Dazed and Confused (temporärer Titel)

Ja, wie? Ein neuer Artikel? Jetzt schon? Wir sind genauso verwundert wie ihr.

Wir hatten also den WOF nicht bestanden (man erinnere sich) und sollten eine Woche später wiederkommen und Maryvonne beim Autodoktor stehen lassen. Es wurde allerdings Regen mit "außerordentlichen" Niederschlagsmengen für die nächsten Tage vorhergesagt.
Am Tag T, ein Teil dieses außerordentlichen Regens war schon gefallen und sorgte bereits für mehrere strassenblockierende Schlammlawinen. Wir verschieben unseren Termin. Der Regen macht unbeirrt weiter und nur ein par Stunden später wird die einzige Brücke, die auf dieser Inselseite in den Süden führt, vom Fluss weggeschwemmt. Pluff, weg war sie. Wir verwerfen unsere Terminplanung. Maryvonne muss sich wohl per Helikopter verarzten lassen.
Nachdem ein halber Meter Regen in kaum zwei Tagen gefallen waren, tragen Schlammlawinen im Norden unseres Dorfes dazu bei, dass wir komplett abgeschnitten sind.
Der Bürgermeister der Region ruft den Notstand aus. Unsere Chefin wirkt noch nervöser als sonst und hat Angst, dass wir mitten in der Nacht evakuiert werden könnten. Anna packt schon unsere Sachen für den Fall der Fälle. Nur das Nötigste natürlich, was fast unser komplettes Hab und Gut diesseitig des Äquators umfasst.
Als der Regen endlich aufgehört hat und der Schaden genauer unter die Lupe genommen werden konnte, erfahren wir die frohe Kunde, dass es sieben bis zehn Tage dauern wird, bis eine Übergangsbrücke über den Fluss gehievt werden kann. Die letzte Übergangslösung hielt übrigens 25 Jahre, bis vor ein paar Tagen eben.
Mit normalerweise mehr als einer Million Touristen im Jahr, die durch Franz Josef marschieren, kommentiert der Westland-Bürgermeister trocken: "That's not good for business." (Das ist schlecht fürs Geschäft, Anm. d. Ü.)






Das nächste Dorf ist nur 12 Stunden entfernt.


Wir wurden jedenfalls nicht evakuiert, Anna packt unseren Kram vorerst wieder aus. Als die Straßen im Norden wieder freigeschaufelt sind, verlassen uns auch die letzten Gefangenen und wir haben keine neuen Kunden mehr. Wir begeben uns also auf Halb-Zwangs-Urlaub. Richtung Norden, gezwungenermaßen.
Wir halten am Anfang (oder Ende, je nachdem, wie man die Sache sehen will) der Old Ghost Road, wo früher Abenteurer nach Gold suchten. Wir versuchen ebenfalls unser Glück und kommen mit leeren Händen und nassen Füßen zurück.
An unserem nächsten Halt in Reefton ist man richtig, wenn man mal was braucht. Man kann hier gebrauchte Bücher, gebrauchte Kleidung, gebrauchte Möbel und frische Socken kaufen.
Ich gebrauche diese Gelegenheit mal dafür, euch was von der nahen und ferneren Zukunft zu erzählen. Wir kommen im November nach Europa zurück, wo wir kurz in Lissabon notlanden und Sonne tanken werden, bevor es hoch in den kalten Norden geht, wo regelmäßig Eisblöcke vom Himmel fallen und Passanten erschlagen (hab ich mir sagen lassen).
Die Reise ist dort aber nicht zu Ende. Wenn der vorherige Satz für euch eine Überraschung ist, dann entschuldigen wir uns für das Vergessen eurer Existenz. Tickets für Ende Januar mit Ziel Südkorea sind gebucht. Wir wollen für dort auch ein Ferienarbeitsvisum beantragen, wie wir das hier schon machen (wir haben auch in Nordkorea geschaut, dort gibt es aber nur Arbeitsarbeitsvisa und Arbeitslagervisa).
Wir übernachten vorerst in einem Luxushostel in Nelson, weil Maryvonne stinkt. Dank des ausgiebigen Regens und des Lecks, das wir immer noch nicht gefunden haben, ist der Teppich völlig durchnässt. Während sie also weiter trocknet, chillen (nicht wörtlich zu nehmen, der Jaccuzi war sogar zu heiß für meinen wohl-adjustierten Organismus) wir im Schwimmbecken und im Whirlpool des Hostels, bevor wir in das Pumagehege von Zimmer gehen, wo sich bereits zwei junge Deutsche eingenistet haben. Ein kurzer Hindernislauf führt uns zu den Leitern unserer Hochbetten ohne Geländer.

Am nächsten Morgen kraxeln wir hoch zum Zentrum Neuseelands.





Genau.

In der Region namens Abel Tasman kann man mehrtägige Wanderungen vornehmen. Da wir allerdings keine Kojen in einer Berghütte zum Preis eines Hotelzimmers gebucht hatten (eh zu spät, der Andrang ist so hoch, dass man Monate im Voraus buchen muss), wandern wir nur ein bisschen den Anfang entlang, bevor es wieder zurück geht.
Wir fahren bis ganz hoch in den Norden, wo das Land auf der Karte wie ein Kiwi-Kopf aussieht. Maryvonne gibt sich wacker auf dem acht Kilometer langen Kiesweg und bringt uns bis zum Wharariki Beach, einem Strand, wo Seelöwen ihren Mittagsschlaf halten sollen. Wir bekommen nur einen Kleinen zu Gesicht, der aus einer Grotte heraus stapft. Es ist zu früh für Mittagsschlaf, wie es aussieht. Der Rückweg führt durch ein Minenfeld, Willkommengeschenke der örtlichen Schafe.








Suchbild: Wo ist Anna?



Die nächste Station sind die Pupu Springs, eine heilige Wasserstelle der Maoris. Wir dürfen weder das Wasser trinken noch es berühren. Wir lachen also nur doof über den Namen.


Um zurück in die Zivilisation zu kommen, müssen wir wieder über den Takaka Hill, der 227 Kurven zählt. Ja, wir haben sie alle gezählt. Nein, Tunnel ist hier ein Fremdwort.
Da uns der Campingplatz in Punakaiki so gefallen hatte, kehren wir nach vielen Monaten wieder dorthin zurück. Wir hinterlassen sogar ein paar Geschenke bei unserer Abreise: ein Verlängerungskabel, ein Mehrfachstecker und einen internationalen Adapter.
Wir lassen den TÜV in Hokitika nochmal machen. Zwei Reifen werden ausgewechselt und eine Schraube am Fahrersitz wurde hinzugefügt. Eine Rutsche auf das Dach tunen wollten sie aber leider nicht.
Als wir wieder in Franz Josef ankommen, ist die Stadt wie ausgestorben. Extingiert. Tot. Im Hotel erwartet uns weiterhin keine Arbeit, aber eine kostenlose Unterkunft. Der Fluss kann inzwischen mit einem überdimensionierten Truck überquert werden. Jemand muss sich gedacht haben: "Brücke weg? Kein Ding, ich hab da noch 'n alten Laster der da vor sich hinrostet!" Trotz des Preises (100 NZ$ pro Auto und 20 NZ$ pro Person) wagen Viele diese Erfahrung, bevor die Regierung diese Art von Schmuggel verbietet.




Dank der Vielzahl an Helikoptern im Dorf entkommen auch Kinder, die auf der falschen Seite der Brücke wohnen, nicht der Schule. Ein bisschen neidisch steigen wir eines schönen Morgens auch in in einen Heli und werden auf einem Strand im Norden Okaritos abgesetzt, wo uns hunderttausende eher saubere Kiesel erwarten.
Der viele Regen hat auch dafür gesorgt, dass eine alte Müllhalde ins Meer gespült wurde, was direkt zur "größten Umweltkatastrophe Neuseelands" erklärt wurde. Wir helfen dabei, die Strände zu säubern, füllen jeder einen halben Plastiksack mit Müll und werden mit zwei Heli-Flügen und Pizza bis zum Vomitieren in der Monsoon Bar belohnt. Wir könnten das jeden Tag machen, aber leider funkt uns die Arbeit im Supermarkt dazwischen.









Ich nutze das ausnahmsweise schöne Wetter und leih mir eine Silikonpistole im Supermarkt aus, um Maryvonne eine zu kleben. Jetzt heisst es hoffen, dass sie endlich keine Windeln mehr braucht.

Mit perfektem Timing wird die Brücke am Tag unserer Abreise aus Franz Josef wieder geöffnet. Wir sitzen der Zeremonie bei, mit viel Blabla, lautstark unterbrochen durch ein paar Demonstranten die gegen ein Gift agieren. Die neue Brücke zu bauen hat also 17 Tage statt der versprochenen zehn gedauert. Singsang auf Maori, aus dem Mund eines Menschens, der mindestens genauso bleich ist wie ich, und von einem Muschelorkester begleitet, um die neue Brücke zu segnen. Nach dem Gesang wird es vielen bang, denn es kommt zu großem Andrang durch hunderte Autos und Van(g)s, die die Brücke, fast durch Zwang, zu erst befahren wang'. (Dieses Gedicht wurde Ihnen präsentiert von der Assoziation für dumme Ausgangstexte, Anm. d. verwirrten Ü.).
Im Wasser unter der neuen Brücke ist immer noch die alte, verbogene Brücke gleich einem Mahnmal zu sehen und die Arbeiter haben vergessen, Asphalt über die Holzplanken zu giessen.





Ihr und wir habt und haben alle darauf gewartet: es geht endlich auf und weiter mit unserer Reise, wie geplant in den Süden. Nachdem wir exakt zwanzig zerfetzte Possums auf der Straße gezählt haben, halten wir an zwei kleinen Seen. Hier werden wir einfach so von Hundertschaften an Sand Flies angegriffen, das belgische Anti-Mücken-Spray erweist sich als nutzlos gegen diese Art von Aggression.

Auf dem Campingplatz in Haast geht in der Küche um 21h00 das Licht aus. Ab ins Bett, Kinder! Wir nutzen die Gelegenheit mal früh ins Bett zu gehen.
Wir essen Fish and Chips an der Jackson Bay und verstehen nicht wirklich, wie man das Ganze essen kann, wenn man eine Wahl hat.
Nach einem kurzen Halt an einem Wasserfall in der Nähe von Haast (Jackson Bay ist eine Sackgasse und man muss die 70 Kilometer zurück fahren, bevor wann man wieder die Wahl zwischen links oder rechts hat) ist Annas Lippe geschwollen. Ich schwör' ich war's nich'! Zwischen uns beiden ist Anna das Lieblingsopfer der Sandfliegen, was mir persönlich wenig missfällt.
Zwei Tage nach unserer Abreise aus Franz Josef kommen wir in Wanaka an. Die Reise ist normalerweise in vier Stunden möglich, aber wir wollten Sprit sparen.
Wir laufen durch die Puzzle World, wo wir in einem schiefen Haus seekrank werden, bevor wir uns in einem Holzlabyrinth verirren.
Im Zentrum Wanakas machen wir große Augen. Mehr als zwei Straßen! Geschäfte! Döner! Und der wahrscheinlich meistfotografierte Baum überhaupt (#thatwanakatree):



Wir sind uns, nach ausgiebiger Studie, nicht sicher, warum er so viele Menschen anzieht, aber wir haben ihn trotzdem fotografiert.
Auf einem anderen Campingplatz gibt es kein WLAN, dafür aber Duschen, 1$ die 5 Minuten. Man muss sich entweder beeilen oder Münzen im Schlüpfer reinschmuggeln.

Wir machen uns auf, den Roy's Peak zu erklimmen. Der Gipfel befindet sich bei mindestens 150 tausend Meter! Oder so. Trotz der Schwierigkeit des Wanderweges (es geht NUR bergauf!) und der laut Schild geschätzten Wanderzeit von sechs Stunden, sind unglaublich viele Menschen auf dem Parkplatz und dem Berg unterwegs. Wir überholen eine chinesische Dame mit der T-Shirt-Aufschrift "Don't follow the crowd!" - Thema leider verfehlt.
Wir kommen am ersten Aussichtspunkt an, wo Menschen Schlange stehen, um das perfekte Foto zu schießen. Anna befreit mich von den zwei Rucksäcken, die ich fast den ganzen Aufstieg hochhieven durfte und ich laufe - jetzt leicht wie eine Feder - den Rest bis zur Spitze alleine hoch. Auf der Spitze sind weitaus weniger Menschen unterwegs. Ein Hubschrauber setzt neben der Spitze auf und wird von den Anwesenden ausgebuht.












Auf dem nächsten Campingplatz ist eine halbe Stunde pro Tag privater Jaccuzi im Stellplatzpreis inkludiert. Wir bleiben spontan drei Nächte. Für die atemberaubende Landschaft natürlich. Und auch um unsere Muskelkater in den glutei maximi zu überleben.
Unsere liebe Maryvonne braucht erneut etwas Aufmerksamkeit. Die bekommt sie, indem sie sich einfach mal ausschaltet, wenn wir nicht schnell genug fahren und beim Bergauffahren langsamer wird. Wir machen eine Erlebnistour durch die Werkstätten Wanakas, aber da Ostern vor der Tür steht hat niemand Zeit, mal einen Blick rein zu werfen. Alle konnten uns jedoch ein Urteil anhand unserer Erklärungen geben. Wir haben mit sechs verschiedenen Mechanikern gesprochen und sechs verschiedene Diagnosen bekommen. Und wenn ihr einfach mal kurz reinschaut? Nein? Okay, gut, tja, hm, jep, danke.
Wir telefonieren also mit den Werkstätten in Queenstown und die letzte auf unserer Liste erklärt uns, dass heute unser Glückstag ist, es hat gerade jemand abgesagt.
Wir fahren also so schnell wie möglich (also nicht sehr schnell, gell?) bis Queenstown mit Umweg über Chromwell. Das dauert zwar eine Stunde länger, ist dafür aber platt im Vergleich zum Pass über das Skigebiet Cardrona, und Maryvonne mag es gerade lieber platt.
Am frühen Nachmittag lassen wir Maryvonne in der Werkstatt und treffen uns mit zwei Freunden aus Franz Josef, Ami und Max, die uns über die akute Wohnkrise in Queenstown informieren. Offensichtlich fahren zu Ostern alle nach QT. Wir schaffen es noch, ein nicht all zu teures Haus im Hotel "Pinewood Lodge" (von Westwood nach Pinewood!) zu mieten.
Wir stoßen am Strand von QT durch Zufall auf zwei andere Kollegen aus Franz Josef. Neuseeland is' echt 'n Dorf. Wir bleiben eine Weile am Strand und schauen Paraglidern dabei zu, wie sie die Zeit damit verbringen, Stromleitungen und Gebäuden auszuweichen, ohne dabei getoastet oder gequetscht zu werden. In der Stadt gibt es sicherlich kostengünstigere Möglichkeiten, sich weh zu tun.
Das Auto ist wieder ganz! Diesmal war es an Anna, eine Niere abzugeben (meine sind schon alle vergeben) und, wie ihr es euch wahrscheinlich denken könnt, flüchten wir aus QT und fahren zurück nach Wanaka, diesmal über die Berge (Maryvonne fühlt sich wieder jung und stark).
In Cardrona wurden hunderte BHs gewalttätig auf einem unschuldigen Zaun erhängt!




Das reicht erst einmal für heute, aber wie ihr unten auf der Karte herauslesen könnt, ist unsere Expedition in den Süden noch nicht vorbei. Aber den Rest halte ich euch für den nächsten Blogeintrag warm.


Also, Küsschen und bis bald!








































































PS.: 'Tschuldigung wegen der viel'n 'Postrophe!

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