwärmen. Wir schließen auch unsere Bankkonten und bekommen unsere letzten Taler ausgezahlt. In Annas Fall waren das phänomenale 20 Won, oder etwa 1,4 cent. Nicht schlecht.

Und auf geht's! Noch nie haben wir einen so leeren Flughafen gesehen, wo es mehr Angestellte als Passagiere gibt. Wir steigen ins Flugzeug ein und die Stewardess informiert uns direkt, dass der Boardingprozess schon abgeschlossen ist. Wir schauen uns um und sehen, dass wir das komplette hintere Drittel des Fliegers für uns haben. 

Und da heben wir auch schon ab. Mach's gut, Korea. Bis bald!


PS: hier die Fakten die wir für die Quizze gesammelt hatten, aber zu faul waren, nochmal zu bearbeiten:

Es gibt sogenannte "Green Food" Zonen 200 m um Schulen, usw. herum. Nach einer gewissen Zeit haben wir herausgefunden, dass es sich hierbei um Fast-Food-Verbot in Schulnähe handelt. Kein Mäckes für Schüler.

Mit Freude und nur ein paar Monaten Verspätung stellen wir fest, dass die Buskarten, die wir in Seoul gekauft hatten, überall im Land funktionieren. Und nicht nur für Busse, sondern alle Transporte und sogar in 24h-Läden.

An bestimmten Fußgängerampeln kann es passieren, dass man, bei rot, den Fuß etwas über die gelbe Linie streckt und eine automatische Stimme mitteilt, dass dies gefährlich ist.

Wenn Handwerksarbeiten außen vorgenommen werden, wickeln die Arbeiter die umstehenden Autos in Plastik ein, um sie vor Staub und Farbflecken zu schützen.

Die Koreaner können nicht still sitzen. Ob im Bus, in der Bahn oder in Cafés. Immer, wenn ein vermeintlich besserer Platz frei wird, wird sich schnell umgesetzt.

Man kann sich Essen auf eine Wiese liefern lassen. Wenn die Wiese sehr groß ist, dann gibt es speziell für die Lieferanten Schilder, die die Wiese einteilt.

Wenn man in Korea ein Handy kauft, dann kann man das Klickgeräusch des Fotoapparats nicht ausschalten. Das soll heimlich und ungewollt genommene Fotos verhindern.

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