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Habemus papam! Wir sind auf aktuellem Stand!!! Ihr könnt meine Freude hierüber durch sorgfältiges Beobachten der Anzahl an eingesetzten Ausrufezeichen erkennen -> ! <-
Ja, es ist tatsächlich wahr! Auf neuestem Stand! Ich habe zur Zeit nicht genug Notizen für den nächsten Artikel! Jippie! Und wir haben nur fünf Jahre gebraucht, um uns wieder auf diesen Pegel zurückzubringen!
Wenn man zu sehr damit beschäftigt ist, Dinge zu erleben, über die man berichten möchte, dann hat man keine Zeit zum Schreiben. Das Artikelschreiben wird also gleich doppelt verlangsamt. Auf jeden Fall muss das gefeiert werden. Hoch die Tassen!
Wir kehren für ein paar Tage nach Japan zurück. Wir nehmen einen Übernachtflug, der sich zum schlimmsten Flug unserer jeweiligen Leben entpuppt. Vier Stunden ununterbrochene Turbulenzen.
Wir steigen müde aus dem Flieger und treffen uns mit Philipp und Isabell im angesagten Jugendviertel Osakas namens "Amerikanisches Dorf".
In einem Laden mit allem möglichen altem Krimskrams kaufen wir einen Einwegfotoapparat, der seit 2004 abgelaufen ist, um etwas künstlerisch angehauchtere Fotos zu schießen. Wir sind auf das Ergebnis gespannt.
Im Shopping Zentrum Osakas befindet sich ein Tempel mit einer Statue, die komplett grün mit Moos überzogen ist. Das kommt daher, dass jeder, der vorbeigeht, ihr eine Kelle Wasser übers Haupt schüttet. Wir wollten dem gleichtun, werden aber von einer Zeremonie eben dieses Tempels gestört.
Wir gehen nicht in eine Spielhalle, sondern in ein Spielgebäude, wo auf mehreren Etagen alle möglichen Aktivitäten wie Basketball, Baseball, Inline-Skates und vieles mehr gemacht werden kann.
Im Tischtenniskäfig, wo eine Maschine mit Bällen schießt, hole ich mir einen großen blauen Fleck am kleinen Finger. Wegen eines Ping-Pong-Balls. Wir sind inzwischen seit 36 Stunden wach und beschließen, dass es an der Zeit ist, schlafen zu gehen.
Am nächsten Tag gehen wir zusammen zur Weltausstellung, die erste für uns alle. Juchhu. Dort sind sehr viele Menschen unterwegs, täglich 100.000 Besucher, um ungefähr zu sein.
Falls euch das nicht viel sagt, bei einer Weltausstellung, oder Expo, stellt jedes Land einen Pavilion, wodurch die Besucher andere Länder entdecken können. Die Ausstellungen finden jedes Mal in einem anderen Land statt und der Gastgeber stellt dabei oft gerne seine architektonischen Künste zur Schau. Der Eiffelturm oder das Atomium zum Beispiel wurden für vergangene Weltausstellungen erbaut.
Wir schaffen es fast, alle Länder der Welt zu besuchen und, noch viel wichtiger, alle Stempel an jedem Stand zu sammeln.
Die Ausstellung erlaubt es uns auch, den Lieblingszeitvertreib der Japaner hautnah mitzuerleben: Schlange zu stehen. Wir stehen und warten überall. Um überhaupt in das Areal der Ausstellung einzutreten. Um die einzelnen Pavilions zu besichtigen. Um auf Toilette zu gehen. Selbst um seine Wasserflasche am Wasserspender aufzufüllen, muss angestanden werden.
Der Tag wird mit einer tollen Wasser- und Feuer-Show beendet und dann begeben sich alle zur gleichen Zeit auf den Rückweg, weil alles zur gleichen Zeit schließt.
Die Expo dauert sechs Monate und befindet sich auf einer speziell hierfür künstlich aufgeschütteten Insel. Hier gibt es nur eine U-Bahn-Linie aber, erstaunlicherweise, kommen wir und die zehntausenden anderen Menschen zum Bahnhof zu Fuß rein, ohne dabei eingestaut oder angerempelt zu werden.
Wir wagen uns aufs Land im Norden Osakas vor, zum Tempel der Daruma. Die Daruma sind eine Art Glücksbringer. Eine rote Figur, die nur aus einem Kopf mit einer bösen Grimasse besteht und keine Pupillen hat. Damit der Wunsch, den man macht, in Erfüllung geht, muss ein Auge mit einem Filzstift ausgefüllt werden. Wenn der Wunsch dann auch tatsächlich wahr wird, muss das andere Auge ausgefüllt werden und die Daruma-Figur irgendwo in einem Tempel versteckt werden. Dieser Tempel im speziellen ist dafür bekannt, dass überall überall in seinen Gärten tausende dieser Köpfe verstreut und teilweise gut versteckt sind.
Auf einem Markt sehen wir Krabben mit Scheren, die mehr als einen Meter lang sind. Das ist fast so beeindruckend wir deren Preis je Kilo. Und das gleich neben den Messern für eine Million Yen (etwa fast 6000 Euro) pro Stück. Wir hängen unsere Rucksäcke über den Bauch, damit uns nicht ein teures Versehen passiert.
Unsere Wege mit Philipp und Isabell scheiden sich schon wieder. Wir essen ein letztes Parfait zusammen, bevor sie in den Flieger zurück nach Deutschland steigen und wir einen Shinkansen, den japanischen ICE, nach Tokyo nehmen.
In unserem Hotelzimmer steht ein Standspiegel mitten im Raum, der auch etwas Licht macht. Es braucht einige Minuten, bis wir herausfinden, dass es sich auch um einen Touchscreen handelt, auf dem man Videos zum Sport-Mitmachen anschauen kann. Gute Idee, nur befindet sich unser Zimmer unter dem Schrägdach. Groß darf man hierfür als nicht sein.
Tokyo ist eine weitläufige Stadt mit vielen verschiedenen Vierteln. Wir versuchen, so viele wie möglich zu entdecken.
Los geht's mit Akihabara, oder kurz Akiba, der weltweit beste Ort, für alles, was mit Anime, Mangas, Videospielen und anderen interessanten Unsinn dieser Art, zu tun hat. Sonntags verwandeln sich die sechs Spuren der Hauptstraße des Viertels in eine autofreie Zone.
Wir begeben uns hier auf die Jagd nach Spielen für das Sega Master System. Konsole, die bei Marcels Papa rumsteht und bald 40 wird. Wir machen eine lückenlose Tour aller Läden, die Uraltspiele anbieten, und davon gibt es einen Haufen, und können kein einziges Spiel hierfür finden. Anna allerdings hat Pommes in einer belgischen Frittenbude finden können.
In Roppongi, ein Viertel, das wörtlich nach sechs Bäumen benannt ist, spüren wir regelrecht, dass das Leben hier schicker, teurer und älter ist. Viele der Gebäude sind mit roten Ziegeln gebaut und wir haben fast das Gefühl, in Mitteleuropa zu sein.
Wir gehen ins Hauptquartier von Fujifilm, wo sich ein Museum der Photographiegeschichte befindet. Ironischerweise dürfen wir dort keine Fotos schießen.
In manchen Vierteln, wie Ueno zum Beispiel, finden sich viele Restaurants und Läden direkt im Bahndamm integriert. Das ähnelt hier Berlin ungemein. Nur in sauber und höflich.
Wir gehen dort in ein Burgerrestaurant, das sich hinter einer Tür einer unechten Getränkeverkaufsmaschine befindet. Im zweiten Stock, direkt unter den Schienen. Jeder durchfahrende Zug schüttelt den Laden und wir haben den Eindruck, in der Disko zu sein, mit den Erschütterungen, die die Bässe unterstreichen.
Wir fahren mit einem Zug in die Pampa im Norden Tokyos und steigen in Kasukabe um. An diesem Bahnhof gibt es überall Bilder von Crayon Shin-Chan. Wir finden heraus, dass es sich hier um die echte Stadt handelt, in der sein erfundenes Haus steht.
Nachdem wir an unserem Zielbahnhof ankommen, haben wir noch eine halbe Stunde Fußweg vor uns, durch das Dorf und über Felder, um an den G-Cans anzukommen.
Dabei handelt es sich um ein gigantisches System an unterirdischen Wasserbecken, die bei Bedarf Regenwasser aufnehmen, um größere Überschwemmungen zu verhindern. Und es wurde auch nur für Hochwasserschutz gebaut. Der "unterirdische Tempel" wie er auch genannt wird, wird sobald wie möglich wieder abgepumpt, das Wasser wird also nicht gespeichert. Was zur Folge hat, dass man geführte Besichtigungen eines Teils des Systems buchen kann, wenn nicht gerade Regenzeit ist.
Also, wie ihr euch sicherlich schon denken konntet, führt da kein Weg vorbei dass ich da Anna nicht mit hinzerre um uns das anzuschauen.
Unsere kleine Gruppe steigt die 300 Stufen hinab in die Kühle des letzten, riesigen Reservoirs des Systems. Und ja, die müssen wir später wieder hinauf klettern.
Ich bin der Einzige mit einem blauen Helm. Diese Ehre gebührt mir, weil mein Kopf zu klein ist. Ich darf also einen Kinderhelm tragen.
Sie nennen das wahrscheinlich einen Tempel, weil das entfernt an eine Kathedrale mit massiven Säulen erinnert - sechs Etagen hoch und zwei Fußballfelder groß.
Dieser Tempel wird als letzter Ausweg geflutet, nachdem zuerst sechs gewaltige, in die Erde gehöhlte Zylinder als Teil des Systems vollgelaufen sind. Einmal solch einen Zylinder zu umlaufen ist die nächste Etappe unserer Tour. Unsere Füße werden von einer dünnen Stahlmaschenkonstruktion gehalten, dadrunter geht es schnurstracks 70 Meter in die Tiefe. Allein bei dem Gedanken daran bekomme ich feuchte Hände.
Sobald der theoretische Regen vorbei ist, fahren leistungsfähige Pumpen hoch, die ein öffentliches Schwimmbecken in weniger als einer Sekunde leeren können, um das Ganze Wasser wieder loszuwerden. Das geht schneller als wenn man den Stöpsel zieht.
Wir essen ein weiteres Parfait. Zur Erinnerung: Parfait ist französisch für "perfekt" und bezeichnet in Japan ein Dessert mit Eis und Schokolade und Früchten und gutartiger Dekadenz. Wir entdecken außerdem das Wort "Parfeiteria", also der Ort, wo Parfaits und Perfektheit hergestellt werden. Da komme ich übrigens auch her, aber das wusstet ihr ja mit Sicherheit schon.
Wir haben den Bahnhof Shinjuku zur Stoßzeit nicht nur überlebt, nein, bezwungen haben wir ihn. Und das ist, im Gegensatz zum Parfait essen, kein Zuckerschlecken, wie ihr auch gleich verstehen werdet.
Der Bahnhof Shinjuku ist der meistbesuchte Bahnhof der Welt, mit 3,5 Millionen Passagieren - am Tag. Oder fast komplett Berlin, das täglich durch diesen Bahnhof filtert.
Dieser Bahnhof hat außerdem nicht fünf, nicht sechs, sondern weit über 200 Ausgänge. Ich konnte hierzu keine exakten Zahlen finden, nicht mal auf japanisch. Die Unglückseligen, die einst hinauszogen, um alle Ausgänge zu zählen, haben sich verlaufen und wurden nie wieder von Menschenaugen gesehen.
Aber wir sind nicht hier, um unsere übermenschlichen Superkräfte zu beweisen. Wir begeben uns zum höchsten Rathaus der Welt, ein weiterer Rekord, den wir in nur kurzer Zeit besuchen, um zur kostenlosen Aussichtsplattform im 45. Stock hochzufahren.
Am nächsten Tag geht es ins Viertel Ginza, welches auch die Champs Elysées von Tokyo genannnt wird. Oda de Ku'damm von Tokyo, wenn euch dit een besseret Bild voa de Oogen malt.
Nicht unweit der Luxusläden findet sich ein altes Wohngebäude aus den Fünzigern, welches zu einem Künstlerraum umfunktioniert wurde. Jede Wohnung ist ihre eigene, separate Kunstgalerie. Sehr cool.
Als nächstes, noch ein Rekord. Wir besichtigen Kabukicho, das weltgrößte Viertel für, äh, nächtliche Unterhaltung. Aber das ist nicht alles. Dort findet man auch, unter anderem, einen riesigen Godzillakopf auf einem Gebäude, King Kong, der von einem anderen Gebäude runterbaumelt, eine stets wachsende Bevölkerung Jugendlicher ohne Heim, Yakuzas, und lange morgendliche Schlangen von Menschen, die darauf warten, dass die Pachinkohallen öffnen. Pachinko ist ein Glücksspiel und die Sucht nach selbigem ist ein ernsthaftes gesellschaftliches Problem in Japan geworden.
Wir sind hier früh am Morgen, oder früh am Mittag, um eine Show mit Musik und Tanz anzuschauen und dabei Sushi zu essen. Und das war toll.
Wir gehen durch die Cat Street in Harajuku, welche, trotz unserer langwierigen Recherche, keine signifikante Population an Felis Catus aufweisen konnte.
Wir decken uns mit allen möglichen Firlefanz ein, als ob wir einen Koffer hätten. Mit dem Unterschied, dass wir nur unsere Rucksäcke als Handgepäck dabei haben. Anna meint, das passt schon. Wir drücken uns die Daumen.
Das Ende unseres Aufenthalts in Japan rückt näher und wir versuchen, den vor mehr als 20 Jahren abgelaufenen Film entwickeln zu lassen, nachdem wir ein paar Schnappschüsse während unserer Reise gemacht haben. Die Herren im Fotoladen schauen uns zugleich skeptisch und amüsiert an. Wir lassen aber nicht locker und die Fotos sind tatsächlich was geworden, wenn auch einige einen starken Grünstich aufweisen.
Und dann ist die Reise auch schon vorbei. Oder auch nicht, hehe. Wir fliegen noch nicht zurück, sondern lassen unseren Urlaub gediegen für ein Wochenende in Taipei ausklingen.
Das Flugzeug dorthin funktioniert wie ein Bus, mit Passagieren, die sitzen bleiben und nach Bangkok weiterfliegen, während wir in Taipei aussteigen. Dieses System könnte man getrost Airbus nennen, aber der Name war schon vergeben. Und außerdem war es eine Boeing.
Nach dem Check-In im Hotel gehen wir direkt auf einen Nachtmarkt, was auch der Lieblingszeitvertreib der Taiwanesen ist, und bestellen ein scharfes Sandwich. Nur hatten wir vergessen, dass in Taiwan scharf auch tatsächlich scharf heißt.
Weiterhin hatten wir diese Luftfeuchtigkeit vergessen. Schlimmer als in Thailand. Wir fahren trotzdem mit dem Rad, weil das Spaß macht und weil man das hier gut machen kann.
Nach Tokyo haben wir den Eindruck, in einer kleinen Provinzhauptstadt gelandet zu sein, obwohl die Stadt immerhin neun Millionen Einwohner in ihrem Einzugsgebiet zählt. Oder mehr als die drei MDR-Länder zusammen.
Wir begeben uns erneut zur Restaurantkette, die den Boba vor etwa 50 Jahren erfunden hat. Auch Bubble Tea oder Perlentee genannt. Wir bestellen uns einen Boba in einem großen Bierglas zu zweit. Das ist genug Boba für heute.
Wir umkreisen Taipei 101. Noch einer der höchsten Türme der Welt, den wir nur von unten betrachtet haben. Aber man sieht ihn eh besser von außen als von innen.
Ximending, das Shopping- und Modeviertel, befindet sich unweit von unserer Unterkunft. Wir schauen dort einem Straßenspektakel zu, bei dem ein Künstler fällt und sich die Hand verletzt. Die Show wird gestoppt und ein Krankenwagen ist in kaum drei Minuten schon zur Stelle. Welch Effizienz.
Und schon ein bisschen später fängt der nächste Künstler damit an, einen Turm aus Stühlen zu erklimmen. Anna verdeckt sich die Augen, aber diesmal wird niemand verletzt.
Ein Festumzug mit großen, verkleideten Männchen und lauter Musik fängt am Tempel vor unserem Hotel an. Wir gehen runter und verfolgen ihn für eine halbe Stunde, bevor wir wieder zurück zum Hotel für eine Dusche gehen und das machen, was wir ursprünglich geplant hatten.
Eine halbstündige Gondolafahrt bringt uns rauf auf den Berg Maokong, oder wörtlich "Katzenluft". Von oben haben wir eine wunderschöne Aussicht auf den Nebel.
Anna möchte eine Wanderung auf einen Berg unternehmen, aber wir sind schnell aus der Puste, wegen der Steigung, der Hitze, und vor allem der Luftfeuchtigkeit. Habt ihr schon einmal versucht, in einer Dampfsauna Treppen zu steigen?
Wir setzen uns also hin und bestaunen die Aussicht. Der Nebel verschwindet langsam und gibt die Sicht auf die Wolkenkratzer in Taipei frei.
Wir fahren zurück in die Stadt, in ein anderes Viertel, und stoßen auf ganz viele weitere Gruppen, die von anderen Tempeln kommen und Musik machen, Böller knallen lassen und mit übergroßen Kostümen tanzen.
Wir bekommen eine Art Gebäck geschenkt, das Glück bringt. Direkt vom Strick um den Hals einer Dame, die den ganzen Tag getanzt hat. Ohne Verpackung. Viel Glück.
Zurück im Hotelzimmer fängt die Klimaanlage mit Knackgeräuschen an und es steigt weißer Rauch aus ihr auf. Das Hotel meint, das wäre nur Wasserdampf, weil sie überhitzt. Das war es wahrscheinlich auch nur, aber uns war uns dann doch nicht wohl, in diesem Zimmer zu schlafen und zu dieser fortgeschrittenen Stunde konnte, verständlicherweise, kein Elektriker vorbeikommen und sich das Ganze anschauen.
Wir haben also, für euch, den Hotelwechsel in Taipei um Mitternacht getestet. Nicht einmal fünf Minuten zu Fuß entfernt gabe es freie Zimmer.
Mit dieser Erfahrung hatten wir auf jeden Fall nicht für unsere letzte Nacht gerechnet.
Am nächsten Morgen gibt es einen letzten Original-Boba und schon geht es in den nächsten Flieger, um zum gewöhnlichen Leben zurückzukehren.
Also, bis dann, Marian.

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