Safranschmerzen und Rücken pflücken

Wir schlagen unser Nachtlager auf einem kostenlosen Campingplatz an einem Seeufer auf. Der Platz hat den schönen Namen Champagne Gully und wir werden schnell durch das Fehlen von frei fließendem Sprudelwein enttäuscht. Gegen 22 Uhr hält ein Wagen vor jedem geparkten Auto und unsere Hoffnung schnellt wieder in die Höhe. Ist das die Champagnelieferung, pünktlich zum Aperitif? Der Gefühlsfahrstuhl bringt uns zurück ins 2. UG, die Dame notiert nur alle Kennzeichen, da man hier nur einen Tag pro Monat bleiben darf.
Durstig - und, schlimmer noch, nüchtern - fahren wir weiter nach Beaumont. Wie der gallisch-klingende Name erahnen lässt, befinden wir uns irgendwo im Nirgendwo auf dem Lande. Genauer gesagt auf einer Wiese hinter dem Bar-Restaurant-Lotto des Dorfes. Wir treffen dort auf einen Franzosen, der es sich auf den nicht vorhandenen Hut geschrieben hat, die Insel auf dem Rad zu erforschen.

Weiter geht's nach Dunedin, viertgrößte Stadt Neuseelands. Wir werden uns wahrscheinlich nie an die Kiwi-Auslegung des Konzeptes einer Stadt gewöhnen, wo Läden und Büros im Stadtzentrum stehen und die Einwohner im Umland leben.
Wir drehen eine Runde durch den botanischen Garten, bevor wir die steilste Straße der Welt erklimmen. Wir haben es getan, wir haben geschwitzt, wir haben es für cool befunden und sind wieder gegangen.
Zu Ostern, anstatt Eier zu suchen, suchen wir Street-Art-Werke im Zentrum. Da es sich hier aber nicht um die gleiche Art der Genugtuung handelt, kaufen wir im Anschluss doch einen Karton im Supermarkt.

















Die Qual der Wahl.











Wir verlassen was hier allgemein als Stadt anerkannt wird und landen auf dem Sandfly Beach (und wir haben keine Angst!) auf der Otago-Halbinsel. Auf diesem Strand finden wir seltsam geformte, abgerundete Felsen. Als wir uns annähern, streckt einer der Felsen seine Nase gen Himmel, gähnt und setzt seine Siesta fort.











Wir fallen heute nicht nochmal drauf rein! In der Ferne, auf einer Düne, können wir eine Kolonie Pinguine ausmachen.
Oder auch nicht, sie entpuppen sich als schnöde, hässliche Steine (statt schnöder, hässlicher Pinguine).





Beim Abstieg beschließt ein Seehund seinen Mittagsschlaf inmitten unseres Weges zu halten. Wir laufen auf den Zehenspitzen vorbei (versucht das Mal im Sand, das nächste Mal wenn ihr am Strand seid) um die Bestie nicht zu wecken und sie durch ein Missverständnis auf eine Runde Ringen einzuladen.
Wieder am Strand angekommen wecken wir einen kleinen, offensichtlich verwirrten Pinguin von seinem Mittagsschlaf. Auf den Felsen drumherum sehen wir noch mehr Seehunde ihre Plauze bräunen.








Wir lassen die Tiere Tiere sein und finden uns an einem Leuchtturm wieder, wo uns Schilder das fürchten lehren.





Gefahr des Kopfverlierens.

Der Tag ist mit Aktivitäten voll, wir besichtigen kurz einen Wasserfall mit dem wohlklingenden Namen Purakaunaui (das R im Maori wird übrigens gerollt).




Vorwärts, wir müssen unseren Campingplatz im Dunkeln und im Regen finden. Der Platz ist wieder gratis und wir finden dort etwa 50 andere Vehikel und ein (in Zahlen: 1) Plumpsklo. Ohne Licht oder WLAN ist die Wartezeit allerdings und glücklicherweise begrenzt.
Am nächsten Morgen sehen wir auch endlich, wie denn der Platz und seine Umgebung eigentlich aussieht, bevor es durch ein mit Minen übersähtes Feld und auf gefährlichen Felsabhängen weitergeht. Ein paar Schafe mähen uns dumm von der Seite an, aber wir kommen trotzdem heil am Slope Point, dem südlichsten Punkt auf der Südinsel, an. Jep.





Was uns kurios an der Curio Bay aufstößt, ist, dass wir kein einziges der Tiere sehen, die uns so groß angepriesen wurden, dass man sie hier sehen kann. Die Seehunde, Pinguine und selbst die Delphine, die aus einem unerfindlichen Grund alle Hector heißen zu scheinen, haben die Bucht verlassen, bevor wir dort ankamen. Annas Kommentar: Doof.
Ja, super-doof.


Die Besichtigung der Industriestadt Bluff kann sich als äußerst charmant entpuppen, wenn man sie durch ein anderes Reiseziel ersetzt. Wir erklimmen trotzdem einen Aussichtspunkt, bei dem es äußerst windet (wir haben im geraten, seine Ernährung umzustellen), um eine etwas interessantere Sicht auf die Dinge zu bekommen.







Die Stadt Invercargill bringt uns in eine Identitätskrise. Die letzten 30 Jahre war ich mir sicher, zu wissen, wann ich eine Stadt und wann einen Witz eines Architekturstudenten im zweiten Lehrjahr vor mir habe. Die Phase scheine ich nun hinter mir zu haben. Wir essen kurz bei Burger King, um uns von diesem Schock zu erholen.
Es geht wieder zurück aufs Land, wo wenigstens unsere uns bekannten ästhetischen Werte nicht in Frage gestellt werden. Wir finden uns in Mossburn auf einem sehr schönen Campingplatz wieder.


Wie man hier unschwer feststellen kann, sind wir die Einzigen, die ihren Wagen nicht gemietet haben.

Wir starten unsere erste WWOOFing-Erfahrung. Für alle, die das nicht kennen: Das ist ein bisschen wie bei Mama und Papa wohnen. Nur dass Mama und Papa wollen, dass man für sie arbeitet, im Allgemeinen auf ihrer Farm. Wir sind dort nicht alleine, sondern finden uns, Auge in Auge, mit acht anderen WWOOFern (Leute die WWOOFing betreiben, Anm. d. R.) wieder. Unsere Tage bestehen darin, Safranblüten zu pflücken, anschließend die Blütenblätter von den roten Stängeln zu trennen, aus den letzteren dann das Gewürz mit dem gleichen Namen (Zufall? Ich denke nicht!) fabriziert wird.
Wir bleiben dort eine kurze Woche, etwa 30 km östlich von Te Anau, um Blumen zu pflücken, auf einem Quad Kühe zu Frühsport zu animieren und eine Crêpe Party zu machen (danke Anna!).
Wir schauen uns Te Anau etwas an, fahren an den Manapouri-See und machen eine schnelle Wanderung auf dem famosen Kepler Track. Schnell, da wir schnell die Nase voll hatten.

  





















Wir stehen zu einer eher unchristlichen Zeit auf, um in Milford Sound eine Kreuzfahrt zu machen. Vor dem Tunnel, der mehr einer notdürftig eingerichteten Mine gleicht, als einem Tunnel der jeden Tag die Durchfahrt hunderter Busse ermöglicht, werden wir von einer wilden Gang Keas angegriffen, während wir an der roten Ampel auf die Freigabe warten.


Erbsenzähler würden euch an dieser Stelle erklären, dass Milford Sound nicht ein Sound (Sund, also eine Meerenge) ist, sondern tatsächlich ein Fjord, da er nicht von einem Fluss gegraben sondern durch Gletscheraktivität geformt wurde. Dies kann man nicht unbedingt ... Hey, wohin geht'n ihr?
Verstanden, hier also die Bilder:





























In Manapouri übernachten wir im Possum Lodge. Wir machen einen Spaziergang nach Pearl Harbour, wo Kreuzfahrtschiffe noch tiefer in die Wildness des Fiordlands (das Fiordland fasst etwa ein Sechstel der Südinsel und zählt satte 45 Einwohner) bis nach Doubtful Sound (der, übrigens, ebenfalls kein echter -- Okay, schon gut ich hör ja auf) abfahren.
In der Nacht singt uns ein Possum sein wohlklingendes Lied. Wenn ihr noch nie ein Possum schreien gehört habt, dann stellt euch eine Opernsängerin (egal welche, sucht euch eine aus) vor, deren Kehle mit einem (sehr) rostigen Messer langsam aufgeschlitzt wird. Ich hatte noch nie so etwas Schauriges gehört, und das obwohl ich sogar Trumps Einweihungsrede ins Präsidentenamt von Anfang bis Ende mitverfolgt hatte!

Am nächsten Tag geht es in einen Erholungspark für Vögel. Alle dort lebenden Vögel haben die üblichen Verletzungen, die sich ein Vogel zulegen kann (gebrochener Flügel, gebrochener Schnabel, seinen besten Freund dabei gesehen zu haben, wie er die eigene Frau küsst, usw.). Wir finden dort auch Takahés, die Weltmeister im Versteckspielen. Forscher dachten 60 Jahre lang, sie seien ausgestorben. Danke, aber es geht ihnen besser. Als Belohnung gibt man ihnen Futter.



Uns zieht es zurück nach Mossburn, wo unser nächstes WWOOFing auf uns wartet. Die Eigentümer sind gerade im Urlaub, haben uns aber die Tür offen gelassen. Schick.
In Mossburn gibt es nicht viel zu tun (Touristen halten hier, um Pipi zu machen und/oder vollzutanken), aber unser eigenes Haus für uns zu haben missfällt uns nicht. Noch dazu, dass uns Marc erklärt, dass das Haus "eher warm" ist. Für Kiwi-Häuser ist das auf jeden Fall wahr.
Nachdem wir jeden Tag ein bisschen Gartenarbeit gemacht, ihren Hund Maggy Streicheleinheiten gegeben und Äpfel-süchtigen Schafen (Määhh!) zu Fressen gegeben haben, bleiben wir doch länger, obwohl wir eigentlich nur eine Woche geplant hatten. Am Ende ist ein Monat vergangen, bevor es uns dann weiterzieht und Marc uns einen kostenlosen Ölwechsel als Abschiedsgeschenk macht.

So, genug Unsinn für heute. Bis demnäxt und Küsschen!

























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