Blog 2025 - Teil letzter : Brrrrrrrrr - das Lied zum Winter

 
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2025 nähert sich dem Ende. Ah, was für ein Jahr. Wir haben so viele Dinge vollbracht. Lasst uns das in den letzten 365 Tagen Geschaffte noch einmal Revue passieren. Wir wurden mehrmals befördert, alle beide. Gleichzeitig haben wir unsere Doktorarbeiten in angewandter Weltraumbiologie erfolgreich beendet. Das Ganze während wir den Mount Everest barfuß bezwangen. Ihr haltet das Alles für unmöglich? Von wegen! Nichts ist unmöglich, wenn man lügt!

Bei unserer Rückkehr von der Großen Reise Nummer III nach Chiang Mai, haben wir einen neuen Mitbewohner in der Wohnung. Ein Gecko hat sich hier verlaufen. Und da unsere Wohnung im achten Stock und insektenfrei ist, scheint er auch gut hungrig zu sein. Wir schaffen es, ihn auf den Balkon zu befördern, wo er ein weitaus glücklicheres Dasein führen wird. 
Dann geht es auch schon direkt an die Vorbereitungen für die nächste Reise, welche nur kurzzeitig von theatralischen Aufführungen von Marcel unterbrochen werden, wo er im selben Stück wie beim letzten Mal spielt. 
Und die Entscheidung ist gefallen: Zu Weihnachten und Neujahr reisen wir erneut nach China.

Auf dem Weg machen wir einen Zwischenstopp in Kunming, im Süden Chinas, nur anderthalb Stunden von Chiang Mai entfernt. Beim Anflug erspähen wir regelrechte Meere an Gewächshäusern. In der "Stadt des ewigen Frühlings" werden alle möglichen Arten an Gemüse und Blumen angebaut. Wir werden wieder vom riesigen Dinosaurierskelett in der Ankunftshalle begrüßt.
Der Frühling ist aber schnell vorbei, abgeschlossen, von einer Klippe gestoßen. Ein paar Stunden später sind wir schon in Peking, wo eine Schweinekälte und ein Rindswind herrschen.

Unser erster Ausflug führt in die verbotene Stadt, die in Wirklichkeit von den Chinesen "Palastmuseum" genannt wird, und das schon seit über hundert Jahren. Was mehr Sinn macht. Wenn sie wirklich verboten wäre, dann hätte die Polizei sicherlich schon längst Maßnahmen in die Wege geleitet, nach all den Jahren.
Es handelt sich dabei um die größte Palastanlage der Welt, mit 900 Gebäuden und 9999 Zimmern. Warum sie da angehalten haben, ist uns nicht geläufig. Vielleicht wegen zu hoher Steuern ab dem 10.000. Zimmer, wir wissen es nicht.

Nach der verbotenen Stadt des Palastmuseums spazieren wir durch San Li Tun (was soviel wie "Drei-Li-Dorf" bedeutet, wobei ein Li einen halben Kilometer misst, in der Hoffnung, dass euch diese Information rabiat für den Rest eures Lebens nützt), einem hippen, dem Gott des Shoppens ergebenen Viertel. Uns ist aber kalt und wir setzen uns schließlich in ein Café wo wir eine heiße Schokolade zu astronomischem Preis trinken. Hätten wir lieber einen Kaffee bestellen sollen?

Wir fahren mit der U-Bahn zurück ins Hotel. Zur Stoßzeit kommt jede Minute eine neue Bahn. Wir erfahren direkt auch, warum. In puncto Zusammenquetschung war es für mich nicht die jemals schlimmste Erfahrung, sondern das war damals im RER in Paris, und das hat auch nur zwei Stationen gedauert. Ausreichend Zeit um die Leute drumherum näher kennenzulernen, aber zu kurz, um lebenslange Bindungen aufzubauen. 

Die nächste touristische Station ist der Himmelspalast, wo ältere Menschen im Park drumherum breakdancen.

Wir entdecken das Viertel um unserem Hotel herum, wo ein Hauch von Christmas herrscht. Wir lassen uns in den Gassen des "Hutongs" verirren und entdecken die vielen kleinen Läden, bevor wir feststellen, dass es für diese Art Zeitvertreib einfach zu kalt ist.

Wir essen unsere erste Pekingente in Peking. In einem Burrito, der extremst lecker ist und uns einen Vorgeschmack auf unsere nächste Verkostung gibt. 

Dann begeben wir uns zur Mauer. Zur echten, dieses Mal, auch wenn sie das letzte Mal auch echt war, aber am anderen Ende, ein paar tausend Kilometer von hier entfernt. 
Laut der Reiseführerin im Bus dorthin wird zum Helden, wer es bis zum 20. Wachturm schafft. Wir sind zu Fuß hoch, nicht einmal mit der Gondola. Das haben uns nur sehr wenige Menschen gleichgemacht, weshalb wir daraus schlussfolgern, Superhelden zu sein.
Die Mauer ist übrigens nicht immer ganz gerade auf der horizontalen, zu uns gewandten Achse (auf der Y-Achse, für die 3D-Laien unter euch), teils so extrem dass einem schwindlig wird und manche Abschnitte sind geradezu senkrecht. 
Die Sommerrodelbahn, mit der man von der Mauer zurück ins Tal fahren kann, wurde von der selben Firma gebaut, die ihren Sitz in der Nähe von Oma Marlies und Onkel Oskar hat, falls ihr euch je diese herzhaft gezielte Frage gestellt haben solltet. 
Wir rodeln nicht runter. Dafür waren dort viel zu viele Leute.

Auf geht's nach Harbin, Stadt im Nord-Osten des Landes. Von Sibirien umgeben, Russland zu 500 km im Osten und, ebenfalls zu 500 km, Nordkorea im Süden und zu 1000 km Russland im Norden. Kommt ihr noch mit? Nicht? Spulen wir nochmal zurück und holen die Kompässe raus. Wir befinden uns im Norden von Nordkorea, im Westen und im Süden von Russland und im Osten von Peking, mit übrigens fast 1000 km Entfernung. Wir sind allerdings um einiges weiter südlich als Berlin. 
Zur Zeit werden es hier bis zu minus dreißig Grad. Wir hoffen, warm genug angezogen zu sein, um von der U-Bahn bis zum Hotel und vom Hotel bis zum Klamottenladen zu kommen. Im Zug sind alle schon angezogen, als ob sie sich am Fuße der Skipisten befinden würden. 

Die ICEs werden nicht nur für Passagiere genutzt, sondern auch für Pakete, unter Anderem. An jedem Halt sehen wir Menschen Kisten mit Paketen raustragen. Das ist der schnellste Weg, Dinge durchs Land zu schicken. 
Gleichermaßen, aus einer Gesinnung der Multi-Nutzbarkeit stammend, werden U-Bahnen ebenfalls zum Transport von Paketen, oder anderen Dingen, genutzt. Morgens, bevor der eigentliche Fahrplan für Fahrgäste losgeht. 

Aber zurück zu unserer Reise. Wir kommen in Harbin zur wärmsten Stunde des Tages an. Es sind minus acht Grad und es fällt sogar etwas Schnee. Wir steigen in die U-Bahn hinab, die eher russisch dekoriert angehaucht aussieht. 

Im Zentrum, auf dem Weg zu unserer Unterkunft, stellen wir fest, dass die Laternenpfähler der touristischen Hauptader mit extra dafür gestrickter Kleidung eingewickelt sind. Das liegt an den kleinen Kartoffeln. Das ist keine Redewendung mit fragwürdiger Herkunft, sondern bezeichnet die Touristen, die aus dem Süden Chinas hierher kommen. Sie sind um einiges kleiner als ihre nördlichen Landsleute und an die Kälte nicht gewöhnt, weshalb sie warm und dick eingepackt sind. Wie kleine Kartoffeln.
Aber was haben sie denn nun mit den mit hässlichen Pullovern angezogenen Pfosten zu tun? Für viele dieser Touristen ist es das erste Mal, dass sie Schnee sehen und einer solchen Kälte ausgesetzt sind. Und was macht man also, wenn es zum ersten Mal im Leben kalt und Winter ist? Genau das Gleiche, was ihr früher auf dem Pausenhof gemacht habt. Man leckt an einem Pfeiler. 
Die Stadt Harbin musste mehr als nur einmal einschreiten und die städtische Infrastruktur von Menschen enteisen. Anscheinend dermaßen oft, dass ein Weg gefunden werden musste, der die Leute davon abhält, an den Pfählen zu lecken. 
Die Laternenpfähler in Harbin tragen also hässliche Pullover wegen den kleinen Kartoffeln. Sehr poetisch das Ganze.

Nach dem Einchecken begeben wir uns direkt zum Laden, der warme Kleidung billig anbietet. Genau, wie alle anderen Touristen. Der Laden ist riesig. Und voll mit Menschen. Wir kleiden uns komplett von Kopf bis Fuß neu ein, um uns nicht einen abzufrieren. Zwei Stunden haben wir gebraucht. Als wir wieder rausgehen, haben wir acht Grad verloren. Es sind jetzt minus fünfzehn, gefühlt minus 23. Wir sind über die neue warme Kleidung und die guten Schuhe hocherfreut. 

Es gibt hier viele Läden mit kyrillischen Schildern. Laut Google ist die Stadt noch ein Kleinkind, insbesondere für chinesische Verhältnisse. Das russische Reich hat sie im 19. Jahrhundert gegründet, woher auch die vielen russische Einflüsse in der Architektur stammen. 

Wir erspähen eine Straßenbahn ohne Gleise. Könnte man das nicht in dem Falle einfach einen sehr langen Bus nennen? Ist eine Straßenbahn ein Bus MIT Gleisen? Ist ein Zug eine Straßenbahn, aber als Off-Road-Variante? Gibt es unter euch Ingenieure, die mich zu diesen Themen gerne aufklären möchten? 
Wir sinnieren weiter über diese Fragen, die mechanische Raupe ist schon lange weitergezogen, während wir in den Park eintreten, in dem das Schnee- und Eisfestival stattfindet. 

Für dieses Festival wurde eine ganze Stadt komplett aus riesigen Eisblöcken erbaut, die zuvor mit Kreissägen aus dem eingefrorenen Fluss geschnitten wurden. Es handelt sich dabei um das weltweit größte Festival zum Thema Eis und Schnee. 
Bauwerke, vollständig aus Eis. Das muss doch Tonnen wiegen. 
Wir spazieren am Manneken Piss aus Eis vorbei. Er ist nur drei Mal so groß wie das Original in Brüssel. 
Wir wohnen einer Show bei, bei der Autos und Motorräder coole Dinge auf einer Eislaufbahn vollführen. Dinge wie zum Beispiel volle Kanne in eine brennende Barriere zu fahren.
Kurz vor Ladenschluss machen wir noch bei der Disko im Schnee mit. Frohe Weihnachten an alle!

Wir nehmen den Zug nach Yabuli, der bekanntesten Skistation in China. Am Morgen sind es minus 23 Grad, aber dank des kalten Windes geht die gefühlte Temperatur sogar runter bis minus 30. 
Der Wetterbericht verspricht uns, dass dies die zwei kältesten Tage in den nächsten Wochen werden. Wünscht uns Glück.

Wir spazieren durch das Dorf, angezogen wie zwei Schneemänner. Uns folgt eine Schlange an Bussen, die an den vielen Läden für Wintersport-Ausrüstung halten, bevor es hoch zu den Pisten geht. 
Wir begegnen auch der lokalen Fauna mit, unter anderem, den Straßen-, oder eher Dorfkötern, einem kleinen Reh, dass einen Müllsack eines Restaurants leerfrisst und einen Schneefuchs, der andere Müllsäcke durchforstet. Schließlich begeben wir- Was? Wie? Das nennt sich Polarfuchs? Ist das nicht ein anderes Wort für Tageslichtprojektor? Wie? Das ist ein Polylux? Ich dachte es geht um Füchse?!

Schließlich begeben wir uns zurück auf die große Straße, wo wir den Pferden begegnen, die Touristen durch den Schnee ziehen, und vor allen den Besitzer, der uns wörtlich hinterherrennt um uns Tickets zu verkaufen. 
Wir schreiten bei dieser Eiseskälte voran bis zum Bahnhof von Yabuli, wo wir Schneeengel und eine Schneeballschlacht machen, bevor wir eisige Tornados ins Gesicht gepeitscht bekommen und es Zeit wird, nach Hause zu gehen. 

Am nächsten Morgen fahren wir Ski und Snowboard. Unser Fahrer hilft uns, die Ausrüstung abzuholen. Wir fangen auf der Anfängerpiste zum Aufwärmen an, zu der wir mit einem äußerst langsamen Laufband hinfahren. Wir umfahren all die Schildkröten, die an die Hintern der Leute befestigt sind, bevor es zu herausforderenden Pisten geht. Wir fahren zum ersten Mal bei minus 22 Grad mit Windböen Ski. Da friert der Bart ein. Und das zieht, in mehr als nur einem Sinne des Wortes.

Zurück in Harbin fahren wir in einem Schlitten eine lange Rutsche aus Eis hinunter. 
Wir besuchen eine ehemalige Medikamentenfabrik, deren Inneneinrichtung der von Versailles in Nichts nachsteht. 
Wir bleiben beim Thema Europa und gehen ins barocke Viertel, wo eine Tanne aus Brot langsam von Vögeln aufgefressen wird.
Der Fluss friert komplett zu und schafft so jeden Winter einen riesigen öffentlichen Park in der Innenstadt. Sehr hübsch. Und dann verschwindet er im Frühling wieder. 

Wir sehen den Partybus von weitem. Wir mustern den Partybus von nahem. Wir steigen in den Partybus. Wir sind der Partybus.

Es gibt nichts frischeres als die Straßenmärkte hier. Eis braucht es da keins, die verkauften Produkte sind mehr als nur eingefroren, im Eisfach zu Hause ist es wärmer. 

Wir schauen uns die Eiswürfel-Mülldepnie an. Hier werden die zuvor aus dem Fluss geschnittenen riesigen Eiswürfel gelagert, die nicht den hohen Qualitätsstandards der Eisbauwerke entsprachen. 

Nach einem Foto vor dem größten Schneemann, den wir je gesehen haben - immerhin sechs Etagen hoch - verkosten wir eine der hiesigen Küchen in einem russischen Restaurant. 

Wir fahren für das neue Jahr zurück nach Peking. Das ist hier wie Frühling. Fünf Grad sind es. Plus.

Auf einer Busfahrt ins Museum des chinesischen Films stellen wir fest, dass im Fahrgastraum jemand mitfährt, dessen Berufsbeschreibung sich mit "Blinkgehilfe" abkürzen lässt. Wenn der Bus abbiegt oder nach einer Haltestelle wieder anfährt, hält dieser Herr eine Fahne aus dem Fenster, um die anderen Verkehrsteilnehmer darauf hinzuweisen. Weil der Blinker nicht ausreicht.

Die Feierlichkeiten zum Neuen Jahr sollten geschichtsträchtig werden. Geschichtsträchtig öde. Das Neue Jahr zum ersten Januar wird hier nicht wirklich gefeiert. Wir gehen trotzdem in ein Einkaufszentrum, wo sich mit der Zeit mehr und mehr Menschen anhäufen. Nach Inspektion der Örtlichkeiten und der Berichte im Internet, haben wir verstanden, dass es weder einen Countdown auf einem riesigen Bildschirm geben wird, noch Feuerwerk, und noch nicht einmal musikalische Untermalung. All die Menschen, die sich hier gerade langsam aufeinander stapeln, würden nur von sich aus von zehn bis null hinunterzählen, in der Hoffnung, dass der, der damit angefangen hat, sich nicht in der Zeit geirrt hat. 
Und da kommen noch mehr Menschen. Wir beschließen, früher nach Hause zu fahren, um dort nicht festzusitzen, da nach Mitternacht keine U-Bahn mehr fährt und es nicht genug Taxis gibt, zehntausende Menschen effizient abzubefördern. 

Wir essen endlich Pekingente nicht nur in einem Fladenbrot, sondern diesmal auf einem echten Teller. Es war ohne zu übertreiben die beste Ente unserer jeweiligen Leben. 

Wir gehen in den Sommerpalast. Trotz seines Namens ist er auch im Winter geöffnet. Jedoch ohne Boote auf dem See, der ist nämlich eingefroren, da auch hier Winter ist, trotz seines Namens. 

Wir essen ein letztes Mal Pekingente in Peking, bevor es nach Xi'an geht, von wo aus die Flugtickets nach Hause um einiges günstiger sind als von Peking.

Wieder eine sehr schnelle Zugfahrt mit 350 km/h, bei dir wir sporadisch in Städten halten, deren Namen wir noch nie gehört haben und die zwei bis vier Mal so groß sind wie Nester wie Berlin. 
Währen der Vielzahl unserer Zugreisen in China haben wir uns selten in Zügen wiedergefunden, deren Sitze nicht alle komplett reserviert wurden. Manchmal sind Züge schon am Tag, an dem die Tickets zum Verkauf gestellt werden, ausverkauft. 
Es ist uns bereits passiert, dass wir nicht nebeneinander saßen. In diesem Zug sitzen wir nicht nur in getrennten Sitzreihen oder in zwei verschiedenen Wagen, sondern in zwei verschiedenen Zügen, die miteinander an den Nasen verbunden sind. Oder an ihren Hintern, wenn das sachgemäßer ist. Oder durch eine unorthodoxe Kombination dieser beiden Bezeichnungen. Noch ein paar Fragen für die Ingeniöre unter euch. 
Für uns bedeutet das jedenfalls, dass wir kein Rendez-vous in der Zugmitte organisieren können. 

In Xi'an angekommen schneit es den ganzen Tag große Flocken. Leider ist der Boden zu warm und es bleibt nichts liegen. 

Um den letzten Abend unseres Urlaubs zu feiern, gehen wir eine coole Show anschauen, mit Leuten in alten Kostümen verkleidet, mit Lasern, Trommeln, und anderen coolen Elementen für die ich aber zu faul bin, sie hier alle aufzuzählen. 

Und dann, zurück in Chiang Mai, haben wir in nur wenigen Tag 52 Grad gewonnen.

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