"Schon wieder ein neuer Artikel?! Oh man so ein Stress, ich hab noch nicht mal den letzten gelesen!" - ein treuer Leser.
Meine Damen, Herren, Frolleins und Herrleins (ich hoffe ich habe niemanden vergessen), guten Abend.
Wieder ist eine Woche vergangen, ohne dass wir von einem Moped (die offensichtlich eine andere StVO bzw. GwVO (Gehwegverkehrsordnung) haben) überrollt wurden. Noch wurden wir von einem gewissen Virus infiziert, wenn euch das beruhigen kann.
Unsere Premiumabonnenten haben aber bereits sehen können, dass wir diese Woche schon tief in der Kacke steckten.
Wir machen einen kleinen Spaziergang zum Viertel namens Myeongdong, um unsere letzten Euros einzutauschen. Anscheinend ist der Wechselkurs dort am Besten, hat man uns gesagt.
Dort angekommen, inmitten einer Fußgängerzone (und dementsprechend draußen), finde ich eine Raucherkabine. Ein Raucherraum komplett mit Lüftung (die den Rauch, naja, in die Straße pustet), aber ohne Gebäude drumherum.
Wir gehen in ein "Lotte"-Einkaufszentrum. Lotte ist der größte Konzern des Landes. Sie machen alles, angefangen bei Windeln, über Modeläden, Kinos und Geldautomaten bis hin zum Lotte World, eine Art koreanisches Disneyland.
Jedenfalls sehen wir dort ein paar Menschen am Rad drehen (also wörtlich) vor einem Laden, der Produkte verkauft, die helfen, seinen Körpergeruch (und die seit Tagen "vergessene" Dusche) zu übertünchen. Nach ein paar Kommunikationsschwierigkeiten und nachdem uns die gesamte Belegschaft den Kanon (ein Lied, das versetzt und überlagert gesungen wird, Anm. d. R.) eines kompletten Satzes auf Englisch gesungen hat, geht es endlich zum Hauptakt: am Rad drehen. Dank der Mithilfe des netten Mitarbeiters bekommen wird dann auch unser Muster des Parfüms, das wir wollten.
Zurück in der Herberge erfahren wir, dass das selbe Einkaufszentrum noch heute Abend geschlossen und von Kopf bis Fuß desinfiziert wird. Wir waren das nicht, wir schwören! Das einzige Fieber, das wir haben, ist das von Samstag Nacht (Saturday Night Fever, Anm. d. Kulturbeauftragten).
Jeden Tag gegen fünf Uhr morgens fegt jemand den Gehweg mit einem Besen mit Holzbürsten. Etwas später kommen dann die Müllmänner und nehmen die Säcke und Kartons mit, die auf der Straße abgestellt wurden. Woher wir das wissen? Weil wir schon wach sind, uns langweilig ist und wir aus dem Fenster schauen, genauso wie die Omas in Portugal.
Wir gehen in einen großen Laden von KT, einer koreanischen Telekom. Wir wollten eigentlich nur eine SIM-Karte, aber wir finden uns auf einmal in einer Abteilung des Ladens wieder, wo Waschmaschinen in Fernseher umgewandelt wurden und wo Herr Fau Lenzer, nun, faulenzt.
Uns wird das weltweit erste 5G vorgestellt und wir dürfen sogar ein Handy mit Faltbildschirm betatschen, bevor es auf den Markt kommt.
Wir werden gebeten, ein paar Graffitis auf deren Kleidung zu machen und bekommen als Dankeschön Ramyeon, koreanische Fertignudeln, geschenkt.
Einkaufen dauert hier seine Zeit. Jedenfalls wenn ihr so einfach abzulenken seid wie oh welch wunderhübscher Schmetterling.
Nur eine Stunde später verlassen wir den Laden wieder, Ramyeon und personalisierte Handynummer (einfacher zu merken) im Gepäck.

Wir gehen in einen Bücherladen, wo wir nach koreanischen Comics, Manhwas, Ausschau halten. Wir finden allerdings nur Mangas aus dem japanischen Original übersetzt vor.
Ich nehme schließlich das neue Album von Detektiv Hintern mit, nur um später auf Google festzustellen, dass auch er aus Japan kommt.
Uns wird später erzählt, dass der Großteil der koreanischen Manhwas inzwischen nur noch online publiziert wird.
Wo wir geraden von Hintern sprechen, wir sind ins PooPooLand gegangen. Das ist ein bisschen wie Disneyland, nur kleiner. Und die Hauptfigur ist keine riesige Ratte, sondern ein Haufen, der eine Windel trägt und die Frisur vom aktuellen Präsidenten der USA geklaut hat.
Im Innern des Parks sind die Leute für nur eine einzige Aufgabe angestellt: Die Handys der Gäste nehmen und mit jenen Photos von diesen machen. Den ganzen Tag lang, mit der lustigen Hintergrundmusik in der Endlosschleife. Diese Angestellten haben keine Angst vor dem Tod. Sie leben bereits in der Hölle.
Ich nehme an, dass dieser Park im Kreise einer Sitzung (giggledi) in einer der großen Bürotürme der Stadt entstanden ist.
Teamleiter (TL): So, Jungs, ich sag's euch ohne Umschweife. Ich hab den Direktor im Nacken sitzen. Wenn wir ihm keine Zahlen liefern, schmeißt er uns allesamt raus. Also, haut raus was ihr könnt.
Stille im Raum für eine volle Minute.
Mann mit weißem Hemd und schwarzem Schlips: Was halten Sie von einem Onlineladen, wo man alles kaufen kann und dass dann per Drone geliefert wird?
TL: Das würde nie funktionieren, Jens-Wilhelm. Und dann auch noch im Internet, pah!
Anderer Mann mit weißem Hemd und schwarzem Schlips: Wie wäre es mit einem Restaurant, in dem die Kunden zahlen, um dumm angemacht zu werden?
TL: Waren Sie noch nie in Paris essen, Gustav-Bernard?!
Erneute Schweigeminute.
Noch ein anderer Mann mit weißem Hemd und schwarzem Schlips, steht plötzlich auf und sticht seinen Einwegkugelschreiber gen mit Schalldampfplatten ausgestatteten Himmel: Und was, wenn wir einfach nur Scheisse machen?
TL massiert sich den harten Punkt zwischen seinen Augen.
Der stehende Mann, an Überzeugung verlierend: Ich, ähm, ich mein, ähm, wörtlich, nicht wie die Leute im Morgenfernsehen.
TL inspiziert seine Schneidezähne mit seiner Zunge, ohne dabei den Mund zu öffnen.
Der stehende Mann setzt sich, dicke Schweißperlen rollen seinen Schläfen hinunter.
TL haut auf den Tisch mit unmenschlicher Kraft: Kevin-Karl-Detlef! Sie sind ein Genie! Machen Sie mir eine PO-Wer-Point und wir sind gerettet! An die Arbeit, ich muss ins Krankenhaus mir einen Gips verpassen lassen.
Wir verlassen den KaKa-Park (dies ist keine chemische Formel!) und machen direkt sportlich weiter beim Running Man. Auf einer Art Hindernisparkour muss man Punkte sammeln, indem man seilspringt, sich die Nase im Spiegellabyrinth platt drückt oder so laut wie möglich in einer Telefonzelle brüllt. Wir gehen verschwitzt raus und schenken unsere Punkte den koreanischen Kindern.
Wir schicken eine Anfrage an ein HelpX raus. Das ist nicht was ihr denkt, sondern-- Oh, Konzentration!
Kurz und knapp sind das Hostels, Restaurants u.ä. die für ein paar Stunden die Woche Hilfe suchen und im Gegenzug Unterkunft und Verpflegung stellen. Während wir mit einem Hostel in Gangneung an der Ostküste verhandeln, schickt uns eine Farm mitten in der Pampa eine Einladung. Warum nicht, aber später dann.
"Und warum sucht ihr euch keine richtige Arbeit, ihr unreinlichen Hippies?!" Gute Frage und elegante Beleidigung, die ich mir für einen künftigen Gebrauch merken werde.
Wir haben uns dazu entschieden, Urlaub von unserem Urlaub während unseres Urlaubs zu machen und fliegen im März kurz für zwei kurze Wochen nach Japan rüber. Da es bis dahin noch ein bisschen hin ist und wir nicht eine Unterkunft in der teuren Hauptstadt zahlen wollten, geht es halt kurz ans andere Ende des Landes.
Wie ihr seht, sind die nächsten zwei Monate für uns schon komplett durchgeplant. Wir sind genauso erstaunt wie ihr.
In der Stadt gehen wir hinten bei einer Statue vom König Sejong rein, inmitten einer der befahrensten Straßen Seouls. Zwei Etagen tiefer eröffnet sich uns ein riesiger Raum, ein ehemaliges Parkhaus, das in ein kostenloses Museum umfunktioniert wurde. Noch besser, wir sind dort allein mit den Angestellten.
Die Koreaner nutzten im Mittelalter die chinesischen Symbole. Das Problem hiermit ist zum Einen, dass es viel zu viele davon gibt (mehr als 50.000, wenn man wirklich alle mitzählen will), zum Anderen sind sie für die chinesischen Sprachen zugeschnitten, die ganz anders funktionieren als das Koreanische.
Der König Sejong hat also, anhand der chinesischen Symbole, eine Schriftsprache entwickelt, die alle koreanischen Laute repräsentiert.
Damit hat er nicht nur eine Schrift erfunden, die jeder einfach erlernen kann (also auch das normale Volk), sondern aus Versehen auch die einfachste Schriftsprache der Welt entwickelt. Noch mehr Allgemeinwissen: Wenn man auf die andere Seite vom Teich schaut, dann sind dort die Japaner, die ebenfalls die chinesischen Zeichen nutzen. Die Japaner entschieden sich aber dazu, die komplizierteste Schriftsprache zu entwickeln. Ende des Allgemeinwissens im Allgemeinwissen.
Ende des Allgemeinwissens.
Wir machen kurz Kalligraphie, indem wir unsere Namen in Hangeul (der koreanischen Schrift) mit einem Pinsel und Tinte auf ein Stück Papier schmieren. Und wir sind stolz auf das Ergebnis, wie ihr sehen könnt.
Es wird noch verspielter, als wir mit Kanone und Muskete auf angreifenden Schiffe schießen, um dann den Flüchtigen hinterher zu paddeln.

Wir gehen auf den Elektronikmarkt unweit von unserem neuen Hostel (ja, wir sind umgezogen, zur großen Traurigkeit Annas). Hier sind mehrere Straßen und ein 7-stöckiges Einkaufszentrum dem Thema Elektronik gewidmet. Google sagt uns, dass es hier mehr als 5000 spezialisierte Läden gibt, was wir gerne glauben wollen.
Wir schauen uns nur kurz um und wollen später wiederkommen. Jetzt muss erst einmal eingekauft werden.
Wir gehen in einen Laden namens Emart, den man etwa mit den Hypermärkten (die Steigerung von Supermarkt) in Frankreich vergleichen kann. Nur dass hier aus Platzgründen über mehrere Etagen gebaut wird. Wir folgen blind den Leuten vor uns auf der Rolltreppe bis zu ihrem Auto im Parkhaus. Der Laden hat offensichtlich zu.
Es ist jetzt sicher, nächste Woche geht es nach Gangneung an der Ostküste des Landes. Gangneung ist ein unbedeutendes Dorf von 200'000 Einwohnern, wo die olympischen Winterspiele vor zwei Jahren stattfanden.
Während wir uns erstmal noch in Seoul die Beine vertreten, finden wir uns Aug in Aug mit einem neuen Rätsel. Hier und da sehen wir Frauen auf einer Auto Elektroscooter einen Gefrierschrank (oder so) im Zickzack zwischen Fußgängern und Mopeds auf den Gehwegen umherfahren.
Wir haben noch nicht herausgefunden, was genau sie denn verkaufen, aber wir und Detektiv Hintern bleiben der Sache auf der Spur.
Auf der koreanischen App Naver Map, eine Art Google Maps aber in der Einzahl, sehen wir einen großen Wald gleich nebenan. Seltsam, dort gibt es keinen Wanderweg und ein Name ist auch nicht eingezeichnet. Im Vorbeigehen fällt uns auf, dass es dort gar keinen Wald gibt, sondern Gebäude hinter stacheldrahtgekrönten Mauern.
Ein Schild auf Englisch klärt uns schließlich auf, dass es sich hier um eine amerikanische Militärbasis handelt.
Die man auf Google Maps, die sich um Militärgeheimnisse anscheinend wenig scheren, auch sehen kann.
Wir wandern einen Berg in einem echten Wald in der Stadtmitte hoch. Nach 5'421'389 Stufen (gefühlte Temperatur) kommen wir endlich oben an den alten Mauern eines alten Königreiches an. Uns geht die Pumpe, und das nicht nur wegen der tollen Aussicht. Während wir langsam unsere Kräfte wieder auftanken, laufen ein paar Zweihundertjährige lächelnd an uns vorbei.
Wir lassen den Wald hinter uns für die Lichtung um dem Turm herum.
Plötzlich, ein Supermarkt. Und eine Videospielhalle, unter anderem. Wir nutzen den Momemt, um wild auf einer Maschine zu tanzen und bei Mario Kart zu verlieren.
Runter geht es schneller. Ein Geschwindigkeitsmesser zeigt uns, dass wir sogar 11 km/h laufen. Unten angekommen, stellen wir uns an. In der Schlange gestanden wird hier überall. In der Metro, vorm Bus, vor den Aufzügen. Und, wie in diesem Falle, eben auch an roten Ampeln, wenn die Straße nicht gerade frei ist.
Und auf einmal ist Frühling. Vor ein paar Tagen waren es noch minus dreizehn. Heute zeigt uns das Quecksilber zwölf. Plus zwölf.
Wir nutzen das schöne Wetter und gehen in ein Dumplingrestaurant essen. Da wir auf dem Tisch keine Stäbchen sehen, fragen wir die Dame, die uns freundlich eine kleine Schublade, die am Tisch festgemacht ist, zeigt. Wir finden dort Essstäbchen, Löffel, Servietten, den heiligen Gral und eine Zwergenkolonie, die gerade die Weltherrschaft ausheckt.
Meine hausgemacht Dumplingsuppe schmeckt sehr gut, aber umso mehr ich mich dem Boden der Schüssel nähere, umso mehr habe ich Lust zu weinen. Als ich mit der Suppe fertig bin, bin ich auch fast mit der großen Wasserkanne fertig.
Sind das Massagesalons? Schlafstätten für müde Bürotiger? Oder abermals amerikanische Militärbasen?
Nope. Es scheint hier ein arges Problem mit kaputten Schuhen und verlorenen Schlüsseln zu herrschen, denn in den kleinen Häuschen leben, also arbeiten Schuh- und Schlüsselmacher.
Im Viertel mit dem Namen Itaewon (I-täh-wonn) werden wir Zeuge eines seltenen Geschehnisses: Wir sehen andere Ausländer. Die uns ebenfalls im Vorbeigehen erstaunt anschauen.
Wir suchen weitere Abenteuer und finden uns in der Metro wieder. Die Metrowagons sind nicht nur super breit, sondern jede Metro ist so lang wie ein handelsüblicher ICE. Nur ganz so schnell fahren sie leider nicht.
Da wir nicht den ganzen Tag laufen wollten, um ins Viertel Gangnam zu kommen, mussten wir eben die Metro nehmen. In Gangnam schauen wir uns eins der größten Einkaufszentren Asiens an. Aber es ist nicht seine Größe, die zählt, sondern sein Inhalt. Uns empfängt eine Bibliothek mit großen Regalen, die zum Bücheraussuchen alles andere als praktisch sind.
Dieses Einkaufszentrum ist so groß, dass dort Platz ist für besagte Bibliothek, ein großes Kino, ein Aquarium, ein Raucherraum als Metrowagon verkleidet und, ihr habt's erraten, ein anderes Einkaufszentrum. Und man kann hier auch seinen Flug einchecken und sein Gepäck aufgeben, wenn man Lust dazu hat. Das ist uns alles so befremdlich, dass wir erst einmal Käsesticks im KFC essen gehen.
Im gleichen Viertel fährt ein Typ im Moped Schuhe spazieren und liefert sie den Big Bossen in den Bürotürmen. Gangnam Style!
Jetzt geht es auch direkt und ohne Umschweife weiter mit unserem Echterfunden.
Hier noch einmal die Regeln zur Erinnerung: Unter den drei folgenden Vorschlägen muss man die echten von den erfundenen trennen.
Die Lösung findet ihr ganz unten nach den Bildern. Viel Spaß damit.
Wer schummelt, muss eine Donald-Trump-Puppe häkeln, Anm. d. R.
1: In Südkorea muss man 19 Jahre alt sein, um sich besaufen, rauchen, wählen und in Geschäfte für Erwachsene gehen zu können (in der Reihenfolge).
2: Alle Koreaner haben einen englischen Namen, der nichts mit ihrem koreanischen Namen zu tun hat. Dieser existiert nur, um Ausländern die Aussprache zu erleichtern. In der anderen Richtung muss sich jeder Ausländer, der in Korea sesshaft wird, einen koreanischen Vor- und Nachnamen aussuchen.
3: Wenn man Unbekannte begrüßt, werden hier keine Hände geschüttelt. Die Person mit dem höheren Status oder Alter tätschelt die Wange des Anderen leicht drei Mal, um sich zu begrüßen.
Und die Lösung zum Echterfunden: Ganz genau, die Numéro drei ist frei erfunden, natürlich.
Im Allgemeinen verbeugt man sich nur kurz voreinander. Zwischen Männern wird meistens noch zusätzlich die Hand geschüttelt, wobei die nicht schüttelnde Hand die Schüttelnde unterstützt.
Danke fürs Mitmachen. Ihr könnt euch euren Preis im nächsten Laden aussuchen. Vergesst euer Portemonnaie nicht.




























































































































































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