Freiheit! Unser Gefängnisaufenthalt ist endlich vorbei!

Vorweg Entschuldigung für die Verspätung der deutschen Version, wir waren unterwegs und hatten entweder kein Strom oder kein Internet oder beides. Dazu aber später mehr. Hier erst Mal Annaëlles letzter Eintrag:

Nach zwei Wochen sind wir am Ende unserer Haftstrafe angelangt. Eingesperrt wurden wir übrigens aufgrund schlechter Witze in der Öffentlichkeit.

Die Woche war intensiv, stressig (oder auch nicht) und reich an Emotionen. Den neuseeländischen Regen haben wir (wieder)entdeckt. Kein Grund zur Aufregung, Regen bleibt Regen. Marcel würde sagen, dass das Wetter hier wie in der Bretagne ist. Es ist schön mehrmals am Tag und nur Trottel werden nass.


Nachdem wir letzten Freitag Winterschlaf gehalten hatten (Regen verpflichtet), haben wir darüber nachgedacht, dass es vielleicht interessant wäre, Arbeiten zu gehen. Arbeit? Aber wozu denn? Fragt ihr euch jetzt sicherlich. Das Gleiche haben wir uns auch gefragt. Nachdem wir uns aber all die Möglichkeiten angeschaut haben, wie man Geld ausgeben kann (die Inseln um Neuseeland herum besuchen, einen Van kaufen, usw.), mussten wir uns also überlegen, was wir für Geld denn alles so bereit sind zu machen.
Unser erstes Motivationsschreiben ging also raus und blieb unbeantwortet. Ein Anderes ging an eine Farm mit Lamas und Alpacas, bei einem anderen ging es um Äpfelpflücken (wir sind auf jeden Fall motiviert!). Auch hier keine Antworten. Ihr braucht also erst Mal nicht nach unseren Initialen auf Früchten aus Neuseeland schauen, das kommt später.
Schließlich bekommen wir einen Anruf. Welch Glück! Nope, nur jemand, der uns ein Auto verkaufen will.

Nachdem wir uns beworben haben, stellen wir fest, dass diese Arbeitsplätze alle ziemlich weit weg sind. Wie kommen wir denn hin, wenn wir denn mal irgendwann etwas finden? Auf dem Fahrrad scheint es ja eher gefährlich zu sein:


Wir suchen jetzt also nicht nur Arbeit, sondern auch einen Van, der nicht allzu viel kosten soll. Wir wollen einen Wagen, der self-contained ist. Auf Facebook mache wir mehrere Besichtigungen für den nächsten Tag aus. Am Morgen schauen wir uns gegenseitig an und fragen uns: "Kennst du dich mit Autos aus?" Nope. "Hast du schon Mal eins gekauft?" Auch nicht.
Das kann also heiter werden. Im Internet machen wir uns schlau, auf was es bei Gebrauchtwagen so zu achten gilt, wenn man keinen Plan hat. Der erste Stopp ist in einer Werkstatt mit vielen Autos und auch Vans, die allesamt nicht sehr funktionstüchtig aussehen.
Eins davon, ein Toyota Estima, hatte mehr Rost als Karosserie übrig. Der Verkäufer sieht uns unser Zögern an und zaubert aus seinem Hut ein noch vergammelteres Stück, einen Toyota Estima, hervor.
Wir treffen zwei Belgier, die einen der Wagen für zwei Minuten fahren und ihn direkt kaufen. Wir hoffen für sie, dass das Ding nicht sofort auseinanderfällt.
Die nächste Besichtigung ist mit zwei französischen Schwestern (nein, keine Nonnen), die uns ihr Auto, einen Toyota Estima, zeigen. Es scheint in Ordnung, aber für einen Self-Contained... Wo ist denn die Toilette? Und das Waschbecken? Ah, das ist gar nicht self-contained. Ok. Aber Bett, Tisch, Geschirr, Gartenstühle, Wasserkanister und Angelruten sind dabei.
Die beiden erzählen uns ein paar Schwänke aus ihrer Erfahrung mit dem Auto. Tankstellen sind dünn gesät und sie mussten auch schon in einem großen Hafen die Fischer nach Benzin anbetteln, um es bis zur nächsten Tankstelle zu schaffen.
Außerdem haben sie keine Versicherung abgeschlossen. Auch wenn das etwas befremdlich klingen mag, in Neuseeland gibt es keine gesetzliche Verpflichtung, sein Auto zu versichern.
Schluss mit mehr oder weniger sinnvollen Diskussionen, jetzt geht's ans Eingemachte. Ich starte den Motor. Wo ist denn der Schaltknüppel? Ah, Automatik. Toll. Ich verlasse den Parkplatz und verfehlen gerade so ein anderes Auto. Hier wird links gefahren! Es passiert mir nur etwa zehn Mal, dass ich statt des Blinkers die Scheibenwischer anschalte. Wir überleben die kurze Fahrt, handeln über den Preis und sagen, dass wir darüber nachdenken müssen.
Unser Tag endet mit einer Besichtigung eines, genau, Toyota Estimas. Apfelgrün und mit Totenkopf auf der Motorhaube. Ein Geek hat sich das Auto geschickt zusammengeschraubt, dass man in den verschiedensten Positionen darin sitzen oder liegen kann. Dabei wurde die Matratze in große Schnipsel zurechtgeschnitten.
Im Auto gibt es auch eine Toilette (self-contained!), die aber noch nie benutzt wurde (bei der Hitze sind wir auch ganz froh darüber).
Für die Testfahrt setzt er sich neben mich und macht Reggaemusik an. Seine Hoffnung, dass ich links bleibe, verfliegt schnell und die Scheibenwischer verwechsle ich weiterhin mit dem Blinker.
Welche würdet ihr denn nehmen: Self-Contained aber self-zerfallend? Nicht self-contained? Oder Self-Contained mit Totenkopf?
Wir nehmen schließlich das Auto der beiden Franzöninnen und halt mit ohne Toilette und Dusche (die neuseeländischen Fliegen werden unsere Freunde). Dieses Auto war übrigens auch das billigste, was die Entscheidung vereinfacht.
Den Eigentümer eines Autos kann man hier in maximal fünf Minuten bei der Post machen. Eine Poststelle zu finden ist aber eine ganz andere Disziplin.

 



Wir verfolgen unseren Bewerbungsmarathon weiter und haben schließlich ein Bewerbungsgespräch per Telefon am Nachmitag. Yippie! Freude wandelt sich in Panik. Nichts ist vorbereit! Was sagen wir denn überhaupt? Letztendlich haben wir eine sehr nette Dame am Telefon, die uns die Details zur Stelle und zu den örtlichen Begebenheiten gibt.
Wir werden uns also am Franz-Joseph-Gletscher den Hintern abfrieren, während wir in einem Berghotel so ziemlich alles machen (Empfang, Küche, Reinigung, Garten, usw.). Neben der Dame gibt es noch zwei Labradoodles - eine Mischung aus Labrador und Pudel. In fünf Tagen geht es los! Cheers!



Weiterhin haben wir einen (leeren) Pub an einem Freitag Abend entdeckt und durften für zwei Bier süffige 18 Dollar berappen. Dafür gab es ein intimes Konzert von einem Sänger, der uns dazu animiert zu trinken, damit uns seine Musik besser gefällt. Nach den Bieren und nachdem ich gegen Marcel sowohl beim Kicker als auch beim Billard verloren haben, habe ich die Nase voll.


Wir haben auch ein bisschen das Zentrum von ChCh kennengelernt und stellen fest, dass hier wirklich zeitig geschlossen wird (um 17h30 wird man aus den Läden gejagt) und wir haben gesehen, dass Straßenbahnen auch durch Einkaufszentren hindurch fahren können. Ein Spielplatz, der als einer der größten in der südlichen Hemisphäre angepriesen wird, ist nur für Kinder gedacht. Das interessiert uns eher wenig. Die New Regent Street sieht aus, als ob sie aus Notting Hill geklaut wurde.
Während meiner ersten richtigen Fahrt fühle ich mich wie während meiner ersten Fahrstunden in Belgien. Es geht bei wenig Verkehr nervenzerreibend bis zum Strand von New Brighton, wo Fischer Reste in die Luft werfen, damit die Möwen akrobatische Kunstsprünge durchführen (einfach, wenn man Flügel hat!), und ich glaube Marcel ging es dann nicht mehr so gut.
Wir treffen auch einen Italiener, der seit 15 Monaten auf Weltreise ist. Zum Angeln. Auch cool!




























In diesem Sinne, wir machen uns auf ins nächste Gefängnis! Bis später!

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