März: Die Leute: Wir wollen Masken! Die Regierung: Wir haben keine.
Juni: Die R: Wir haben jetzt welche. Die L: Jetzt wollen wir keine mehr!
Juli: Die L: Wir wollen einen Impfstoff. Die R: Wir haben keinen.
Dezember: Die R: Wir haben jetzt einen. Die L: Jetzt wollen wir nicht mehr!
Februar 2021: Die L: Wir wollen vernünftige Leute in der Regierung! Die R: Ja gerne, aber wo sollen wir die denn finden?
Wir kommen in Gwangju an, nach einer Busfahrt quer durchs Land.
Es ist Anfang August und es herrscht eine erdrückende Hitze. Erstickend. Erschlaffend. Zerschlumpfend sogar.
In Korea, wenn man eine Teilzeitstelle anfängt, ist es eher unüblich einen Vertrag zu schreiben. Wenigstens kann man dann, sobald (und nicht falls) man festgestellt hat, dass die Arbeit Mist oder die Chefs Flachpfannen sind, wann immer man will ganz straffrei das Weite suchen.
Teilzeit ist hier übrigens etwas willkürlich. Wir haben Kollegen die nicht weit von 40 Stunden pro Woche entfernt sind und trotzdem als Teilzeitkraft gelten. Es lebe die Arbeit.
Um unsere Behausung nicht zu teuer zahlen zu müssen, verbringen wir ein paar Nächte in einem Love Motel in Gwangju. Komplettes Paket inklusive Täschchen mit Massage-Gel, Gleitmittel und Kondomen vom Empfang erhalten.
Das Motel ist in Ordnung, aber das Viertel ist anscheinend gerade kurz vor der ‘Sanierung’ wie man es hier so oft hört. Im Klartext bedeutet das viele (relativ) alte und leerstehenden Gebäude, die auf den Abriss warten so wie unzählige Baustellen auf denen gerade Wohnblöcke hochgezogen werden. Die Straßen sind Nachts menschenleer und etwas gruselig. Müssen wir deshalb Angst haben beim rausgehen? Nein.
Jeongeun, unsere ehemalige Kollegin in Gangneung und ursprünglich aus Gwangju, hatte uns vorgewarnt: Alle Welt trägt Crox in Gwangju. Die sind offensichtlich eher bequem.
Ist die nicht riesig!?
Ich komme an einer Straße mit 16 Spuren vorbei und sehe, wie ein Typ gerade zum Geisterfahrer wird und nicht einfach wieder umkehren kann. Er müsste zu Hause angekommen wahrscheinlich erstmal die Unterwäsche wechseln.
In dem Kaufhaus in dem wir arbeiten müssen vorher bestimmte Angestellte von jedem Laden morgens die Kunden begrüßen und sie abends verabschieden. Dies machen alle zusammen, vor ihrem Laden stehend. Ein beeindruckender Chor entsteht. Schade nur, dass die Kunden noch gar nicht die Zeit hatten, bis auf unsere Etage vorzudringen, wenn der Singsang schon wieder vorbei ist.
Wir ziehen um, mal wieder. Das schöne Officetel, eine Art Studiowohnung für Büroangestellte, in welchem wir bisher wohnten und das von der Firma bezahlte wurde, ist nicht mehr. Wir reservieren zwei Betten in einem Hostel. Da sie auch dort keine Gäste haben und da es wahrscheinlich einfacher zu reinigen ist, werden in ein Penthouse Zimmer in einem Motel gegenüber verfrachtet. Cool.
Wir haben ein paar freie Tage bevor es wieder mit der Arbeit losgeht. Wir machen also einen kleinen Abstecher nach Seoul, im Zug.
Dein Zug hat Verspätung? Auf dem Bahnsteig bei Ankunft drücken uns Mitarbeiter einen Zettel in die Hand, auf dem erklärt wird, wie man eine Rückerstattung bekommen kann. „Und?“ zuckt der Deutsche mit den Schultern. In der Tat wenig Erstaunliches für einen Nutzer der deutschen Bahn. Etwas weiter westlich klingt die Sache aber schon äußerst utopisch. Fragt mal Anna. Oder einen Franzosen. Oder Portugal.
Wir gehen zum Friseur um mir den Teppich auf dem Kopf etwas leichter zu machen. Der Laden ist eher chic und man klebt mir eine dursichtige Schutzmaske auf die Stirn, damit ich weiterhin rumschauen kann ohne dabei Haare in meine sensiblen Linsen zu bekommen.
Mit meiner neuen Frisur geht es direkt weiter in die Arkaden, wo ich direkt auch meine einzige kurze Hose beim Tanzen zerreisse. Zum Glück ist der Sommer bald vorbei. Und zum Glück habe ich ein langes T-Shirt an.
Mit meiner neuen Frisur geht es direkt weiter in die Arkaden, wo ich direkt auch meine einzige kurze Hose beim Tanzen zerreisse. Zum Glück ist der Sommer bald vorbei. Und zum Glück habe ich ein langes T-Shirt an.
Wir treffen uns mit Yonny, eine andere ehemalige Kollegin von Gangneung, im Business Viertel Gangnam um zusammen Hühnchen zu essen und setzen uns dann an den Fluss Han, der die Stadt Seoul durchquert.
Ich gehen in einen Convenience Store (eine Art kleiner Supermarkt, geöffnet 24/7) auf einem Boot um den Biervorrat aufzustocken. Hier werde ich zum ersten Mal seitdem wir in Korea angekommen sind nach meinem Ausweis gefragt. Sehe ich so jung aus?
Wir fahren zurück nach Gwangju für ein letztes Arbeitswochenende hier. Dann fragen wir uns, was wir denn die nächsten zwei Wochen machen sollen, bevor es dann in Busan losgeht? Schlechtes Wetter? Zurück auf die Farm also und schon am nächsten Morgen sitzen wir im Bus nach Daegu, wo es immer noch unglaublich heiß ist. Kim und sein Frau holen uns im Auto ab und wir halten am Markt für ein paar leckere Snacks bevor es nach Hause geht. Und noch ein Taifun bringt wieder tagelangen Regen mit sich. Zum Glück sind wir nicht nach Jeju geflogen, wie wir ursprünglich vorhatten. Dort pfeift der Wind gerade mit bis zu 210 km/h über die Insel. Wir sitzen im Trockenen und schnippeln fünf Stunden lang Äpfel bevor wir Chilischoten in der Chilischotenwaschmaschine säubern. Das brennt in den Augen.
Und hier mal wieder eine Koreanischlektion: Das Wort für spielen und besuchen ist das Selbe im Koreanischen. Warum ist das wichtig? Weil uns ein betagter Herr mit 80 Lenzen, auf Englisch, zu sich zum Spielen eingeladen hat.
Da wir gerade vom Spielen reden, ich wurde zum Filmdreh mit koreanischen Stars als Statist angenommen, als der hübsche Typ auf einem Surfboard. Ich nehme also den Bus nach Daegu, setze mich schließlich in Daegu in den Direktzug nach Seoul und schaue auf mein Handy. Dort kam gerade eine Nachricht an, die mich darüber informiert, dass der Dreh abgesagt werden musste, weil jemand im Team positiv getestet wurde. Ich renne und kann noch aus dem Zug aussteigen bevor die Türen schließen und ich erst wieder in Seoul rauskann. Ich schaffe es, mein Zugticket zurückzuerstatten und setze mich in den nächsten Bus zurück zur Farm. Und was macht ihr so an euren freien Tagen?
Und ein dritter Taifun innerhalb von zwei Wochen, der Böen von bis zu 200 km/h mit sich bringt. Das ruiniert die Frisur und weckt uns in der Nacht auf. Am nächsten Morgen entdecken wir viele entwurzelte Apfelbäume auf den Feldern und andere Schäden. Was sagt der Wetterbericht? Noch ein Taifun in nicht mal einer Woche.
Wir nehmen unsere äußerst roten Chilischoten, die wir hart gepflückt, gewaschen und getrocknet haben, packen sie auf Kims Lastwagen und gehen auf Reise in die große Stadt, nach Daegu, wo wir unsere hart geernteten Früchte unserer Arbeit an Omas in Wohnblöcken liefern. Bei jeder Lieferung halten wir in der Straße und die Leute kommen und fragen nach dem Preis. Chili macht die Leute neugierig.
Der Tag der Abreise ist gekommen. Während wir auf den Bus im Dorf warten, will eine Oma zwei Hundebabys an Anna vermachen und versteht nicht so ganz das Problem, dass wir auf Reise sind. So ist das vielleicht in Ordnung, aber die wachsen ja noch. Während der ganzen Busfahrt muss ich Anna mehrmals erklären, dass die eben nicht so klein bleiben und irgendwann nicht mehr in unsere Rucksäcke passen.
Wir kommen in Busan an. Pünktlich zum nächsten Taifun. Wir waren noch nie so nahe und der Fernseher, der uns eigentlich auf dem Laufenden halten sollte, hat plötzlich kein Signal mehr, als Wind und Regen ankommen. Und auf einmal ist alles still. Kein Grund zur Freude, wir sind gerade nur im Auge und eine Stunde später geht das Ganze wieder von vorne los.
Wir stellen nicht zum ersten Mal fest, dass die Fenster ein Dichtungsproblem haben und die Küche leicht überschwemmt wird. Wir haben die Herberge übrigens für uns allein die meiste Zeit über. Da es keine ausländischen Touristen mehr gibt, gibt es allgemein weniger Touristen.
Wir spazieren im Viertel gegenüber des Bahnhofs, wo ein grosses, chinesisches Tor den Eingang zu Chinatown anpreist. Wir stellen schnell fest, dass eine Invasion stattgefunden hat. Wir finden im chinesischen Viertel genauso viele russische Läden wie chinesische.
Hinzu kommt, dass alle Russen, die wir auf der Straße treffen, mich auf Russisch anquatschen und überrascht sind, dass ich kein Russisch spreche. Sehe ich so Russisch aus?
Ich begebe mich ins Einkaufszentrum gegenüber von unserer Wohnung um eine Yogamatte zu kaufen. Ich finde mich in einem unglaublichen Shoppingalbtraum wieder, wo drei Gebäude auf komplexe Art und Weise miteinander verwoben sind. Ich verlasse das Zentrum eine Stunde später wieder, mit leeren Händen aber etwa fünf Jahre älter.
Wenn ich unseren Kollegen sage, dass Anna meine Freundin ist, dann, nun ja, klatschen sie. Ich weiß nicht so recht, wie ich das verstehen soll. Und Anna erst recht nicht.
Da ich ein bisschen Freizeit habe während Anna arbeitet, habe ich mich dazu entschlossen, ein paar Studenten beim Dreh eines Kurzfilms für ihre Semesterarbeit zu helfen. Erste Szene: Ich muss mich erhängen und bekomme im Gegenzug ein kaltes Steak, dass ich vor der Kamera essen darf.
In Gangneung erhalten Will und Yihan Post für uns. Genauer gesagt, Rechnungen, die wir für die koreanische Krankenversicherung bezahlen sollen. Und auf geht’s in eine erneute Odyssee der Bürokratie um uns davon freizustellen. Bei der Versicherung wird uns gesagt, dass sie eine Übersetzung unseres Versicherungsscheins brauchen. Die Übersetzung kostet nicht all zu viel und wir sparen jetzt jeden Monat mehrere hundert tausende Wons.
Was machen wir denn nur mit all dem Zaster? Wir investieren ihn in Arkaden, natürlich. Wir versuchen unser Glück an einer Klauenmaschine und versuchen, ein Plüschtier zu ergattern. Nachdem wir mehrere tausend Won „investiert“ haben, geben wir auf und gehen an anderen Maschinen spielen.
Plötzlich gestikuliert uns ein Mann zu ihm zu kommen. Ist das die Kasino-Security wie man es aus Filmen kennt, die uns in einen dunklen Raum bringt, an einen Stuhl fesselt und uns nach unseren Komplizen ausfragt? Wir halten vor der Maschine an, die wir vorher benutzt hatten und fangen mit dem kalten Schwitzen an.
Der Herr fragt uns „Welches?“ in einer angsteinflössenden Stimme. Mit einer zittrigen Hand zeigt Anna auf ein Pokémon. Wir gehen einen Schritt zurück als der Mann einen riesigen Schlüsselring aus der Tasche zieht. Er öffnet die Maschine und drückt in Annas vor Angst feuchten Händen ein Pokémon der Spezies Relaxo.
Das war’s, Lars. Danke fürs Lesen, werte Germanesen. Genug für heute, Leute. Bis bald, Oswald.
Jetzt geht es auch direkt und ohne Umschweife weiter mit unserem Echterfunden.
Hier noch einmal die Regeln zur Erinnerung: Unter den drei folgenden Vorschlägen muss man die echten von den erfundenen trennen.
Die Lösung findet ihr ganz unten nach den Bildern. Viel Spaß damit.
*Wer schummelt, muss bereits am ersten Januar mit dem Countdown für das neue Jahr beginnen.
1 : Der koreanische Wein ist wenig bekannt aber sehr gut.
2 : Wisst ihr, wie bei uns die Jugendlichen Allen mit ihren Bluetooth-Lautsprechern auf den Sack gehen, Tag und Nacht Bänke in den Parks besetzen und überall hinspucken? Hier ist das genau das Gleiche, nur dass es hier die Rentner sind.
3 : Die Koreaner nutzen ganz kleine Duschhandtücher, die sie nach nur einmal benutzen in die Wäsche stecken.

















































































































































































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