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Hallo und ein herzliches Willkommen an dich, liebe Leserin, lieber Leser,
du hast hier und jetzt das Glück, diesem seltenen Ereignis beizuwohnen und diese paar Wörter zu lesen, die direkt meinen Fingern entstammen, ohne dabei unbedingt den Umweg über mein Gehirn gefunden zu haben.
Wenn du nicht mehr weißt, wer wir eigentlich sind, mach dir keine Sorgen. Das passiert uns auch öfters.
Aber genug Gequatsche, hier unsere erfahrenen Erfahrungen der letzten JAHRE.
Fangen wir mit unserer Ankunft in Thailand an, im Mai 2021 (in den Geschichtsbüchern auch als Corona 2 aufgeführt).
Nach dem Flug in einem fast komplett leeren Flieger, in dem wir das hintere Abteil für uns alleine hatten und die Stewardessen uns vor Langeweile ständig Snacks und Getränke brachten, kommen wir in einem genauso leeren Flughafen an. Leer von Touristen, dort waren schon eine Menge Angestellte, die uns durch den Flughafen führen und unsere Papiere anschauen. Schließlich schaffen wir es endlich zu unserem mit viel Plastikfolie ausgestatteten Minibus, der die Schallmauer durchbricht, um uns zu unserem Hotel zu bringen, wo wir schließlich in getrennten Zimmern die nächsten zwei Wochen verbringen werden.
Wir sind jetzt also komplett angekommen in Bangkok, oder in Krungthep auf Thailändisch. Oder, wenn man den kompletten Namen nutzen will:
Krungthepmahanakhon Amonrattanakosin Mahintharayutthaya Mahadilokphop Noppharatratchathaniburirom Udomratchaniwetmahasathan Amonphimanawatansathit Sakkathattiyawitsanukamprasit.
Das ist kein Witz.
Noch etwas, was kein Witz ist: Wir sind in der Zukunft gelandet. Wir schreiben jetzt das Jahr 2564, nach dem thailändischen Kalender, der die Geburt Buddhas als Anfangsjahr festlegt.
Die zwei Wochen Quarantäne vergehen schneller als wir dachten. Wir haben uns gut beschäftigt, indem wir die Grundlagen der thailändischen Sprache lernten und Geschirr spülten. Und zwischendurch gab es kurze, romantische Rendez-Vous an der Tür, wo wir uns gegenseitig zuwinken. Aus der Tür raus dürften wir nur für Corona-Tests, von denen es drei gab während dieser zwei Wochen.
Am letzten Quaräntenetag geht es endlich aus dem Hotel raus. Und auf nach Bangkok, die Stadt anschauen, meint ihr? Fehlanzeige, wir haben unseren Flug nach Chiang Mai gleich am Morgen.
In Chiang Mai angekommen holt uns die Realität ein. Ein thailändischer Kollege unserer neuen Firma nimmt uns mit zur Einwanderungsbehörde, wir eröffnen ein Bankkonto und kaufen uns eine SIM-Karte. Das alles hat uns schon ganz schön fertig gemacht, also gehen wir erst einmal ins Hotel zurück und machen ein Nickerchen.
Ständig in einem Hotel zu leben ist auch nicht das Gelbe vom Ei, auch wenn wir das die letzten drei Jahren fast durchgängig gemacht haben, und wir begeben uns auf Wohnungsjagd. Wir schauen uns nicht weniger als zwanzig verschiedene Wohnungen in Chiang Mai an. Wir finden schließlich eine schöne Wohnung, die auch dank Corona uns nur halb so viel kostet wie normalerweise.
Um uns in der Firma willkommen zu heißen, bekommen wir eine Massage geschenkt. Das fängt mit einem leichten Kitzeln unter den Füßen beim Füßewaschen an, um einen einzulullen, bevor man in alle vier Himmelsrichtungen verdreht wird und Finger, Knöchel, Ellenbogen, Knie und Füße in jeden einzelnen Muskel gepresst werden. Das zieht und knackt überall. Tolle Sache, auch wenn Anna das nicht ganz so sieht.
Wir entdecken die Stadt hauptsächlich mit dem Rad. Am Anfang nutzen wir dafür die grellgrünen Fahrräder, die überall in der Stadt stehen und für die man sich einen Pass kaufen kann. Dann kaufen wir uns schließlich doch unsere eigenen Fahrräder und testen sie direkt mit einer Spazierfahrt zu einem Wasserpark in einer gefluteten Mine aus, mehr als 15 km von zu Hause entfernt. Auch schön, wenn man nicht den Weg zurück auch nochmal fahren müsste.
Gerade während der Regenzeit können hier Stromausfälle relativ häufig passieren. Was macht man dann auf Arbeit, wenn der Strom ausfällt? Dank eines Generators laufen die Computer weiter. Nur der Rest des Büros nicht. Man telefoniert also weiter, im Dunkeln und schwitzend, da die Klimaanlagen auch nicht funktioneren. Tolle Sache.
Nach dieser Erfahrung kaufen wir spontan einen Ventilator für zu Hause. Die Sache ist, dass wir wieder mit dem Rad unterwegs waren und der Karton nicht in den Korb passen wollte. Auf einmal stehen mindestens sechs Mitarbeiter des Ladens um uns herum und beraten sich, bevor sie schlichterhand mit etwas Seil einen Rucksack aus dem Karton basteln, den ich mir bis zu Hause einfach auf den Rücken schnalle und damit zwischen Rollern, Pick-up Trucks und Tuktuks durch die Straßen düse.
Nach ganzen drei Monaten am Telefon bekomme ich eine neue Aufgabe. Ich soll ab sofort Animationen kreieren. Noch besser, ich darf auch die Skripte hierfür schreiben und die armen Neulinge haben das Pech, mit der fertigen Animation auch noch etwas lernen zu müssen.
Zur gleichen Zeit will jemand in der Regierung den Premier Thailands zu einem Muay Thai Match herausfordern, um festzustellen, wer denn eigentlich regieren darf. Ein Match, das sicherlich in die Geschichte eingegangen wäre. Leider hat der Premier die Einladung gänzlich unkommentiert belassen.
Eines schönen Tages schauen wir aus dem Fenster und eine riesige Rauchwolke begrüßt uns. Die Disko bei uns gegenüber hat Feuer gefangen. Und was das qualmt. Nach etwa 20 Minuten kommen die Rettungskräfte in Form eines (in Zahlen: 1) Krankenwagens. Die Feuerwehr? Kommt etwa eine halbe Stunde später dann auch an. In der Zwischenzeit hat das Feuer einem Transformator in der Straße die Sicherungen gesprengt. Zum Glück hat unser Gebäude auch einen Generator. Er ist nur leider nicht stark genug, um den den Klimaanlagen und den Aufzügen Strom zu liefern. Wir wohnen im achten Stock. Wir brauchen nicht unbedingt raus, der Kühlschrank ist voll. Warm ist uns trotzdem.
Ein paar Stunden später ist das Feuer dann auch gebändigt und es verschwinden alle Beteiligten wieder. Die Ruine raucht noch jeden Tag ein bisschen für zwei Wochen, weshalb die Feuerwehr täglich vorbeikommt, um etwas Wasser draufzuträufeln.
Wir verbringen ein Wochenende in einem Hotel im Jungle das gleichzeitig auch ein Elefantencamp ist. Wir fahren mit einem Bambusfloß auf einem Fluss, lernen, wie man in frisch abgeholztem Bambus kocht und füttern Elefanten mit, ihr habt's erraten, Bambus. In unserem Bungalow angekommen treffen wir auf einen Frosch in der Klopapierbox. Nicht so schlimm. Wir inspizieren unser Zimmer und, beim Umdrehen eines Kissens, sagt uns eine riesige, behaarte Spinne Guten Tag, springt ein bisschen herum und verschwindet schließlich zwischen den Latten im Fußboden. Wir schlafen die Nacht nicht so gut, unter anderem wegen dem fetten Gecko, der offensichtlich auf der Wand unseres Bungalows lebt und um drei Uhr morgens mit schreien anfängt. Wenn ihr das noch nie gehört habt, stellt euch ein Kind vor, das vor eurer Tür anfängt mehrmals "Tukäää" zu quäken. Und das mitten in der Nacht.
Wegen Corona sind manche Sachen nicht erlaubt. Hierzu gehört der Ausschank von Alkohol in Restaurants. Um das zu umgehen, wird Bier und Wein jetzt in Cola- und Sprite-Flaschen serviert. Mit Strohhalm natürlich.
Das metero--, metrolog--, metreolo--. Das Wetteramt hat bekanntgemacht, dass Winter dieses Jahr offiziel am 2. November anfängt. Und uns ist schon ein bisschen kalt, mit nur 30 Grad im Schatten, gefühlt 37.
Jemand auf unserer Etage im Büro wurde positiv auf Corona getestet. Zu dem Zeitpunkt war das noch etwas sehr außergewöhnliches und die Positiven mussten oft in Feldlagern abwarten, bis sie wieder negativ waren. Was hat das Ganze nun mit uns zu tun? Alle möglichen Kontakte müssen zwei Wochen in Heimquarantäne. Dazu gehören auch wir. Ich stelle meine drei Bildschirme also auf den flachen Couchtisch und mache es mir bequem, den Hintern auf dem Fußboden. Zwei oder drei Wochen länger und ich hätte wahrscheinlich den Spagat geschafft.
Wir kommen rechtzeitig aus der Quarantäne, um den Festlichkeiten Loy Krathongs beizuwohnen. Hierzu gehört das Aussetzen eines Gestecks mit Kerze und Räucherstäbchen in einen Fluss, um die bösen Geister des vergangenen Jahres zu verabschieden. Und Feuerwerk. Viel Feuerwerk, überall. Jeder macht mit, in etwa so wie an Silvester in Deutschland. Nur, dass hier Sicherheitsrichtlinien zur Größe der Knaller und Raketen nicht unbedingt beachtet werden.
Wir nehmen spontan einen Bus nach Chiang Dao, im Norden Chiang Mais. Der Bus selbst stammt aus einem unbestimmten Jahrzehnt. Statt Klimaanlage hat er Ventilatoren an der mit Edelstahl ausgestatteten Decke angebracht, ein Bild, dass wir eher mit chinesischen Imbissen assozieren. Es ist trotzdem warm, weshalb der Fahrer sich dazu entschieden hat, mit offen Türen zu fahren.
In Chiang Dao angekommen, gehen wir zu Fuß in Richtung Hotel. Schöne Aussichten, bis es langsam dunkel wird und uns mehr und mehr Hunde über den Weg laufen. Wir machen Rast in einem Café und fragen, ob sie nicht eine Taxinummer kennen. Die Inhaber kennen keine, schlagen uns aber vor, uns auf dem Roller mitzunehmen. Einer nach dem Anderen, da kein Platz für drei ist. Dankeschön, netter Herr vom Café.
Am Hotel angekommen, macht uns die Chefin ein Festessen mit viel Fleisch und Gemüse, das in einen Topf mit einer Art Suppe getunkt wird. Das nennt sich Shabu-Shabu und schmeckt sehr gut.
Am nächsten morgen stehen wir früh auf, um in eine Höhle in der Nähe des Hotels zu gehen. In der Höhle gibt es einen Tempel, aber die Führerin, mit einer Kerosin-Lampe ausgestattet, führt uns durch Orte ohne Licht und wir klettern durch Löcher, die kaum größer als wir selbst sind. In dieser ewigen Dunkelheit stoßen wir auf Fledermauskolonien und riesige Springspinnen. Unsere Führerin versichert uns, dass sich die Schlangen zu dieser Jahreszeit nicht in Höhlen zurückziehen. Wir sind froh, wieder in den beleuchteten Teil der Höhle zurückzufinden.
Zurück im Hotel schlägt uns die Chefin vor, dass wir bei einer Thailänderin aus Bangkok mitfahren. Sie hatte eine Tour gebucht und wir halten kurz auf einer biologischen Blumenfarm, bevor wir zu einem Haus umgeben von Hühnern fahren, um dort Pad Thai zu essen. Pad Thai ist ein Gericht auf Basis von Reisteig. Das erstaunliche hierbei ist, dass wir uns mitten im Nirgendwo eines kleinen Städchens, neben Bauernhöfen befinden, und uns Gerichte serviert werden, deren Aufmachung dem Essen eines Fünf-Sterne-Restaurants ebenbürtig ist. Und das Ganze für nur wenige Baht, wir sind schließlich irgendwo in der Einöde.
Der nächste halt ist eine heiße Quelle. Uns war zwar nicht wirklich kalt, aber warum nicht. Ah und das stinkt ganz schön, dank des Schwefels.
Wir halten kurz, um unser Leben mitten auf einer unbefahrenen Straße zu riskieren, um Fotos von riesigen Bäumen zu machen, die die Straße einrahmen. Wir sind nicht die einzigen Touristen, die das machen.
Der letzte Halt ist ein Aussichtspunkt mitten in den Bergen in einem kleinen Dorf im Wald. In einem Nationalpark. Die Dame aus Bangkok ist schockiert, als wir den 10-fachen Eintrittspreis in den Park zahlen müssen, weil wir keine Thailänder sind. Jep.
Ich muss euch mal was beichten. Ich habe Höhenangst. In bestimmten Situationen kann ich mich nicht an zu steilen Abhängen annähern, ohne, dass meine Hände feucht werden. Was besseres kann man sich dann als Weihnachtsgeschenk an uns selbst gönnen, als eine kleine Spritzfahrt - oder -flug - im Heißluftballon? Cool war es schon. Noch cooler ist es sogar, dem Boden näher zu sein.
Ein Kollege leiht uns seinen Roller aus, und wir lernen wie die Thailänder fahren. Auf einem Parkplatz und dann direkt in den Verkehr. Was ist denn mit Fahrschule, meint ihr? Wir haben dort zwar nachgefragt und sie helfen auch dabei, einen Führerschein zu bekommen. Nur nicht dabei, fahren zu lernen. Man braucht die "Fahrschule" aber nicht unbedingt, um den Führerschein zu bekommen. Es reicht, sich beim Verkehrsamt zu melden und die Prüfung durchzuführen. Der einzige Haken an der Geschichte: Man muss mit seinem eigenen Roller vorstellig werden, um die Prüfung abzulegen. Eine Situation, die im rechtlichen Fachjargon auch "den Hintern zwischen zwei Stühlen haben" genannt wird.
Für Silvester gehen wir uns das Stadtfeuerwerk anschauen. Barrieren mit Sicherheitsabstand zur Abschussstelle der professionellen Kanonen? Wozu? Wir waren jedenfalls noch nie so nah an einem so großen Feuerwerk. Coole Sache.
Und damit ist dieser Rückblick auf unsere ersten Monate in Thailand auch schon abgeschlossen. Ich kann mit Sicherheit sagen, darüber nachdenken zu können, dass es möglich sein könnte, ins Auge zufassen, euch zu versprechen, dass der nächste Artikel etwas schneller rauskommt.
In diesem Sinne, frohe Weihnachten, frohes Neues, alles Gute zum Geburtstag, mit etwas Verspätung (mal zwei).
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