Nur wenige Tage nach unserem letzten Artikel sind wir gerade auf der Heimfahrt von der Arbeit und entdecken ein weiteres Auto im Graben. Sind die Vietnamnesinnen zurück? Wir treffen auf einen Typen, dem es gut ging, wenn man mal davon absieht, dass er sich in Shorts gerade den Hintern abfriert. Seinem Auto ging es weniger gut, er hatte den einzigen Ort zum Landen ausgesucht, wo das weiche Gras durch ein Betonrohr ausgetauscht wurde.
Wir vermachen halbkaputten Krimskrams und durchlöcherte Kleidung an unsere neuen Kollegen, dafür sind die ja schließlich da.
Trotz dieser offiziellen Aussortierungsmaßnahme geht es dann doch vollbepackt los. Und zu Fuß, da Maryvonne ja an Treibstoffverwechsler abgegeben wurde.
In Christchurch angekommen holt uns mein ehemaliger Kollege von der hühnchenzerkleinernden Foltermesse ab, bringt uns in unser Hostel, lässt uns noch einen Karton gefüllt mit zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken da und sagt uns bis später.
Wir sehen Emily wieder, ehemalige Mitkämpferin beim Skip-Bo. Das ist kein Zufall, das war so geplant. So klein ist die Welt nun auch wieder nicht.
Sie ist tatsächlich noch viel kleiner. Die Dame an der Rezeption sagt mir vage etwas (also, im übertragenen Sinne, ne) und nach einigen Suchen stellen wir beide fest, dass wir uns zum letzten Mal in Lorient gesehen haben, vor zehn Jahren. Ja, meine kleine Anna, du läufst mit einem Star durch die Straßen, der überall in der Welt wiedererkannt wird.
Wir essen im südländischen (nordländischen?) Restaurant, wofür uns unsere letzten Chefs einen Coupon als Dank für unser Verschwinden geschenkt haben.
Wir fahren ein letztes Mal mit der Seilrutsche auf dem von Erwachsenen besatzten Spielplatz, spielen Space Invaders in Lebensgröße und stoßen auf einen Parkautomaten der in einen Touristenführer Schrägstrich Charlie (ohne seine drei Engel) umgewandelt wurde und uns eine Mission in der Stadt gibt.
Wir haben Frühling gegen Winter ausgetauscht...
Wir sagen Christchurch Adieu und Emily auf Wiedersehen und landen in Auckland. Hier ist das Klima völlig anders. Wir haben den Eindruck, wieder auf Fiji (Diji ?) und nicht in Enn-Zett zu sein. Hier wachsen sogar Bananen.
In der schlechtesten Herberge, die wir bis dato in Neuseeland zu Gesicht bekommen hatten, spielen wir mit einem deutschen Paar Karten. Sie sind für drei Wochen da und haben doppelt so schweres Gepäck mit wie wir.
Und auf geht's nach Hong Kong. Die elf Stunden Flug sind in Ordnung, da der Flieger nur halb voll ist und wir jeder eine Sitzbank für uns haben.
In HK ist es schwül und warm. Wir lassen unsere großen Säcke am Flughafen, um noch mehr Laufen zu können. Unseren Füßen geht es gut.
An der Adresse, die auf unserer Buchungsbestätigung steht, angekommen, finden wir ein Einkaufszentrum, das über drei Etagen hinweg etwa 100 kleine Läden beherbergt, die auf Handyzubehör spezialisiert sind.
Wir fragen eine Verkäuferin, welche auf einen Notausgang zeigt. Wir finden uns im Innenhof des Gebäudes wieder, im vierten Stock. An einer Boxschule vorbei und unter der sauberen Wäsche von jemandem hindurch finden wir dann auch den Eingang. Wir geben unseren Türcode ein und, ah, ups, da ist schon jemand drin.Wir schauen in unseren E-Mails nach und lernen, dass unsere Zimmernummer geändert wurde. Den Code haben sie aber freundlicherweise gelassen, wie es aussieht.
Die neuen Fanta-Geschmacksrichtungen: Tschernobyl-Minze und zerstampfte Marienkäfer.
Wir machen einen Ausflug auf den Markt, welcher von einer Million Mini-Läden umgeben ist, welche wiederum direkt neben riesigen Einkaufszentren stehen. Und man findet hier alles was man noch nie gedacht hat zu brauchen.
Am nächsten Tag stellen wir fest, unsere kleinen Rucksäcke auf dem Rücken, dass es doch ein gewisses System hinter dem vermeintlichen Chaos zu geben scheint: Wir gehen von der Haustierladenstraße über die Lampenladenstraße um schließlich in der Heimwerkerladenstraße zu laden, äh landen.
Langsam tun die Füße weh.
Ein paar Kilometer weiter die Straße runter kommen wir an der Starpromenade HKs an, mit Blick auf eine andere, ähnlich dicht bebaute Insel.
Hai-Ja! War wohl doch kein Ski-Unfall.
In einem Park, nach der Kung-Fu-Ecke und inmitten einer Ausstellung mit Comic-Stars aus HK, werden wir von einer Gruppe sehr junger Menschen umstellt und müssen eine Umfrage beantworten.
Uns tun die Füße ganz schön weh.
Wir fahren hoch auf das zehnt-höchste Gebäude der Welt. Unter den anderen neun sucht man Europa vergebens. Von den zehn höchsten stehen neun übrigens in Asien. Ihr fragt euch jetzt, wo das andere steht, richtig? Stellt ihr öfter solch verworrene Fragen? Ist ja gut, es steht in den USA. Genug fürs Allgemeinwissen.
Die 400 Meter bis in die 100. Etage katapultiert uns der Fahrstuhl in genau 60 Sekunden (was mehr oder weniger eine Minute macht). In den Ohren knackt's, wie im Flugzeug.
Unsere Füße sind bereits in der Hölle.
In einem anderen riesigen Einkaufszentrum essen wir das beste Ramen unserer jeweiligen Leben. Das Eigelb ist es nicht, sondern besteht aus einer violetten Mischung, die eine Geschmacksexplosion an meinem entwöhnten Gaumen verursacht. Aus der Ferne kann ich einen Engelschor summen hören, als ich die Suppe trinke. Am Boden der Schale (und der Tatsachen) angekommen, setzt sich eine weisse Friedenstaube die Größe eines Poneys neben mich und legt ihren Arm, ähm, ihren Flügel auf meine Schulter, um mich aufzumuntern. Es ist vorbei.
Und das Schlimmste an der ganzen Sache (schlimmer noch als das Friedensponey das mich anfässt), ist, dass ich einfach keinen Platz mehr für noch eine Portion habe.
Unseren Füßen geht es besser, jetzt, wo die Taubheit eingesetzt hat.
Wir gehen in einen kleinen Tempel der anscheinend gerade brennt. Rauchschwaden empfangen uns, verursacht durch hunderte brennender Räucherstäbchen. Es ist schön anzusehen, aber man fühlt sich schnell wie Lachs im traditionellen Konservierungsprozess.
Unsere Füße? Ah, ja, wir haben die mit unseren Gepäck aufgegeben, wir brauchen die für die nächsten 14 Stunden Flug eh nicht. (Bilanz des Tages: 20 km Marsch)
Während wir auf unseren Flieger warten, fällt mir auf, dass ich mich bei den Daten etwas vermacht habe. Wir kommen also einen Tag eher als gedacht in Lissabon an. Ups.
Im Flughafen in Madrid gibt es keinen Raucherraum. Selbst in NZ haben die welche! Ich gehe also kurz vor die Tür, da wir eh ein paar Stunden Zeit haben. Als ich wieder rein will, geht meine Bordkarte nicht mehr und ich werde auf die Liste der Leute gesetzt, die zwei Mal in den gleichen Flughafen reingehen.
Ich darf mich außerdem ein zweites Mal der "zufälligen" Probe nach Restbeständen auf Kleidung unterziehen. Die Risiken des Barttragens, meine Damen und Herren.
Mir fällt erst auf, dass wir wieder in Europa sind, als ich feststelle, dass die Pissoirs nicht ganz für jemanden meiner Größe konzipiert sind. Nur so nebenbei bemerkt.
Unser Flieger verlässt das Gate. Wir sind schon fast auf der Startbahn, als den Stewards auffällt, dass dort noch welche stehen. Stehplätze im Flugzeug? Die Halsabschneider einer gewissen irischen Fluggesellschaft hatten das Mal vorgeschlagen und wurden ausgelacht. Wir fahren also wieder zurück zum Gate, schmeißen ein paar unglückliche Gestalten von Bord und brennen den Turbo durch, um pünktlich in Lissabon anzukommen.
In der Metro in Lissabon geben uns zwei Franzosen ihre Tickets und wollen uns erklären, wie das hier funktioniert. Wir sind doch keine blöden Touristen!
Unser Freund René rettet uns aus unserer temporären Obdachlosigkeit und borgt uns sein Wohnzimmer für die Nacht. Lissabon ist in unserer Abwesenheit kleiner geworden, überall treffen wir auf Leute, die wir kennen.
Wir essen ein erstes Sushi mit Fred und Harry. Anna funkelt es in den Augen, da sie die günstigen Sushis aus Lissabon so sehr vermisst hatte. Ach nee, das liegt am Wasabi.
Harry nimmt mich mit zum Surfen in Caparica. Ich schaffe es sogar, zwei Mal auf dem Brett zu stehen und erhöhe weiterhin den Salzgehalt meines Körpers um etliche Prozentpunkte. Ich beschließe, dass ich erst Mal genug habe, als sich die Nase des Brettes im Sand verkantet und ich mich länger unter Wasser wiederfinde, als ich für angenehm einstufen würde.
Nachdem wir das Wetter der nächsten Tage gesehen haben, beschließen wir, mit Harry auf einen Road Trip zu gehen. Ziel: Sevilla!
Wir kommen pünktlich in der Stadt an um in einer Prozession der Jungfrau Maria stecken zu bleiben. 15 Minuten lang finden wir uns mittendrin statt nur dabei, bevor wir in unsere super Wohnung mit eiskaltem Pool gehen können. Wir nutzen die Waschmaschine, um unsere Wäsche, auf drei Kontinenten schmutzig gemacht, zu waschen. Hashtag Jetsetleben.
Ein Freund von Anna ist gerade auch zufällig in Sevilla und wir treffen uns zum Tapas essen. Die Welt ist ein Dorf, mal wieder.
Zurück in Lissabon fährt ein Auto auf einem Abschleppwagen, begleitet von Polizeimopeds, mehrmals an uns vorbei. Das Nummernschild ist aus Tschechien und überall sind Kameras. Bald sind wir die unfreiwilligen (und unbezahlten) Stars in einem tschechischen Film.
Wir sagen allen Tschüss und setzen uns in den Bus nach Bordeaux. Der ist direkt, und wir sitzen nicht mal nebeneinander. Endlich ein bisschen Ruhe. (Das hat sie gesagt!)
Wir überqueren die spanisch-französische Grenze und ein riesiges Schild vom Carrefour-Supermarkt empfängt uns mit der freudigen Kunde: Auch sonntag morgens geöffnet. Wow!
Vor Bordeaux stecken wir wieder fest, dank eines Unfalls. Aus den 15 Stunden nach Plan werden auf einmal 19 Stunden. So zu stehen führt immer wieder zu Frohmut. Eine Dame kriegt sich mit den Fahrern auf portugiesisch in die Wolle. Die zwei Damen hinter uns, die in Biarritz eingestiegen sind, wundern sich: Ist das Russisch!?
Ein anderer Passagier versucht die Fahrer dazu zu bewegen, auf der Rettungsgasse zu fahren. Die Antwort ist negativ.
Er ruft bei der Polizei an, um die Bestätigung zu erhalten, dass das erlaubt ist und spricht erneut mit den Fahrern. Die Antwort bleibt negativ.
Er schraubt seinen eigenen Kopf ab und dribbelt ihn wie einen Basketball. Die Fahrer sind beeindruckt, die Antwort ist aber trotzdem: Nein.
Die Einzigen, die nicht schon jenseits eines Ins-Hemd-Machens sind, scheinen die zu sein, die mit uns in Lissabon eingestiegen sind.
Wir haben Glück, in Bordeaux regnet es nicht. Wir haben den ganzen Tag Zeit, bevor wir den Bus nach Lille nehmen müssen, aber wir haben es dann doch so eingefädelt, dass wir zur Bushaltestelle rennen mussten. Ein bisschen Sport ist nie verkehrt.
Wir machen eine Blitzvisite von Annas Familie, da ich in ein paar Tagen schon wieder nach Teutonien weiterfahre. Anna will mich auf die Sommerrodelbahn mitnehmen. Sommer ist nun aber leider schon vorbei und somit auch das Sommerrodeln.
In Deutschland muss ich mich anmelden, um das Visa für Korea beantragen zu können. Das passiert in drei Stufen:
Stufe 1: der Mensch, der sich in Roßlau darum kümmert, ist langzeit-krank.
Stufe 2: auf nach Dessau. Dort will man eine Unterschrift von meiner Oma, aber zum Glück ist mein Papa dabei zum Unterschreiben. (Kommutativgesetz!)
Stufe 3: weinen, weil "Lissabon" rücksichtslos aus dem Pass rausgestrichen wurde.
Mit Anna machen wir diesmal eine Blitztour meiner Familie und bekommen in der Zwischenzeit schlechte Nachrichten aus den alten Heimaten: ein Vulkan auf einer Mini-Insel ist ausgebrochen und das Dorf Franz-Josef ist erneut, Erdrutschen sei Dank, von der Außenwelt abgeschnitten.
Da wir uns wieder in bekannten Gefilden befinden, ist es erst einmal vorbei mit unseren äußerst regelmäßigen Erkenntnissen aus Übersee. Wir sehen uns im neuen Jahr wieder in Korea. Ich hoffe ihr habt eure Tickets schon.
Na dann, frohes Kwanzaa und ein schönes chinesisches Neujahr!
Ich bin genauso enttäuscht wie ihr.
Vergesst Luftschutzbunker und Island, hier seid ihr am sichersten.
Bretonisches Restaurant, das wieder in die Heimat zurückgekehrt ist...
Herbst in Deutschland. Es wird Nacht um 16 Uhr und den Rest des Tages sieht man auch nicht sehr weit.
Die Bienen sind einfach verschwunden...
Auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt im Wald.
Hurrikan-Panik? Njet, nur jemand, der Kupfer von den Kühlaggregaten hinterm Supermarkt geklaut hat. Alle Kühlschränke sind ausgefallen.
Zwei Wochen später stehen Anna und ich am zugfreien Bahnhof weil wieder jemand Metal geklaut hat, wo es nützlich war.
Zwei Wochen später stehen Anna und ich am zugfreien Bahnhof weil wieder jemand Metal geklaut hat, wo es nützlich war.
Ein Restaurant, wo das Essen auf einer Achterbahn angefahren kommt (und dementsprechend mehr Spaß hat als wir).
Ein Dalek und ein Cyberman, aus irgendeinem Grund gold angestrichen.
War wohl ein langer Abend.































































































































































No comments:
Post a Comment