"Na, sehen Sie das denn nicht? Sie befinden sich vor der Himmelspforte," sagt der Mann in weißer Kutte und gratzt seinen Heiligenschein.
"Da muss ein Fehler vorliegen, ich glaub' da nicht wirklich dran!" sagt der Mann mit dem blutenden Loch im Kopf.
Der Mann in weiß dreht seinen Flachbildschirm herum. "Das ist doch hier Ihr Name, oder?" sagt er und klopft mit seinem Kugelschreiber auf den Bildschirm. Anschließend legt er seinen Daumen an und versucht den versehentlichen blauen Flecken wieder wegzuwischen.
Der andere Mann lehnt sich nach vorne und kneift die Augen zusammen. "Tut mir leid," sagt er, "aber ohne meine Brille erkenne ich einfach nichts."
Der Pfortenmann zieht einen Mundwinkel nach oben. Nach ein paar Sekunden Stille sagt er dann "Nun, das können nur Sie sein. Kommen Sie, ich mache Ihnen die Pforte auf. Ihnen wird es bei uns gefallen. Wir haben Wein und Käse so viel das Herz begehrt und alle schönsten Frauen der Welt."
"Haben sie Pizza?"
"Wie?"
"Pizza. Ich hab' Lust auf 'ne fette Pizza mit Salami und Ananas."
Der Mann in weiß bleibt kurz unbeweglich vor dem Schloss, Schlüssel in der Hand, und sagt "Äh ja, alles was Sie wollen haben wir hier." Er steckt den Schlüssel ins Schloss und dreht.
Die schweren Türflügel schwingen mit einem lauten Quietschen auf.
"Da fehlt ein Tropfen Öl."
Der Mann mit dem Heiligenschein bittet mit einer ungeduldigen Geste den anderen Mann einzutreten.
Der kürzlich Verstorbene bleibt auf der Türschwelle stehen und streckt seinen Hals um besser reinschauen zu können.
"Und wie ist es unten?"
"Wie jetzt, 'unten'?"
"Na, unten. Sie wissen schon, in der Hölle."
Sankt Petrus reißt seinen Schein vom Kopf und schmeißt ihn in de Wolken.
Der Mann mit dem Einschussloch sagt "Was denn los Peter, gibst du so schnell auf?"
Sankt Petrus schnauft. "Ich hab' genug von deinen Spielchen, Diabolo. Was willst du?"
"Kannst du uns etwas Zucker leihen? Der Mann der die "Einfach zu öffnen"-Öffnung erfunden hat kommt bald zu uns und wir wollen ihm einen Willkommenskuchen backen."
"Lass mich raten," sagt Sankt Petrus, "die Verpackung vom Kuchen ist unmöglich zu öffnen?"
"Na wo denkst du hin, wir sind doch keine Unmenschen. Wir sind grosse Bewunderer, das ist alles."
Nach der Zwangsentschlackung am Busbahnhof in Tongyeong rufen wir unseren neuen Chef Johnny an, der uns direkt ins Hotel bringt.
Dort war seit einer Woche kein einziger Gast. Johnny erklärt uns, dass das am Corona liegt, aber wir sind uns sicher, dass dies nicht der einzige Grund ist. Das Gebäude ist der ideale Ort zum Drehen eines Horrorfilms. Und genau das haben wir auch gemacht, das Zurechtschneiden beginnt demnächst.
Das Thema des Hotels sind Parties. Bei jeder Feier mit den Gästen machen wir also auch mit und verkosten unter anderem verschieden Sorten Makkeollis.
An einem Morgen danach, Johnny genauso wie wir, bereuen wir den Vorabend. Nichtsdestotrotz nimmt er uns mit auf seine kleine Farm wo wir für eine volle Stunde versuchen zu arbeiten, während unsere Backenzähne baden gehen. Um uns davon zu erholen, lädt uns Johnny in ein kleines Restaurant ein wo es leckere Köstlichkeiten gibt. Zu unserer Verzweiflung haben wir aber einen Knoten in unseren respektiven Mägen und schaffen die Aalsuppe nur mit viel Schweißverlust.
Die Stadt Tongyeong, einst sehr touristenreich, ist für kkulbbang (nein, meine Finger stottern nicht), auch Honigbrot genannt, bekannt. Der Name ist eher irreführend, da sich der Honig nur auf der Oberfläche dieses Küchleins befindet. Gefüllt sind sie mit einer Bohnenpaste.
Eines schönen Tages gehen wir endlich in der Umgebung spazieren. Zu meiner großen Freude gibt es dort einen Statuenpark und, noch besser, eine Treppe mit Hintern.
In den Nachrichten und den Alarmtelegrammen auf unseren Handys können wir lesen, dass ein Typ in sechs verschiedene Diskos an einem Abend gegangen ist, bevor er positiv getestet wurde.
Da hier jeder getestet wird, der in Kontakt mit einem Erkrankten kam, wurden auch alle Diskobesucher dieses jenen Abends getestet. Was etwa 7000 Menschen sind. Daraus können wir, summa summarum, schließen, dass die Koreaner eine eher geringe Inektionsquote haben, weil sie so viel Kimchi essen, richtig?
Wir fahren mit dem Bus nach Busan, zweitgrößte Stadt Koreas (und ja, dort gibt es viele Busse). Wir essen in einem kleinen, billigen Restaurant bevor wir uns in einer Spielhalle austoben. Dort erfahre ich, dass Anna das Talent eines Auftragskillers hat und mich beim Zielschiessen komplett abzieht.
Mir wurscht, dafür tanze ich besser bei Dance Dance Revolution!
Wir spazieren durch den Wald, kraxeln einen steilen und wilden Berg hoch. Oben angekommen, unsere jeweiligen Zungen am Boden, unsere Klamotten dreckig und zerrissen, unser Sherpa aufgegessen, stehen wir vor einem Duty Free Shop.
Wir klettern weiter nach oben um im hügeligen Dorf Gamcheon anzukommen. Dieses Dorf ist für seine Wandkunst bekannt. Und für den kleinen Prinzen, der mit seinem Fuchs eine der Buchten Busans begutachtet.
Auf dem Weg nach unten kommen wir am Viertel der gebrauchten Bücher vorbei. Einfach unbeschreiblich. Noch nie habe ich so viele Erotikmangas auf einem Haufen gesehen.
Laut Anna gab es dort aber auch noch andere Arten von Büchern.
Nach drei Tagen in Busan verlassen wir unser Hotel, ohne dort auch nur eine Menschenseele gesehen zu haben. Nicht mal einen Angestellten haben wir zu Gesicht bekommen. Fast schon so beängstigend wie unsere Spukherberge in Tongyeong, aber in sauberer.
Nach einer kleinen Party sind wir gerade auf dem Weg nach oben in unser Zimmer, als unser Chef uns anruft und fragt, ob wir nicht ein echtes Stück koreanischer Kultur kennenlernen wollen.
Während wir die Treppe runtergehen, sehen wir uns schon in traditionellen Trachten gekleidet vor dem Hafen tanzen und zu Musik mitsingen, von der wir weder den Text noch deren Sinn kennen.
Nichts von alledem ist jedoch passiert, werte Leser. Stattdessen halten wir vor einem kleinen Stand der Fischküchlein auf einem Spieß, Sandwiches und Suppe verkauft, die mit dem Kater am nächsten Morgen helfen sollen.
Wir laufen durch die "erste Untersee-Konstruktion Asiens" ('n Tunnel, ne) um auf die Insel gegenüber zu kommen. Von hier haben wir eine bessere Aussicht auf eine der Buchten. Wenn wir es nicht besser wüssten, würden wir uns gar nicht in Korea wähnen. Es gibt hier in Tongyeong mehr als 650 Inseln in allen Größen.
Da uns das Lust auf mehr gemach hat, nehmen wir eine Fähre mit Autoabteil und Barfußabteil, wo die Leute auf dem Fußboden sitzen oder liegen. Die erste Insel, die wir mit der Fähre besuchen, nennt sich Yokjido. Wir entzückt und verbrannt.
Am nächsten Tag nehmen wir den Bus nach Dara Park, der beste Ort in Tongyeong, um den Sonnenuntergang zu begutachten und sich mit einem Teleobjektiv blind zu machen.
Da Anna keine Lust hat, auch noch auf den Bus zu warten, hält sie den Daumen raus. Das Auto bremst scharf und zwei junge Menschen nehmen uns mit, die auf dem Heimweg nach Daegu sind.
Um euch nicht in wunderschönen Fotos zu ertränken und damit Anna beim Fotosortieren nicht völlig ausflippt, machen wir mit den anderen Inseln das nächste Mal weiter.
Küsschen und cremt euch ein, die Maske deckt nicht alles ab.
Jetzt geht es auch direkt und ohne Umschweife weiter mit unserem Echterfunden.
Hier noch einmal die Regeln zur Erinnerung: Unter den drei folgenden Vorschlägen muss man die echten von den erfundenen trennen.
Die Lösung findet ihr ganz unten nach den Bildern. Viel Spaß damit.
*Wer schummelt, muss eine Pizza mit Ananas essen. Mit der Schale, versteht sich.
1: Die elektrischen Steckdosen sind hier die gleichen kleinen Schweinsnasen wie im nicht-schweizerischen Europa.
2: Man sagt hier nicht "Gesundheit" wenn jemand niest, sondern "Annyeonghi Samang haseyo", oder "Stirb friedlich".
3: Man erkennt Paare hier im allgemeinen leicht, da sie genau die gleichen Sachen tragen. Zumindest oberflächlich, wir haben uns noch nicht getraut, die jungen Männer zu fragen, ob sie den gleichen BH anhaben wie ihre Freundin.
Und nebenbei, auch wenn die Steckdosen die gleichen sind, nutzen sie 60 Hz statt der bei uns in Europa üblichen 50 Hz. Wenn euer Ladegerät nicht darauf ausgelegt ist, brennt es euch durch.














































































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