Blog - 2025 Teil 6: Das ging aber schnell

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Photos Jiayuguan https://wheresmypass.blogspot.com/2025/11/photos-jiayuguan.html 

Photos Ürümqi https://wheresmypass.blogspot.com/2025/11/photos-urumqi.html 

Photos Turpan - Part 1 https://wheresmypass.blogspot.com/2025/11/photos-turpan-part-1.html 

 
Photos Turpan - Part 2 https://wheresmypass.blogspot.com/2025/11/photos-turpan-part-2.html 

Photos Chengdu https://wheresmypass.blogspot.com/2025/11/photos-chengdu-2025.html 

Photos Chongqing 2025 - Part 1 https://wheresmypass.blogspot.com/2025/11/photos-chongqing-2025-part-1.html 

 
Photos Chongqing 2025 - Part 2 https://wheresmypass.blogspot.com/2025/11/photos-chongqing-2025-part-2.html 

Photos Xi'an 2025 https://wheresmypass.blogspot.com/2025/11/photos-xian-2025.html  

 
 

 
 
Verrückt, wie schnell die Zeit vergeht. Da ist der erste Schultag und dann, schwuppdiwupp, braucht man ein Gebiss. Jemand hat einmal gesagt, dass man sich an sein eigenes Leben, an seine eigene Vergangenheit die man selbst erlebt hat, in etwa so gut erinnert wie an einen Roman, den man vor kurzem gelesen hat. Ich denke nicht, dass das so extrem ist, aber wenn euch diese Worte in einen existenziellen Abgrund schicken, dann lade ich euch dazu ein, 10 Minuten lang ununterbrochen Kniebeugen zu machen. Dadurch lernt ihr subjektiv beschleunigt vergehende Zeit wieder besser zu schätzen.
Ihr könnt euch auf jeden Fall nicht vorstellen wie schnell die Zeit während dieser Reise für uns vergangen ist. Wir waren nicht für vier Wochen unterwegs. Für uns, in unserem tiefsten Inneren, ist vielleicht eine Woche, maximal zehn Tage vergangen. Das ist nicht fair. Wir haben bereits eine Unterschriftenaktion bei unserem Arbeitgeber eingereicht, um diese Tage, die wir irgendwo auf dem Weg verloren haben, wieder zu bekommen, auch wenn wir nicht so genau wissen wo und wie das passieren konnte. 

Wir halten in Jiayuguan, einer Industriestadt, die an sich völlig uninteressant wäre, wenn sich dort nicht eine Festung befände, die den westlichen Anfangspunkt der chinesischen Mauer darstellt. Die Richtige diesmal, die auch wir unter diesem Namen kennen. Von hier aus erstreckt sie sich in einem Netz auf über 20000 Kilometern bis in den fernen Osten Chinas. 
Wir übernachten in einer Hotelkette, deren Name mit "Orangen-Hotel" übersetzt werden kann. Der Name ist Programm, alle Produkte im Zimmer sind auf Orangenbasis. 
Beim Wäsche-in-die-Waschmaschine-Stopfen spricht uns eine Dame an. Sie war in den Mogao-Grotten am gleichen Tag wie wir und erinnert sich an uns. Obwohl es dort täglich mehrere tausend Besucher gibt, kommen dort nur wenige Ausländer vorbei, und wir fallen dementsprechend schnell auf. 
Als ob man uns diesen Eindruck noch stärker vermitteln möchte, gehen wir am nächsten Tag an einer Schule vorbei, als gerade Mittagspause ist und hunderte von Schülern heraustreten und uns entgegenkommen. Wir fühlen uns wieder wie Berühmtheiten, zwischen den neugierigen Blicken und den "Hallo"-Rufen.

Wir fahren wieder mit dem Zug, 1300 km bis nach Ürümqi, der Hauptstadt der Provinz Xinjiang im mitteläußeren Nordwesten des Landes. Die Stadt ist etwas größer als Berlin.
Am Anfang der Reise noch die Wüste, eher gräulich, nicht nur mit Windrädern voll, sondern zur Abwechslung auch mit Solaranlagen. Und Leitungsmasten bis zum Horizont der wieder unglaublich platten Landschaft.
Die automatischen Ansagen im Zug sind jetzt dreisprachig, nicht mehr nur auf Chinesisch und Englisch, sondern auch auf Uigurisch, eine der offiziellen Sprachen der Zielregion. Diese Sprache hat nichts mit Chinesisch gemein, sie kommt aus der selben Sprachfamilie wie Türkisch. Allerdings haben sie, im Gegensatz zu den Türken, die arabische Schrift beibehalten. 
Wie machen wir uns also verständlich? Sie lernen hier alle Mandarin in der Schule und sprechen es dementsprechend fließend. Die Straßenschilder sind alle zweisprachig auf chinesisch und uigurisch. Und auf englisch, wenn man Glück hat. 
Aber ich zäume ja gerade das Kamel von hinten auf. Im Augenblick befinden wir uns noch im Zug. Nach ein paar Oasen wird der graue Sand auf manchen Abschnitten durch schwarze Hügel ersetzt.
Dann wachsen auf der einen Seite Bergspitzen aus dem Boden, hoch genug, dass sie mit Schnee bedeckt sind. 
Auf dem Weg vom Bahnhof zum Hotel erspähen wir seltsame weiße Dinger auf dem Boden am Rande der Fahrbahn. Was ist das denn?! SCHNEE!!! Wir haben seit fast fünf Jahren keinen mehr gesehen und sind uns deshalb nicht sofort sicher. 
Aber es gibt nicht überall welchen und trotz der niedrigen Temperaturen ist kein erneuter Schneefall vorhergesagt, für die zwei Tage die wir hier sind. Schade. 
Ürümqi ist, übrigens, die weltweit am weitesten vom Meer entfernte Stadt. Eine Information, die euch bei eurem nächsten Auftritt bei "Wer wird Millionär?" sicherlich hilfreich sein wird.

Wir fangen unseren Spaziergang damit an, unserer Kamera einen neuen Linsenschutz zu verpassen. Und hops, wie neu!
Dann finden wir uns ziemlich schnell in der touristischen Zone wieder, wo wir Brot gefüllt mit Chili, Nüssen, Schaf oder Rind verkosten. Schließlich kommen wir am "Großen Basar" an, der Hauptrattaktion der Stadt. Am Eingang gibt es eine Sicherheitskontrolle, genau wie in der U-Bahn. 
Hier stehen sehr viele Leute Schlange für das Reisnudelfest. Wir entdecken auch die im Basar befindlichen Moscheen und ein paar Tänze und mit traditionellen Instrumenten gemachter Musik.
Danach trotzen wir der Kälte und besteigen einen Hügel, der uns eine tolle Aussicht auf die Stadt und die dahinterliegenden eingeschneiten Berge gibt, von denen der Höchste 5400 Meter erreicht. Das ist ganz schön hoch. Zum Vergleich, der höchste Ameisenberg ist nur vier Meter hoch.
Und ich sag bewusst Kälte, denn am Abend sind es hier ganze null Grad. Wir spüren sie in den Knochen, als wir die Stufen wieder hinabgehen. 

Wir machen eine Kehrtwende auf der Seidenstraße und fahren nach Turpan, unserem letzen Halt auf dieser Staße, weil der nächste Halt in die andere Richtung, Kashgar, zu weit entfernt ist, mehr als einen Tag Zugfahrt, und wir wollten auch der Kälte entfliehen.
Bei Turpan befindet sich der dritttiefste Ort der Welt. Also der Orte, die nicht unter Wasser sind. 
Dort ist auch der heißeste Ort in ganz China. Das Thermometer kann hier bis auf 58 Grad hochgehen.
Wir übernachten in einem Teil der Stadt, der sich "Traubendorf" nennt. Hier haben alle Häuser Bauwerke auf dem Dach oder im Hof, wo die im Garten gesammelten Trauben getrocknet werden. Im Prinzip handelt es sich dabei um große Blöcke aus Ziegeln, die genau so viele Löcher wie Nicht-Löcher haben und in einer Weise gebaut sind, dass der Wind durchströmen kann, ohne dass die Trauben von direktem Sonnenlicht beschädigt werden. 
Auf einer Spazierfahrt auf einem elektrischen Moped, an den Weingärten vorbei entdecken wir regelrechte Stadtviertel dieser Trockenhäuser.
Wir sind aber leider zwei bis drei Wochen zu spät, die Ernte ist bereits vorbei, die Trauben getrocknet und die Reben werden abgebaut. 

Als wir am Hotel ankommen, wird uns erklärt, dass das komplette Dorf bis 21 Uhr keinen Strom hat, wegen Instandhaltungsarbeiten. Wir gehen also ein gutes Stück, bevor wir in einem Stadtviertel mit Strom ankommen, um in einem Restaurant was essen zu können.
Da heute Samstag ist, sehen wir eine Autokolonne für eine Hochzeit vorbeifahren. Auf der Ladefläche eines Transporters spielen mehrere Jungen auf Musikinstrumenten. Sonst sind dort nur betagtere Menschen vertreten.
Ein bisschen später kommen wir an einem Festsaal vorbei, wo viele junge Menschen in Anzug und Kleid tanzen. Hier werden Hochzeitsfeste zweigeteilt gefeiert. Einmal für die Älteren und einmal für die jungen Menschen. Ab wann genau man zu den Alten zählt ist uns nicht bekannt.

Die traditionellen Häuser hier sind grundverschieden von den anderen Orten, die wir in China besucht haben. Oder überhaupt irgendwo. Wir haben wirklich den Eindruck, in einem anderen Land gelandet zu sein. 
Nach unserem Spaziergang setzen wir uns in den Garten und knabbern Sonnenblumenkerne an einem Feuer, bis der Strom wieder da ist. 

Ein neuer Tag, eine neue Tour. Wir besichtigen die "flammenden Berge", wo ein riesiges, drei Stockwerke hohes Thermometer im Boden steckt und wo die zuvor erwähnten 58 Grad erreicht werden können. Heute sind es 19, was etwas weniger beeindruckend ist. 
Danach geht es in ein antikes Dorf in einem Tal in der Wüste, mit aus Schlamm und Ziegeln erbauten Häusern. Wir haben wieder den Eindruck, in eine andere Welt eingetreten zu sein.

Auf der Rückfahrt kommen wir an Pumpen vorbei, die hier und dort in der Wüste Öl aus dem Boden holen. Genau wie in amerikanischen Filmen. 
Wir schauen uns die Ruinen von Jiaohe an, wo ein nächtliches Konzert stattfindet. Wir sind pünktlich zum Sonnenuntergang da und können die Ruinen also bei Tag und Nacht bestaunen. 
Inmitten der Ruinen sitzen wir nun und lauschen Künstlern, die auf uns unbekannten Instrumenten Musik machen und eine Geschichte zur Gründung der Stadt erzählen, die seit über 1200 Jahren unbewohnt ist. 

Wir fahren zum Flughafen Turpans, welcher kleiner ist als die meisten Bahnhöfe, die wir kürzlich besucht haben, und sich mitten in der Wüste befindet. Die Landschaft drumherum ist so platt, dass die höchsten Punkte, die wir von der Piste aus sehen, Autos und Lastwagen auf einer Straße am Horizont sind. 

Wir kommen in Chengdu an und werden vom Regen willkommen geheißen. Die Stadt beinhaltet immer noch genau so viele Pandas wie letztes Jahr.
Wir entdecken mehrere sogenannte Kreativparks und fahren sogar mit dem Rad durch die Stadt. Die Chinesen haben eine, äh, kreative, Art, sich im Straßenverkehr fortzubewegen und die STVO ist ein Mythos, von welchem manche sicherlich schon einmal etwas gehört haben, ohne aber wirklich an deren Existenz zu glauben. Wir kommen trotzdem unbeschadet am Ziel an. 

Wir sehen einen Menschenauflauf und versuchen, dessen Ursache herauszufinden, indem wir uns dem Auflauf mitauflaufen, aber vergebens. Später stellen wir auf den sozialen Medien fest, dass ein paar Frechdachse sich in einem Kreis um: Nichts! aufgestellt haben, was ausreichend ist, neugierige Menschen anzuziehen.

Wir ändern unseren Reiseplan und fahren einen Tag früher nach Chongqing. Beim Auschecken erfahren wir, dass in China manche Hotels die Option bieten, die nichtgenutzten Nächte zurückzuerstatten. Auch nach dem Einchecken. Wir bekommen das Geld für die letzte Nacht also sogar wieder und müssen dem nicht hinterherweinen. 
Wir fahren mit einem ICE der die 300 km Entfernung mit 350 km/h überfliegt. Das geht zur Zeit nur in China, zumindest bis Spanien in naher Zukunft den AVE zwischen Barcelona und Madrid ebenfalls auf diese Geschwindigkeit aufgemotzt hat. 
Wir haben in Chongqing zwei Hotels reserviert, eins für eine Nacht in einem tollen Zimmer, um auch mal Luxus kosten zu können, und eins in einem etwas weniger schicken Hotel für mehrere Nächte. Als wir ankommen, stellen wir fest, dass beide Hotels im selben Wolkenkratzer sind, nur auf unterschiedlichen Etagen. Was ein Zufall, denn allein in dem Viertel gibt es über 3000 Hotels. Da geht das Aus- und Einchecken so schnell wie noch nie.

Wir kommen zum rechten Zeitpunkt an, denn dort, wo die drei Flüsse zusammenfließen wird abends eine Drohnenshow gezeigt. Das Thema: Pandas. 
Wir gehen auf einer stillgelegten Eisenbahnlinie spazieren, welche uns seltsamerweise stark an unsere Ausflüge in Neuseeland erinnert, wegen des ganzen Grüns, den riesigen Farnen und dem Vogelgesang. 

Wieder in der Stadt, am Flussufer, stoßen wir auf eine Gruppe Motorradfahrer, die gerade in den sozialen Netzwerken im Trend sind, weil man sie für coole Videos auf den Motorrädern buchen kann. 

Ihr werdet in China kein Graffiti auffinden. Außer vielleicht auf manchen Toiletten oder eingeritzte Schriftzeichen auf weniger gut besuchten Teilen der chinesischen Mauer. 
Wir haben aber zwei Viertel besucht, wo Graffiti nicht nur erlaubt sind, sondern sogar aktiv gefördert werden. Die Läden verkaufen alle kleine Farbtöpfe und verleihen Pinsel oder Spraydosen. Die Wände in den Straßen sind so dick mit Farbschichten überdeckt, dass diese inzwischen Reliefs bilden und Risse aufweisen. 

Nach einem Besuch in einem Altviertel überqueren wir eine der gigantischen Brücken zu Fuß. Eine wenig entspannende Aktivität für Marcel, da die Brücken nicht nur super lang sind, sondern auch super hoch. 

Im Hotel wollen wir schnell eine Waschmaschine laufen lassen. Nur doof, dass die Maschine ewig braucht und der Trockner sogar noch schlimmer ist. Wir verlassen das Hotel also erst am Nachmittag, am einzigen Tag, an dem schönes Wetter war. 

Und am Abend spüren wir dann eine leichte Gereiztheit im Hals. Wir haben uns doch wohl nicht erkältet?!
Wir essen eine Kleinigkeit in den Höhlen mit Sicht auf die wahrscheinlich meistfotografierte Brücke der Stadt und lauschen den von Touristen abwechselnd gesungenen Liedern im Restaurant gegenüber. Glücklicherweise scheint das nicht die erste Karaokeerfahrung der Betroffenen zu sein, unsere Ohren danken es ihnen.
Dann wollen wir uns erneut zeichnen lassen, in der Hoffnung, auf die selbe Künstlerin wie letztes Jahr zu stoßen. Es handelt sich dabei aber nicht um die selbe Person. Das Ergebnis ist eher gut gelungen, aber Anna sieht sich nicht wirklich ähnlich. Ich schwöre euch aber ich war mit ihr dort.

Und dann geht es schon wieder nach Xi'An, um den Kreis zu schließen. Die Tour zu beenden. Das Karussel auszukarussellieren. 
Wir gehen in eine große Touristenzone, die um eine antike Pagode gebaut wurde, um einem Licht- und Wasserspektakel beizuwohnen. Dort gibt es auch einen Springbrunnen, der Wasser umso höher schießt, umso lauter man schreit. Es wird also ununterbrochen darum herum geschrien, wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt. Witzig, man darf nur nicht sein Hotel daneben haben. 
Spazieren mit ohne kaputtem Bein ist viel besser. Ihr erinnert euch vielleicht, am ersten Tag der Reise letztes Jahr hat sich Anna den Fuß böse verstaucht. Hier, in Xi'An. Um diesem tragischen Vorfall zu gedenken, kehren wir zum Tatort zurück und fragen uns, wie das passieren konnte. 

Wir verbringen eine letzte Nacht in Xi'An bevor es in den Flieger nach Chiang Mai geht, was unsere Große Reise Nummer 3 abschließt. Wir haben 6500 Photos und Videos geschossen. Einschließlich einem Haufen Videos, die durch das Fenster eines fahrenden Zuges gedreht wurden, um die Schönheit der Landschaften einzufangen und welche nie etwas werden. Wir sind uns dessen auch bewusst, aber versuchen trotzdem jedes Mal weiterhin zu filmen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Bis dann, Hermann.

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