2023 Teil 3: Schon wieder Urlaub!?

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Da sind wir auch schon wieder in Chiang Mai und auch schon wieder weg. Nach unserem Urlaub mit dem Thema ‘Gewaltspaziergang’ in Singapur bleiben wir nur drei Tage in der eher ruhigen Stadt Chiang Mai. Ja, wir haben schon wieder Urlaub.

Das Reiseziel ist etwas komplizierter zu erklären, aber wir versuchen es trotzdem mal. Anna geht nach Belgien und Marcel nach Hong Kong.

Ah, cool, Hong Kong, sagt ihr. Aber warum geht er denn alleine dorthin?

Äußerst berechtigte Frage. Die Sache ist, dass Marcel gratis Tickets für einen Hin- und Rückflug nach Hong Kong (Oder HK wie die, äh, Leute, sagen) gewonnen hat. Anna hätte solche Tickets auch gewinnen können, hat aber lieber falsch auf die Quizfragen geantwortet, um auch mal etwas Ruhe zu haben und um vor allen Dingen nicht schon wieder 60 km in drei Tagen laufen zu müssen.

Darum bezwingt Marcel mutig alleine die große Stadt. Was folgt, sind seine Erzählungen:

Da ich spät am Samstag Abend angekommen bin, geht der erste richtige Spaziergang erst Sonntag früh los, während ich mit dem Jetlag kämpfe (da ist immerhin eine ganze Stunde Unterschied!). Alle Parks und selbst die Gehwege mancher Straßen sind mit Zelten und Kartonhäuschen übersät. Gibt es da ein solch riesiges Problem mit Obdachlosigkeit in einem ostasiatischem Land?

Diese Zelte, Kartons und selbst Decken auf Rasen sind mit Menschen überfüllt. Tatsächlich handelt es sich hier um Haushaltshilfen, die ihren einzigen freien Tag der Woche nicht an ihrem Arbeitsplatz verbringen wollen. Diese Frauen gehen also raus und treffen sich mit ihren Landsleuten in Parks oder auf der Straße, um zu quatschen, zu tanzen, zu singen und zu essen. Teile des Stadtzentrums werden so zu einer riesigen Picknickwiese.

Während ich durch einen dieser Parks schlendere, fällt mir ein Schild auf, das in die Richtung ‚Modellbootpark‘ zeigt. Neugierig folge ich dem Schild und komme an einem flachen Becken an, das in zwei Abschnitte unterteilt ist: langsame Boote und schnelle Boote. Platz ist in Städten wie Hong Kong wertvoll. Aber Platz für weniger geläufige Hobbies zu haben ist noch viel wertvoller. Ein junger Mann fährt sein Boot auf der einen Seite. Auf der Seite der Alten, äh, auf der langsamen Seite steuert ein Mann fortgeschrittenen Alters ein Boot, auf dem ein kleines Männchen mitrudert. Es kommt wirklich nicht schnell voran. Ich schaue mir das Spektakel eine Weile an, während ich der indonesischen und philippinischen Pop-Musik lausche, die von allen Seiten von den Haushaltshilfen gespielt wird.

Als das Boot mit dem Ruderer von einer Mini-Welle erwischt wird, die von dem jungen Raser mit seinem jenseits jeglicher STVO-Gesetze getunten Bootes verursacht wurde, und das Boot des alten Mannes langsam mit dem Sinken anfängt, schaue ich kurz auf die Uhr. Oh La La! Ich bin fast zu spät für meine nächste Verabredung! Jardine wartet schon!

Ich höre, wie sich eure jeweiligen Münder öffnen. ‚Deshalb ist er also alleine dorthin!‘ mutmaßt ihr. Nein, wo denkt ihr hin, das ist alles ganz anders! Ich bin ja nicht der Einzige, der zu ihr geht. Na, das reicht jetzt aber, man! Jardine ist eine Kanone! Eine alte Kanone, außerdem. Ihr Hauptreiz ist, dass sie jeden Tag Punkt zwölf von einem Mann in Uniform abgeschossen wird um den Leuten zu melden, naja, dass es halt um zwölf ist, oder so. Das macht er jetzt schon seit 150 Jahren und er wird jetzt nicht anfangen, damit aufzuhören.

Ein anderer Mann schaut mit mir von hinter der Absperrung der Abschusszeremonie zu. Er kommt jedes Mal vorbei, wenn er eine Stadttour mit Gästen macht. Er warnt mich, dass der Lärm sehr lärmend sein wird. Ich zucke trotzdem beim Schuss, da der Lärmpegel des Lärms noch lärmender war als was ich mir bei einem lärmenden Lärm vorgestellt hatte. Das war eher ein lärmender lärmender Lärm. Auf jeden Fall hat mich das so überrascht, dass sogar das Video vermasselt ist, welches ich davon am Filmen war.

Der nette Herr, der jeden Tag der hiesigen Fauna Herzkasper verabreicht, öffnet das Gitter und wir dürfen die Maschine inspizieren, solange wir sie nicht anfassen. Ich lasse mich kurz ablichten und flüchte vor der brennenden Sonne.

Am Flussufer sehe ich zwei Menschen warten. Ein kleines Boot kommt vorbei und nimmt sie mit. Erst zwei Wochen später, durch die sozialen Netzwerke schippernd, verstehe ich, was das war. Mitten in der Bucht von Hong Kong ist ein Boot geparkt, auf dem sich ein eher exklusives Restaurant befindet. Und die einzige Möglichkeit, dort rein zu kommen, ist über dieses kleine, zum Restaurant gehörende Boot.

Hong Kong ist eine Inselgruppe mit einem subtropischem Klima. Es ist gerade Mai, kurz bevor der Monsun, die Regenzeit, anfängt, weshalb es gerade heiß und schwül ist, gepaart mit einem makellosen blauen Himmel. Das hört sich wahrscheinlich schon paradiesisch an, für den Teil unserer Leser, die weniger mit schönem Wetter, sommerlichen Temperaturen oder der simplen Anwesenheit dieser gelben Kugel über unseren Köpfen gesegnet sind. Den ganzen Tag Treppen zu steigen, während die gefühlte Temperatur bei 50 Grad steht (ohne zu übertreiben. Meine Wetter-App hat mir das so zugeflüstert), ist es weitaus weniger.

Jedenfalls hätte ich besser eine kurze Hose anziehen sollen.

HK ist für seine hohen Gebäude bekannt. Es ist nicht so, dass es dort überhaupt keinen Platz gibt, die Stadt ist von großen Waldflächen umgeben, sondern es fehlt einfach an Platz, auf dem man auch bauen kann, da die Stadt äußerst hügelig ist. Deshalb wird halt nach oben gebaut. Allein dafür ist ein Spaziergang durch das Stadtzentrum beeindruckend. Auch wenn man sich weiter vom Zentrum entfernt, behalten die Gebäude ihre Höhe, sind aber etwas weiter voneinander entfernt. Eine kurze Recherche im Internet zeigt, dass Hong Kong mit seinen acht Millionen Einwohnern doppelt so viele Wolkenkratzer hat wie der zweite Platz auf dieser Rangliste, New York. Und um eurer nächsten Fragen zuvorzukommen: Städte in Europa schneiden auf der selben Liste äußerst schlecht ab. In HK gibt es mehr Wolkenkratzer als auf dem gesamten europäischen Kontinent.

Hier wachsen nicht nur die Gebäude in die Höhe, um Platz zu sparen. Der Großteil der Busse und sogar die Straßenbahnen haben zwei Etagen. Diese Straßenbahnen nennen sich übrigens Ding-Ding-Trams. Sie fahren nicht sehr schnell, sind aber eine Hauptattraktion für Touristen der Stadt geworden. Man kann solche Trams sogar mieten und drinnen Feiern organisieren, während man durch die Straßen des Zentrums gefahren wird.

Ich fahre mit der ältesten Seilbahn Asiens einen Berg hoch, um von dort aus besser die ganzen hohen Türme bestaunen zu können. Ich verweile dort, während die Sonne untergeht und beschließe, danach, wieder runterzufahren. Nur hatten auch hunderte anderer Menschen die genau gleiche Idee und es bildet sich eine riesige Schlange vor der Endhaltestelle der "Peak Tram". Ich fahre also mit dem Bus zurück runter in die Stadt.

Unten angekommen überquere ich mit einer Fähre die Bucht und bezahle dafür den astronomischen Preis von 30 Cent. Auf dieser Seite der Bucht bestaune ich und tausende andere Touristen die tägliche Lichtershow, die die Gebäude am Uferrand veranstalten.

Ich fahre mit der Fähre zurück zur anderen Uferseite, um endlich zurück zu meinem Hotel zu kommen und finde mich in einem Skywalk wieder, einer Art Gehweg oberhalb der Straße gebaut. Das gibt es auch in Städten wie Bangkok, um einen Spaziergang angenehmer zu gestalten, an einem der wenigen Orte in Thailand, wo sich die Leute tatsächlich zu Fuß fortbewegen, ohne sich dabei um Ampeln oder Fahrzeugen Gedanken machen zu müssen. Was daraus in Hong Kong gemacht wurde, ist aber auf einer ganz anderen Etage. Das ist hier gleich ein ganzes Netzwerk an Gehwegen über der Straße, mit vielen Gebäuden direkt verbunden, ohne dass noch einmal auf Straßenebene runtergegangen werden muss.

Während meines Aufenthalts gehe ich auch mehrere Museen besuchen. Es passiert öfter, dass, wenn ich gerade irgendwo irgendwas anschaue, irgendjemand mich spontan anspricht und mir Sachen zu den Dingen erklärt, die ich gerade anschaue. Das sind keine Angestellten des Museums, sondern einfach nur Neugierige. Und auch nur, wenn sie sich auch trauen, auf Englisch zu sprechen. Ich spüre dementsprechend öfter neugierige Blicke auf mir Sitzen, und das nicht nur in Museen. Für eine Stadt, die sich selbst den Titel "Die Weltstadt Asiens" verliehen hat, vermitteln ihre Einwohner eher den Eindruck, selten einen blonden Menschen gesehen zu haben.

Andererseits habe ich tatsächlich nur sehr wenige andere westliche Menschen während meiner Woche dort gesehen.

Jedenfalls war ich in einem Museum. Im Heimatmuseum, um genau zu sein, dieses Mal. Es besteht aus mehreren verschiedenen Ausstellungen, unter anderem natürlich zu Bruce Lee, zu Hong-Kong-Filmen im Allgemeinen, zu gefundenen Gegenständen, die über 2000 Jahre alt sind und eine Ausstellung, die sich "Virtually Versailles" nennt. Letztere besteht aus mehreren Spielen und einer virtuellen Fahrradtour durch die Gärten des Versailles-Palasts. Ich strampele ein paar Minuten, bevor mir wieder einfällt, dass ich vor etlichen Jahren selbst persönlich im echten Versailles war. Ich gehe also zur nächsten Ausstellung über.

Das Museum befand sich eher außerhalb des Stadtzentrums, wodurch ich auch das Leben außerhalb der Touristenzonen entdecken konnte. Ich gehe in einem Einkaufszentrum, das die unteren Stockwerke eines Wohnungskomplexes bildet, etwas essen. Ich bestelle eine Sache mit Reis und Hühnchen, welches sich noch ordentlich am Knochen festkrallt. Ich versuche, weder mich, noch den Tisch, noch die Leute drumherum einzusauen, während ich das Hühnchen mit Stäbchen abpule. Die Ganze Sache wird nicht dadurch einfacher, dass das halbe Restaurant mir anscheinend dabei aus dem Augenwinkel zuguckt. Das Hemd und der Tisch bleiben sauber und ich spüre, wie die stille Anerkennung meiner Stäbchenkünste der Leute drumherum während meines Gerichts steigt und steigt. Ich nicke einem älteren Herrn zu, dessen Blick nicht ganz so diskret ist wie der der Anderen (Es sind irgendwie immer die Alten, die stieren.). Er lächelt und antwortet in gleicher Weise. Und schon bin ich Teil der Familie.

Als ich aus dem Turm hinaustrete, erspähe ich eine Dame, die ihre Papageien auf der Schulter spazieren trägt. Sie stellt sie auf dem Zaun eines kleinen Sportplatzes ab und springt ein paar Runden Seil. Die Vögel, ihrerseits, warten darauf, dass die Klimmzugstange frei wird.

In manchen hügeligen Städten gibt es auch draußen Rolltreppen, damit die Menschen einfacher den Berg hochkommen. An manchen Orten gibt es sogar mehrere solcher Maschinen hintereinander, damit die Passagiere auch zwischendurch ein- und aussteigen können. In HK kann man die längste Rolltreppenfahrt der Welt machen. Ich bin da auch mitgefahren und kann euch bestätigen, dass die Fahrt länger ist, als man denkt. 800 Meter weiter, 135 Meter höher und 15 Minuten älter komme ich endlich oben an. Wenn man die gleiche Strecke mit dem Auto zurücklegen will, fährt man dafür mehrere Kilometer und ist länger unterwegs, um die gezickzackten Straßen des Hügels zu erklimmen.

Auf dem Weg nach unten gehe ich durch einen öffentlichen Park, der auch gleichzeitig als Tierpark genutzt wird und mit Affen und Reptilien gefüllt und auch gleichzeitig ein botanischer Garten mit Gewächshäusern ist. Ich fliehe vor den zuvor erwähnten 50 Grad gefühlter Temperatur in eins dieser Gewächshäuser. Ja, die Gewächshäuser hier sind klimatisiert weil es draußen einfach zu warm ist.

In einem anderen Park gibt es eine Kung-Fu-Ecke, wo man verschiedenen Kung-Fu-Vereinen zuschauen kann, was sie so drauf haben. Während ich das Spektakel anschaue, fängt ein Mann ein Gespräch mit mir an. Er wohnt im Vereinigten Königreich und unterrichtet Kung Fu in seiner Garage. War da nicht mal ein Film der so anfing?

Um mich erneut runterzukühlen, gehe ich in ein Einkaufszentrum, dass mehr einer Kunstgalerie ähnelt. Was verkaufen denn die hier bloß?

Die Hong Konger lieben Eis. Überall gibt es Eiswagen und auch immer lange Schlangen davor.

Ich gehe aber ins Tassennudelmuseum. Das ist nicht wirklich ein Museum, sondern eher eine Art Atelier, wo man seine eigene Tassennudeltasse erstellen kann, mit einem Souvenirladen hintendran. Ich bemale meine eigene Tasse und kreiere meine eigene Gewürzmischung, bevor die Tasse vakuumdicht versiegelt wird. Ein Jahr später befindet sich diese Tasse noch in genau dem selben Zustand, in unserem Regal mit den anderen Urlaubssouvenirs.

Ich besuche das Monster Building, dessen Name höchstwahrscheinlich von seiner Monstrosität stammt. Ihr habt mit Sicherheit schon Fotos dieses Gebäudes gesehen, so beliebt ist es als Motiv bei Touristen. So beliebt sogar, dass inzwischen Schilder jegliche Art von Foto verbieten, um die Anwohner nicht zu stören. Aber ich versichere euch, dass das Gebäude beeindruckend ist.

Unter all den ungewöhnlichen Sachen, die man in HK zum Essen finden kann, wie zum Beispiel Schlangensuppe, befindet sich eine ungewöhnliche kulinarische Mischung: An mehreren Orten konnte ich, als Beigabe zu traditionell hong kongesischen Gerichten, Borscht essen. Dabei handelt es sich nicht um Suppe, die zufällig wie Borscht aussieht und schmeckt, sondern sie ist explizit als Borscht auf den Speisekarten angepriesen.

Ich mache einen Ausflug in die Berge und ein alter Mann ohne T-Shirt spricht mit mir über Politik, während ich auf einer Bank eine Pause einlege. Als wenn das nicht schon allein traumatisierend genug war, so muss ich, kaum an der Hälfte der Strecke zum Gipfel angekommen, umdrehen, da eine riesige Schlange den Weg nur wenige Meter vor mir kreuzt. Nein, danke.

Jeden Mittwoch Abend ist Pferderennen angesagt. Ich fahre mit der Ding Ding hin. Dort angekommen, wette ich zum ersten Mal in meinem Leben auf ein Pferd. Ich habe für die Wahl des richtigen Pferdes eine äußerst wissenschaftliche Methode genutzt, indem ich auf das Tier mit dem besten Namen gesetzt habe. 20 HK Dollar (etwa zwei Euro) tippe ich also auf das Pferd mit dem Namen "Goodluck Goodluck". Ja, zwei Mal. Und yes! Es hat gewonnen! Ich investiere meine gewonnen 100 HK Dollar klug in mein Abendessen: Ein Hot-Dog mit Cola von einem der Essensstände im Stadion.

Auf meinem Weg zurück zum Hotel mache ich einen Zwischenstopp an einer Art Schrein unter einer Brücke. Dieser Ort ist für seine Damen bekannt, die ein Rituell durchführen, dass sich "Schuftverprügeln" nennt. Oder so was in der Art. Damit hat es nichts Schändliches auf sich, wohlgemerkt, sondern es handelt sich dabei um ein Rituell, das Glück bringen soll. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das noch brauche, nach meinem phänomenalen Gewinn bei den Pferden, aber ich wage die Erfahrung trotzdem einmal. Ich schreibe meinen Namen auf ein Blatt Papier, den "Schuft", und überreiche es der Dame. Sie fängt umgehend damit an, das Papier schwungvoll mit alten Schuhsohlen zu verprügeln, bis von ihm nur fast nur noch Krümel übrig sind, und schmeißt was bleibt schließlich in ein Loch, das Feuer enthält. Zu guter Letzt läutet sie noch ein paar Glocken um meinen Kopf herum, während mehrerer, immer unangenehmer werdende Minuten, bevor sie mir ein Papier gibt, das in mein Portemonnaie gehört. Für mehr Knete in der Zukunft.

Für meinen letzten kompletten Tag in Hong Kong beschließe ich, ihn nicht in HK zu verbringen. Ich nehme eine Fähre rüber zur Stadt auf der anderen Seite, Macau. Obwohl Hong Kong und Macau zu China gehören, sind die beiden Städte auch gleichzeitig Sonderverwaltungszonen und werden somit etwas abgesondert zum Rest Chinas gehandhabt. Dadurch muss man zum Beispiel, wenn man in die Nachbarstädte von Macau oder Hong Kong aus will, jedes Mal durch die Passkontrolle. Genauso Ausländer wie auch Chinesen. Das führt wiederum dazu, dass der Austausch zwischen den beiden Städten weitaus weniger flüssig ist als das der Fall sein könnte und dass die schöne Brücke, die erst vor kurzem fertig gestellt wurde und immerhin die längste Meeresbrücke der Welt ist und HK und Macau miteinander verbindet, traurig leer erscheint. Ich selbst habe auch keinen Bus genommen, weil der Fährenhafen gleich nebenan vom Hotel war.

Als ich dann auch durch die Immigration in Macau bin, habe ich den Eindruck, in eine kleine Provinzstadt rübergesegelt zu sein, verglichen mit dem Wahnsinn Hong Kongs. Macau ist, zumindest auf dem Papier, die dichtbesiedeltste Zone der Welt, aber die Stadt ist weit davon entfernt, solch luftige Höhen zu erreichen wie ihre Nachbarin auf der anderen Seite der Bucht. Hong Kong hätte in der Statistik eine weitaus höhere Dichte, wenn sich im Stadtgebiet nicht auch weite Waldgebiete befinden würden, in denen es keine Siedlungen gibt. Macau, auf der anderen Seite, auf zwei kleinen Inseln gebaut, ist fast komplett mit Bauten überwachsen, wenn man von ein paar kleinen Parks absieht.

Die Stadt ist eine ehemalige portugiesische Kolonie und das historische Stadtzentrum könnte sich genauso gut irgendwo in Lissabon befinden. Selbst der Boden sieht genauso aus wie in Portugal. Das einzige Indiz, dass man sich nicht doch in Portugal befindet, sind die Straßenschilder. Auch sie sind im selben Stil gehalten wie Schilder in Portugal, mit dem Unterschied, dass sich unterhalb des portugiesischen Namens chinesische Schriftzeichen befinden. Alle Schilder sind in der Form zweisprachig Portugiesisch und Chinesisch gehalten, selbst wenn der Großteil der Macauer kein Portugiesisch kann. Englisch trifft man meistens nur dann an, wenn (auch) ausländische Touristen angesprochen werden sollen.

Ich hole mir eine Pastel de Nata, die fast originalgetreu schmeckt. Sie ist jedenfalls das was dem Original am Nächsten kommt, was ich außerhalb Portugals probieren konnte. Also gar nicht mal so schlecht.

Neben ihrer Luso-ität (der "Portugiesischheit"), ist Macau vor allen für seine Casinos bekannt und erhält oft den Spitznamen "das Las Vegas Asiens", was der Stadt alles andere als gerecht wird, denn wenn man sich die Umsatzzahlen dieser Casinos anschaut, dann ist die Stadt drei Mal so groß wie ihr amerikanischer Vetter. Es wäre also angemessener, Las Vegas "das Macau Amerikas" zu nennen.

Casinos gibt es hier auf jeden Fall einen Haufen, eins größer und schicker als das Andere. Auf Listen mit den größten Casinos der Welt finden sich einige in dieser Stadt wieder, die selbst gar nicht mal so groß ist. Das Casino "The Venetian", zum Beispiel, ist so gewaltig, dass es über einen eigenen Busbahnhof verfügt, mit etwa zehn Bussteigen.

Nachdem ich einen Spaziergang unter dem Eiffel-Halbturm und am Buckingham Palace vorbei gemacht habe, beschließe ich, zurück zum Fährhafen zu fahren, da es mir heute nicht unbedingt sonderlich gut geht.

Die Überfahrt dauert etwa eine Stunde, und da es keine billigen Sitze mehr gibt, musste ich eine Klasse drüber kaufen. Überraschung, eine Mahlzeit ist inbegriffen.

Beide Städte, Hong Kong und Macau, so beeindruckend sie auch erscheinen mögen, sind nur ein kleiner Teil einer sogenannten Megastadt, die sich kontinuierlich um das Perlflussdelta herumwindet. Hong Kong, Shenzhen, Guangzhou und andere Städte mit jeweils mehreren Millionen Einwohnern gehören dazu und diese Stadt zählt insgesamt über 86 Millionen Einwohner. Oder etwas mehr als Menschen in Deutschland wohnen.

Nach einem erneuten Durchgang durch die Passkontrolle, piepe ich und werde höflich in einen abgetrennten Bereich gebracht, wo man meine Temperatur in meinen Ohren misst. Anscheinend hatte ich Fieber. Sie nehmen meine Kontaktdaten auf und ich kann wieder meiner Wege gehen.

Am nächsten Morgen fliege ich schon wieder zurück nach Thailand. Bei meiner Ankunft hat die thailändische Immigration erneut ein Geschenk für mich. Nein, hier piepe ich nicht, Thailand überwacht schon lange nicht mehr die Temperatur der Einreisenden. Sondern der freundliche Beamte der Einwanderungsbehörde hat mein Visum in meinem Pass nicht gesehen und stempelt mich, wortwörtlich, als Tourist ab. Da ich noch krank war und einfach nur ins Hotel wollte, fällt mir das auch erst in besagtem Hotel auf, wo ich erneut meinen Pass vorzeigen muss. Laut diesen Stempels darf ich 30 Tage im Land verweilen, ohne arbeiten zu dürfen. Ich bin mir nicht sicher, dass mein Chef damit einverstanden ist.

Aber es ist gerade Wochenende und die Menschen auf Arbeit, die mich in die richtige Richtung weisen können, arbeiten heute nicht. Ich gehe also einen echten deutschen Döner, Berliner Art um genau zu sein, im einzigen deutschen Dönerladen Thailands, in Bangkok, essen.

Am nächsten Tag fahre ich nach Chiang Mai zurück, zur Abwechslung im Zug. Diesmal nehme ich einen Tageszug, um die Aussicht genießen zu können, und werde nicht enttäuscht.

Zurück auf Arbeit legt mir die Verwaltung der Firma nahe, zur Immigration am Flughafen zu gehen. Von Chiang Mai, ich muss nicht extra nach Bangkok zurück. Dort wird schnell der Stempel ausgewechselt und sich für den Fehler entschuldigt. Ich darf also länger bleiben und auch arbeiten.

Aber nicht zu lange mit der Arbeit, ne? Neue Abenteuer erwarten uns schon. Bis sehr bald.

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