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Verflixt! Das war knapp. Mit nur ein bisschen mehr Motivation im Geist und Zucker im Blut hätte ich es schaffen können, nicht mehr als ein Jahr Rückstand in unseren Erzählungen zu haben. Aber da wir hier nun schon, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels, das Jahr 2568 laut thailändischem Kalender schreiben, der sich auf die Geburt Buddhas anstatt Jesus' bezieht, habe ich ein paar kurze Jahrhunderte nachzuholen.
Jedenfalls, um euch mit meinem Geschriebenen nicht noch mehr zu verwirren als üblich, dreht sich dieser Artikel um den Monat Dezember 2023 und nicht 2024.
Zurück von unserer Bildungsreise nach Vietnam, schaffe ich es endlich, eine App auf meinem Handy zu installieren, mit der ich im 7-Eleven bezahlen kann. Die Seven, wie man sie auch schön hip nennen kann, sind eine Kette kleiner Läden, die rund um die Uhr geöffnet sind und bei diesem Thema das letzte Bollwerk in Thailand sind. Überall sonst, wie in jedem modernen Land, konnte man bereits durch das Abscannen eines QR-Codes mit seinem Handy bezahlen. Jetzt müssen wir endlich nicht mehr abheben.
Die Seven sind übrigens keine eifrigen Verfechter des Papiergeldes. Sie haben es nur lieber, wenn man ihre eigene App oder ihre eigene Kreditkarte nutzt.
Mit dieser ganzen ersparten Zeit geht es für ein kurzes Wochenende in die Berge. Zuerst essen wir in einem Restaurant, dessen Stühle, Tische und Kronleuchter sich auf einer Wiese befinden. Draußen. Ohne Dach. Aus diesem Grund ist es nur ein paar Monate im Jahr geöffnet, in der Trockenzeit wenn es nicht regnet. Das Essen war sehr gut und wir wurden fast nicht von den Insekten belästigt.
Das Hotel, in dem wir untergebracht sind und das sich ebenfalls mitten im Nirgendwo befindet, scheint genauso wenig bewohnt zu sein wie all die verwahrlosten Hotels, die wir von der Klippe aus auf dem Weg dorthin gesehen haben. Immerhin ist es ruhig.
Marcel begibt sich alleine auf eine Reise für ein paar Tage. Da er mit seinen Urlaubstagen im Laufe des Jahres geizig gehandelt hatte, muss er sie nun nutzen, um sie nicht unnützerweise zu verlieren.
China hatte gerade wieder das Land für visafreie Reisen geöffnet und so geht es für ihn nach Shanghai, der größten Stadt des Landes.
Im Flugzeug gibt ihm eine Mutter mit ihrem Sohn stinkenden Tofu. Wie in Taiwan, ihr erinnert euch? Dieser stank nicht so überwältigend wie die Dinger in den Straßen Taipehs. Zum Glück, da wir bereits in der Luft waren und der Luftoffizier es nicht erlaubt hätte, ein Fenster zu öffnen. Jedes Flugzeug in China hat einen Luftpolizisten, der der Crew zur Seite steht, um Streitigkeiten zu beschwichtigen.
Aus dem Flugzeug raus, ist es kalt. Mir wurden etwa 35 Grad abgezogen. Ich richte mich wieder senkrecht auf (Bah-Dum-Tss) und steige in den Maglev zur Fahrt in die Stadt. Das ist ein Zug, der dank Magnetkräften über den Gleisen entlang schwebt. Das ist außerdem der schnellste Zug der Welt im Regelbetrieb, mit einer Geschwindigkeit von 430 Km/h. Oder genauer gesagt, war er das mal.
Seine Geschwindigkeit wurde kürzlich auf 300 Km/h gedrosselt, was ihn nicht einmal zum schnellsten Zug macht, in dem ich je gesessen habe. Ich hab sogar Omas schneller auf der Autobahn langbrettern sehen.
Ich steige um in eine andere U-Bahn (wovon es zwanzig (20) Linien in Shanghai gibt) um zu meinem Hotel zu kommen.
Im WLAN im Hotel habe ich keinen Zugang mehr zu den Apps, mit denen ich normalerweise mit der Außenwelt kommuniziere. Facebook, Google, Instagram, TikTok - alles, was wir normalerweise nutzen, ist gesperrt in China. Die Chinesen haben ihre eigene Biosphäre an Apps, mit denen sie miteinander kommunizieren.
Wenn ich aber meine mobilen Daten mit meiner ausländischen SIM-Karte nutze, funktioniert alles wieder und die Außenwelt muss mich nun doch weiter ertragen.
"Aber warte Mal," höre ich euch rufen, "Ich dachte TikTok ist aus China!"
Ja und nein. TikTok ist die internationale Version der app DouYin, die die Chinesen nutzen und die mehr Einschränkungen aufweist.
Ich gehe wieder raus in die eisige Nacht, um etwas Essbares zu finden. Die Straßen sind ruhig. Damit meine ich, ohne Lärm. Hier fahren unzählige Busse und Autos und noch mehr Mopeds. Aber der Großteil der Fahrzeuge ist elektrisch. Das ist, als ob jemand auf den Stummknopf gedrückt hat. Wodurch man sich nicht mehr anschreien muss, wenn man sich neben einer stark befahrenen Straße unterhalten will. Und wodurch ich mehrmals einen Herzkasper erleide, wenn ich mich Nase an nase mit einem Moped oder Auto wiederfinde, das ich nicht gehört hatte. Auch scheinen die Verkehrsregeln eher freiwilliger Natur zu sein, mit Mopeds auf dem Gehweg und überfahrenen roten Ampeln. Es ist nicht so chaotisch wie in Vietnam, aber um einiges mehr als in Thailand.
Ich nehme wieder die U-Bahn. In China, wenn man in einen Bahnhof geht, ob U-Bahn oder Zug, dann werden Gepäck und Flaschen durchleuchtet, wie am Flughafen, damit keine Waffen oder Sprengstoff reingeschmuggelt werden.
China hat in dieser Hinsicht nicht wirklich ein weitverbreitetes Problem und ist um einiges sicherer als jedes x-beliebige Land in Europa, aber sie machen es trotzdem. Ob diese Sicherheit die Ursache oder das Ergebnis dieser Maßnahmen ist, vermag ich euch aber nicht sagen.
Ich schaue mir die hohen Gebäude im Finanzviertel Shanghais an, mit unter anderem dem zweithöchsten Turm der Welt. Oder zumindest war er das bis vor Kurzem, er wurde von dem blauen Turm den wir in Kuala Lumpur gesehen haben auf den dritten Platz verfrachtet, nachdem dieser einige Monate vorher fertig gestellt wurde.
Aber das sind nicht die einzigen Hochhäuser im Viertel, hohe, verglaste Gebäude gibt es hier überall. Die Stadt ist schnell und hoch gewachsen. Wenn man sich Fotos von vor 30 Jahren anschaut, dann findet man an der gleichen Stelle nur Acker.
Wenn man den Fluss überquert, wird man in eine komplett andere Epoche befördert. Hier umsäumen alte, hübsch dekorierte europäische Gebäude aus dem 19. Jahrhundert die Flusspromenade.
Ich begebe mich auf DIE Fußgängerstraße der Stadt. Auf mehreren Kilometern reihen sich Läden und Kaufhäuser aneinander. Ein Typ quatscht mich an und will mich zu einem Ort mit Markentaschen bringen. "Fake" sagt er mir auch direkt, ohne, dass ich überhaupt gefragt habe. Ich zeige ihm meine alte, abgenutzte Umhängetasche Typ Banane und er nickt verständnisvoll, bevor er den nächsten Passanten anhaut.
Im alten europäischen Zentrum stelle ich fest, dass die Trolleybusse noch da sind. Also Busse, die Oberleitungen haben. Wie eine Straßenbahn, aber als Bus halt. Ein ästhetischer Artefakt, da die anderen Busse inzwischen auch alle elektrisch sind, nur halt ohne Leine.
Ich gehe durch ein Viertel, in dem alle Fenster und Eingänge und Nebenstraßen verbarrikadiert sind. Solche Viertel hatten wir damals auch in Korea entdecken können. Das Viertel ist leer und bereit für ein neues Bauprojekt. Dazu gehört, dass alle Gebäude dem Erdboden gleichgemacht werden, um Platz für Neues zu schaffen.
Ich esse eine Teigtasche mit einem Strohhalm. Es handelt sich hierbei um eine lokale Spezialität, die Teigtasche ist mit Krabbensuppe gefüllt, die man vorher trinken muss, wenn man nicht sich und seine Nachbarn damit taufen will.
Mein Hotel ist weit von den touristischen Orten entfernt, in einem Wohnviertel. Auf dem Weg zur Metro durchquere ich einen kleinen Park. Und ich kann euch sagen, alle Klischees sind wahr! Trotz der eisigen Temperaturen sind die Leute hier am Tanzen oder Singen, oder machen Sport oder Tai Chi oder Musik.
An einem Stand auf der Straße zeige ich einem Herrn ein Foto von Anna und mir. Er zerschnippelt ein Stück Papier in drei Minuten so, dass es uns ähnlich sieht. Das Ergebnis ist nicht unglaublich. Aber schnell.
Ich sitze erneut in der Metro, für zwei Stunden, um mich auf dem Land wiederzufinden. Hier besichtige ich ein antikes Wasserdorf. Dabei handelt es sich um Häuser aus Stein, die an einen Fluss und Kanälen gebaut sind. China hat davon etliche und diese Orte sind oft das Bild, an das man denkt, wenn man vom alten China spricht. Heutzutage sind sie Touristenattraktionen mit ein paar Museen, sehr viel Street Food und Menschen, die dort noch leben und ihre Wäsche aufhängen.
Zurück in der Stadt esse ich ein Gericht für drei Personen. Weil ich nicht wusste, was ich da bestelle und trotz des mehrmaligen Nachfragens des Chefs, ob ich das wirklich haben will.
Ich habe aber trotzdem alles aufgegessen, zum großen Erstaunen besagten Chefs.
Ich gehe in ein Einkaufszentrum namens "Tausend Bäume". Es ist das originellste Einkaufszentrum, dass ich je gesehen habe. Auch wenn es deutlich weniger als tausend Bäume vorzuweisen hatte.
Shanghai ist Shoppingparadis. Noch nie habe ich so viele Einkaufszentren, so nah beiander und gleichzeitig so unterschiedlich in Dekor und der Auswahl an Läden gesehen. Unglaublich. Wie? Was ich gekauft habe? Na, nichts, wieso? Außer ein paar lustigen Socken für Anna, wobei ich den angezeigten Preis als thailändische Baht und nicht als chinesische Yuan missverstanden hatte. Sushi-Socken für 13 Euro. Ob sie sie mag oder nicht, für den Preis muss sie sie anziehen. Frohe Weihnachten.
Ich nehme zur Abwechslung mal den Bus. Der Weg kostet mich 25 cent, egal wie weit ich fahre. Es gibt keinen Halteknopf, der Fahrer hält systematisch an jedem Halt an und öffnet die Türen. Auch wenn dort niemand ist.
Wir finden uns im Stau wieder, da gerade Stoßzeit ist. Elektroautos beheben diese Art Problem nicht, falls ihr euch fragen solltet, sondern nur öffentliche Verkehrsmittel - oder eine schlecht gehandhabte Pandemie, habe ich mir sagen lassen.
Ich gehe in ein deutsches Restaurant das letztendlich nicht all zu viele deutsche Gerichte auf dem Menü hat. Ich bestelle also das deutscheste Gericht, das ich finden kann: Sauerkraut alsässischer Art. Und all das nur weil das Restaurant eine Etage drüber zwar cool aussah, mit barbarischen Dingen an der Wand, ein Steak für 250 Euro (ohne die Kartoffeln) aber nicht ganz in meinem Budget lag.
Am letzten Tag, bevor ich ins Flugzeug steige, gehe ich in die Ausstellungshalle für Stadplanung in Shanghai. Für alle, die nicht auf halben Weg durch das Lesen des Namens eingeschlafen sind, ja, es war interessant.
Am Flughafen gibt es einen ersten Sicherheitscheck bevor ich überhaupt in das Gebäude reindarf. Feuerzeuge sind im Flughafen und im Flug verboten.
In Bangkok angekommen, beim Aussteigen aus dem Flugzeug, wartet ein Mann im bewegbaren Tunnel mit einem Schild auf dem mein Name steht. Er fragt mich, ob ich in einen anderen Flieger umsteige. Nee. Ich weiß nicht, warum er meinen Namen hat. Er auch nicht. Und so scheiden sich unsere Wege.
Am Flughafen treffe ich mich auch wieder mit Anna, die gerade aus Chiang Mai angekommen ist, und wir nehmen einen Bus nach Pattaya, um dort das neue Jahr zu begrüßen.
Pattaya ist nicht weit von Bangkok entfernt und international bekannt für, ähm, ja, also, kurzum, na, nun gut.
Aber dort gibt es auch andere Sachen und wir gehen uns das sogenannte Heiligtum der Wahrheit anschauen, welches seit über 40 Jahren gebaut wird. Das ist etwas das gleiche Prinzip wie bei der Sagrada Familia in Barcelona. Hunderte Künstler bearbeiten seit Jahrzehnten Holz um diese Art Kirche mit Details überall innen und außen zu verzieren.
Dann gehen wir uns ein Museum mit ungewöhnlichen Dingen anschauen, wie zum Beispiel Statuen von den dicksten oder größten Männern oder Handtaschen aus Leder aus Menschenhaut.
Am nächsten Tag fällt uns der Rückweg zum Flughafen in Bangkok schwer, da die Anzahl der Busse dorthin auf die selbe Anzahl wie jeden anderen Tag sonst auch begrenzt ist und wir nicht die einzigen sind, die dorthin wollen. Wir bekommen schließlich ein Ticket für einen Bus ein paar Stunden später und setzen uns in ein Café und warten ab.
Und damit endet die Staffel 2023. Danke fürs Zuschauen und wir sehen uns nächstes Jahr wieder.
Und damit endet die Staffel 2023. Danke fürs Zuschauen und wir sehen uns nächstes Jahr wieder.

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