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2023. Was für ein Jahr! Euch erwarten unzählige, immer fantastischer klingende Reisen. Und das alles live von eurem Sofa. Oder von eurer Toilette, falls das der Ort ist, an dem ihr normalerweise lest. Und das Beste daran? Das Ganze kostet euch nur eure Zeit!
Wir fangen das Jahr eher ruhig an. Für Marcels Geburtstag gehen wir Go-Kart fahren und trinken ein Gläschen in einem Café mit ganz vielen bunten Karpfen. Die Hauptattraktionen dieses Cafés sind aber die Toiletten, die sich in einem Aquarium befinden. So kann man von Fischen begutachtet werden, während man auf dem Tron sitzt.
Zu guter Letzt haben wir ein Hotelzimmer im prähistorischen Stil gebucht, das aussieht, als ob es direkt aus der Serie der Flintstones entnommen ist.
Unsere erste Reise des Jahres bringt uns nur nach Bangkok für ein kurzes Wochenende. Dieses Mal wurden wir übrigens nicht von Drogenabhängigen beleidigt.
Wir haben speziell dieses Wochenende gewählt, weil zu diesem Zeitpunkt auch das chinesische Neujahr stattfindet. Das ist auch schon das zweite Neujahr dieses Jahr. Wir gehen, natürlich, nach Chinatown, um dort die Festlichkeiten zu bestaunen. Wir sehen zum ersten Mal so viele Menschen, seitdem wir in Thailand angekommen sind. Nicht wenige Thailänder haben chinesische Vorfahren und feiern dementsprechend das neue Jahr mit traditionellen Kostümen und Tänzen.
Wir sind aber nicht nur zum Spaß in Bangkok. Am Montagmorgen, bevor wir unseren Flieger nach Chiang Mai nehmen, um rechtzeitig am Nachmittag auf Arbeit zu sein, holt Anna ihren neuen Reisepass von der belgischen Botschaft ab. Und der belgische Pass kann sich sehen lassen. Vertreten da drin sind Lucky Luke, die Schlümpfe und sogar Manneken Pis. Marcel hat nur einen schnöden Adler und dann sind alle Seiten auch noch genau gleich.
Jedes Jahr findet ein Blumenfest in der Altstadt Chiang Mais statt und dieses Jahr fällt das auf Annas Geburtstag. Wir gehen uns die dekorierten Festwagen anschauen und verlassen das Fest mit einer neuen Pflanze für zu Hause. Die wird nicht sterben wie die Anderen, versprochen.
Im Februar wird dieses Jahr auch schon langsam die Luft schlecht. Die Berge um die Stadt verschwinden langsam. Wir haben einen Luftreiniger zu Hause und auf Arbeit und tragen spezielle Masken, wenn wir raus müssen. Zum Glück gab es im Februar ein bisschen Regen, aber die nächsten Monate sehen düster aus.
Als die Luftverschmutzung gerade etwas weniger schlimm ist, fahren wir für unsere zweite Reise dieses Jahr nach Chiang Rai, etwa drei Stunden von Chiang Mai entfernt und nicht weit vom goldenen Dreieck, das sich an den Grenzen von Thailand, Myanmar und Laos befindet. Früher war das Dreieck für Drogenschmuggel bekannt. Das hat sich nicht geändert. Aber wir sind hier, um die verschiedenfarbigen Tempel dieser kleinen Stadt zu sehen.
Wir fangen mit dem weißen Tempel an, der eine beeindruckende Dekoration zur Schau stellt, die sich nicht nur aus traditionellen Symboliken zusammensetzt, sondern auch Symbole unserer zeitgenössischen Kultur zu bieten hat, wie zum Beispiel Mickey Maus oder Batman, die sich in der buddhistischen Hölle wiederfinden. Drinnen dürfen aber leider keine Fotos geschossen werden.
Danach nehmen wir unseren Scooter und machen uns auf den Weg zum blauen Tempel. Er ist wirklich blau und mit vielen Statuen und Totenköpfen dekoriert.
Heute sind alle Farben dabei und als nächstes geht es zum schwarzen Haus. Kein Tempel, sondern ein Projekt eines Künstlers, der viel mit Büffelhörnern und Krokodilshäuten arbeitet. Man möchte meinen, in einem alten Wikingerdorf zu stehen, aber wir erfahren, dass das Ganze vor nicht all zu langer Zeit erbaut wurde.
Zu guter Letzt finden wir uns vor drei großen Tempeln in verschiedenen, aber immer noch buddhistischen, Stilen wieder. Wir fahren bis in den 25. Stock einer riesigen Statue einer Göttin. Im Fahrstuhl natürlich. Als sich die Türen öffnen, überraschen uns die unzähligen weißen Statuen, die alle Wände dekorieren.
Auf einem Markt kaufen wir uns eine Decke für die Rückfahrt, da die Klimaanlage des Busses bei der Hinfahrt auf Eiswürfel geregelt war und wir fast erfroren sind. In Thailand.
Zurück in Chiang Mai hat die Stadt der Luftverschmutzung den Kampf angesagt, indem mit Schneekanonen Wasser an bestimmten Stellen der Stadt verstäubt wird. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie effizient das Ganze ist. Ein thailändischer Forscher hat diese ‘Lösung’ mit dem Versuch verglichen, einen dreckigen Kanal mit einer Flasche Wasser zu reinigen. Das Einzige, was die Verschmutzung aufhält, wenn man ihm und jeder Person mit einem bisschen Verstand glauben will, ist es, mit dem Verbrennen aufzuhören.
Aber warum wird überhaupt verbrannt, fragt ihr euch? Im November fangen die Bauern an, ihre Felder aufzuräumen, indem die Überreste verbrannt werden. Das macht auch guten Dünger. Dadurch entsteht ein bisschen Qualm, ist aber nicht der Hauptgrund für die Situation, in der wir uns jetzt befinden. Ab Februar verbrennen einzelne Personen das Unterholz in den Wäldern, um dann später Pilze zu sammeln, die gut in der Asche wachsen. März und April sind dabei die schlimmsten Monate dieser Jahreszeit. Das ist illegal, aber die Gesetze werden nicht durchgesetzt. Und deshalb wird weiter verbrannt und die Luft verpestet, nicht nur in Chiang Mai, sondern in der ganzen Region Nordthailands, in Myanmar und in Laos.
Wir entkommen der schlechten Luft für ein paar Tage, indem wir nach Kuala Lumpur reisen, der Hauptstadt Malaysias. Kuala Lumpur, oder KL, wie die Jugend sagt, befindet sich sehr viel weiter südlich, nicht weit vom Äquator entfernt, und hat keine Probleme mit schlechter Luft. Oder zumindest nicht zu dem Zeitpunkt, an dem wir dort sind.
Wir hatten vorher gehört, dass KL Luxus erschwinglich macht. Unser erstes Hotel befindet sich gleich neben einem der Wahrzeichen der Stadt. Nein, nicht neben den Petronas Towers, sondern dem Fernsehturm. Die Petronas können wir von unserem Zimmer im 24. Stock auch sehen, zusammen mit den anderen Wolkenkratzern der Stadt.
Deshalb sind wir aber nicht hier. Wir fahren wieder runter und treffen uns mit ein paar Freunden am Fuße der Petronas-Türme, um einen senkrechten Pfannkuchen von einem halben Meter Höhe zu essen.
In KL wollten wir uns auch den zweithöchsten Turm der Welt anschauen, der sich noch im Bau befindet und gegen Ende des Jahres fertig gestellt sein wird. Vor unserer Reise nach KL wollten wir herausfinden, wo wir hinmüssen, um diesen Turm zu sehen und ob wir überhaupt im richtigen Viertel sein werden. Völlig unnütz! Der Turm ist so groß, dass man ihn von überall in der Stadt sieht. Allein wenn man vom Flughafen (der sich übrigens 60 km außerhalb der Stadt befindet) mit dem Zug in die Stadt fährt, sieht man ihn schon von weitem, wie ein Speer in ein leeres Feld gestochen.
Man sieht ihn von überall her, außer von unserem Hotelzimmer, dessen Fenster sich auf der falschen Seite befinden. Wir gehen also bis hoch aufs Dach, weichen dem Pool aus und um das Restaurant herum. Und dort ist der Turm auch schon in seiner Riesigkeit. Ohne Licht nachts noch, da er noch nicht ganz fertig ist.
Zusammen mit Tatiana verlassen wir die Stadt etwas und schauen uns die Bantu-Höhlen an. Diese riesigen Grotten beherbergen mehrere Hindu-Tempel, oben auf einem Berg. Den Zutritt muss man sich aber verdienen. Bunt bemalte, aber steile Stufen führen bis dort hinauf. Aber kein Problem für uns Sonntagssportler. Was uns eher Probleme bereitet, sind die Horden an Affen, die nur auf einen schwächelnden Augenblick unsererseits warten, um uns unser Hab und Gut zu stehlen. Wir erdenken uns eine Strategie, bei der wir kritische Punkte genau dann durchqueren, wenn die Person vor uns gerade angemacht wird.
Wir kommen schließlich oben an, am Eingang der Grotten, wo es die Mönche irgendwie geschafft haben, die Affen draußen zu halten. In den Grotten finden wir nur noch Hunde und Hühner.
Die Grotten sind nicht nur wegen ihrer Größe beeindruckend, sondern auch, weil sie gleich mehrere bunte Tempel beinhalten. Wir finden dort auch eine Ecke mit Malereien einer anderen Welt, die nicht nur die Wände, sondern auch Decken und Böden bedecken.
Wir kommen an einem anderen Ort raus und finden uns in einer Art Vogelzoo wieder. Ein paar Meter weiter halten wir kurz inne, um einem Tanzspektakel wie in Bollywood-Filmen zu bestaunen.
Wir begeben uns zurück zur Treppe und machen uns auf den Weg nach unten. Die Grotten und Tempel mit den hübschen Stufen sind nicht nur eine Touristenattraktion. Uns laufen auch mehrere Pilger über den Weg, die etwas, ähm, unbekanntere, Riten zur Schau stellen. Eine Familie trägt ihr Neugeborenes zu den Tempeln hoch, um es den dort ansässigen Göttern zu zeigen. Das Baby befindet sich in einer Art Hängematte aus Bambus, von den beiden Eltern getragen und von Gesang begleitet.
Wieder unten angekommen treffen wir auf eine Frau, die auf dem Boden langrollt, in Richtung Stufen. Wir wissen nicht, wie sie dieselbigen hochgekommen ist.
In den Hindu-Tempeln wimmelt es von Menschen. Überall sind Leute, oft auf dem Boden in kleinen Gruppen sitzend, die erzählen, essen, sich segnen lassen. Diese Tempel sind mit vielen Statuen und noch mehr bunten Farben dekoriert. Sie sind auch eher laut, da die Menschen dort hingehen, um sich zu treffen, miteinander zu reden, zu singen.
Nachdem wir uns die Bantu-Höhlen komplett angeschaut haben, geht es zurück in die Stadt um dort die Nationale Moschee KLs zu besuchen. Es hätte kaum einen größeren Kontrast zwischen diesen zwei religiösen Stätten geben können. Wir warten, dass das Gebet vorbei ist, um reinzugehen. Die Moschee ist komplett weiß, riesig, und ruhig.
Malaysia ist ein multikulturelles Land mit mehreren ethnischen und religiösen Minderheiten. Neben den muslimischen Malais gibt es unter anderem Hindus mit indischen Wurzeln und Buddhisten mit chinesischen Wurzeln. Wir begeben uns also auf nach Chinatown, um die dortigen Tempel und die schönen Graffitis zu bestaunen und allen möglichen Unsinn auf dem Markt zu essen.
Weiter geht es zum Platz der Freiheit. Eine große Wiese mit Leuten, die Picknicks und Seifenblasen machen. Da heute Sonntag ist, ist auch der breite Boulevard vor dem antiken Parlamentsgebäude für Fahrzeuge gesperrt und Straßenverkäufer bieten Snacks an. Öffentliche Plätze, wo man einfach sein kann, fehlen fast komplett in Thailand.
Wir gehen in eins der flächenmäßig größten Gebäude der Welt: dem Berjaya Times Square. Neben einem Luxushotel, einem 19-stöckigen Einkaufszentrum und hunderten Ständen, an dem es allen möglichen Kram gibt, gibt es hier auch einen Vergnügungspark, inklusive Achterbahn. Ja, im Gebäude selbst.
Für unsere letzte Nacht in Kuala Lumpur wechseln wir das Hotel, um auch etwas den Luxus zu erleben, von dem wir am Anfang dieses Artikels gesprochen hatten. Im neuen Hotel könnte die Inneneinrichtung glatt Versailles entsprungen sein. Coole Sache. Wir bestellen uns was zu essen über die App „Grab“, welche so etwas wie die südostasiatische Version Ubers ist, aber mit mehr Funktionen. Uns fällt auf, dass es in unserem hübschen Luxushotel kein Besteck gibt und das Restaurant in der Lieferung auch keins hinzugefügt hat. Wir bewundern also die tolle Aussicht auf die Stadt von unserem schönen Hotelzimmer im 64. Stock, während wir ein warmes Gericht mit unseren Fingern essen. Coole Sache.
Unser Aufenthalt in Kay El ist auch schon vorbei, aber nicht unser Urlaub! Es geht direkt weiter mit einem Flug nach Krabi im Süden Thailands, wo wir uns mit Jörg, Philipp und Isabell treffen. Wir gehen etwas schnorcheln, mit Elefanten baden und schippern bei einer Inseltour im offenen Meer herum.
Wir klettern auch einen weiteren, mit Affen befallenen Berg hoch, dessen Stufen äußerst unregelmäßig sind, mit manchen fast so hoch wie Anna.
Nach einem Abstecher zum Smaragdteich geht es zurück nach Railay Beach, dem Ort, wo es keine motorisierten Fahrzeuge gibt und wo man nur mit dem Boot hinkommt. Das kleine Dorf hat sich stark verändert seitdem die Touristen zurückgekommen sind. Aber wenigstens haben ein paar mehr Läden geöffnet. Wir schauen uns für uns zum ersten Mal auch Muay Thai Kämpfe, also thailändisches Kickboxen, aus nächster Nähe an.
Wir stoßen auch wieder auf unsere Freunde, die Brillenaffen, die Warane und die unanständigen Affen, die Krabben fressen.
Wir sagen Marcels Familie bis bald und fliegen zurück in den Qualm in Chiang Mai. Wir bleiben die meiste Zeit über drinnen, wo uns unser Luftfilter saubere Luft beschert, und schauen dabei zu, wie die Welt draußen jeden Tag ein bisschen mehr hinter einem immer näherkommenden Vorhang verschwindet.
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