Wenn ihr unseren Blog aufmerksam lest (und nicht nur die Bilder anschaut. Wir sind schließlich kein Schmuddelmagazin!), wisst ihr sicherlich, dass wir Arbeit auf der anderen Seite der Südinsel gefunden haben.
Um für diese lange Reise gut vorbereitet zu sein, brauchen wir Wanderschuhe. Dass die Schuhe im ersten besuchten Laden unser Budget weit überschreiten, hätten wir nicht gedacht und wir lernen, wie man "Ham se des ooch billijer?" auf höflichere Art und Weise sagen kann.
Ich frage mich, wie wir diese Reise planen sollen, da wir noch ein paar Tage Freizeit haben, bevor es losgeht. Wo fahren wir lang? Wie machen wir das? Wo schlafen wir? Was brauchen wir? Ah, du hast schon alles komplett durchgeplant, chérie? Cool! Dann widme ich mich weiter meinem Puzzle.
Wir begeben uns ein letztes Mal in die Innenstadt von ChCh. Dort finden wir: 185 weiße Stühle (um den Opfern der Erdbeben zu gedenken), eine "Übergangs"-Kathedrale (aus großen Kartonrohren gebaut und mit Plexiglas verkleidet, eine alte Kathedrale die in Ruin steht (nicht genug Karton verbaut!), Glockentürme, die stets neben der Kirche stehen, statt draufgebaut zu sein ("Chef, meine Männer haben Angst in der Höhe, können wir den Bau irgendwie anders regeln?"), fünf Postkarten für 5 NZ$ (cool!) mit den dazugehörigen Briefmarken für Europa für 12 NZ$ (weniger cool) und Vögel, die alles andere als schüchtern sind (sie setzen sich neben einen um zu quatschen und fragen dich nach einer Zigarette).
Da der vorherige Satz mehr Informationen enthält als die Neujahrsansprache des Bundespräsidenten, lasse ich euch etwas Zeit, ihn nochmals zu lesen und zu verdauen.
Fertig? Schön.
Die ruinierte Kirche ist übrigens Streitthema in der Stadt, zwischen denen, die sie abreissen wollen und jenen, die sie wieder aufbauen wollen. Wir haben keine Statistiken zu der Anzahl an Menschen, die einfach in Ruhe gelassen werden wollen. Während auf einen Kompromiss hingearbeitet wird, ist die Ruine einer der zentralen Punkte des Christchurchilenischen Tourismus' geworden. Ebenfalls beliebt ist die Kirche aus Karton, die auf ihre Wiederverwertung wartet, sobald der Wiederaufbau der Nicht-Übergangskirche abgeschossen ist.
Wir gewöhnen uns langsam an den Akzent der Kiwis. Nein, wir reden nicht mit Früchten und wir haben immer noch keinen der Vögel gesehen. Die Kiwis sind die Einwohner des Landes. Denkt daran, wenn ihr das nächste Mal einen essen wollt.
Aber jetzt zu was interessanterem:
Nachdem wir aus dem Gefängnis wegen Unhöflichkeits rausgeworfen wurden, machen wir uns auf nach Akroa - "Dem französischen Dorf". Französische Kolonisten hatten ihre Zelte hier vor etwas weniger als 200 Jahren aufgeschlagen. Überbleibsel aus dieser Zeit sind überall noch sichtbar: Straßenschilder sind auf Französisch, die Namen der Läden sind auf Französisch und selbst einige Menschen sind auf Französisch. Nachdem sie den sprichwörtlichen Zug vor zwei Jahrhunderten verpasst hatten, haben sich einige Franzosen dazu entschlossen, jetzt die Invasion fortzuführen. Eine Dame empfiehlt uns, einen Franzosen mit Weinberg ein bisschen weiter auf der "French Farm" zu besuchen. Anna kann sich kaum halten. Da uns Frankreich aber nicht all zu sehr fehlt, kaufen wir englischen Fudge.
Während unserer ersten Nacht im Auto haben wir wettermässig gesehen Glück. In freier Natur öffnen wir die Dachluke und schauen die Sterne an. Die Sternbilder sagen nichts. Wir werden von den Hennen des Campingplatzes geweckt (dies ist keine malerische Umschreibung, liebe Leser mit obszönem Gedankengut).
Wir fahren weiter Richtung Arthur's Pass, wo wir von unaufhörlichem Regen empfangen werden. Auf einem Campingplatz, der mehr an einen Parkplatz, eingequetscht zwischen Straße und Schienen, erinnert, bezahlen wir in eine Art Safe. Der Ranger kommt im Jeep in der Nacht vorbei und schaut nach dem Rechten. Sonst sind wir alleine mit anderen Campervans.


Schilder weisen uns darauf hin, dass wir den Keas nichts zu fressen geben sollen. Was ist das denn, fragt ihr? Das hat nichts mit wackelig aufgebauten Möbeln zu tun, sondern sind das Vögel, die gerne jegliches Plastik und Gummi anknabbern. Unser Auto ist sicher, mit dem Regen kommen sie nicht spielen.
Da es nach dem Aufstehen immer noch regnet, fahren wir weiter. Wir sind nun Experten in Sachen One Lane Bridges - Brücken mit nur einer Spur. Ich beantworte alle Ihre Fragen:
Und was ist, wenn viele Autos unterwegs sind? - Es sind nie viele Autos unterwegs.
Und was, wenn ich Angst vor Brücken habe? - Augen zu und durch.
Mein Auto ist mitten auf der Brücke in zwei kongruente Teile zerfallen. - Fangen Sie an, zu beten.
Was ist da für ein Fleck? - Sie sollten mal einen Hautarzt aufsuchen.
Während unseres Abenteuers auf den leeren Straßen zählen wir etwa 40 Individuen einer Art Wiesels. Oder zumindest, was davon übrig geblieben ist. Schaut immer nach links und rechts, bevor ihr über die Straße geht, Kinder!
Wir fahren in Richtung Punakaiki. Gesprochen, wie man's schreibt. Wir sehen auch lebende Tiere am Straßenrand in Form von seltsamen Vögeln, die wie eine Kreuzung aus Huhn, Ente und Donald Trump, äh Donald Duck, aussehen.
Wir sehen viele Farne überall, manche mehrere Meter hoch. Wir sehen auch eine Farm. Eine Farnfarm. Bwahaha :| (dieser Witz wurde ihnen präsentiert von der WITZ, Wissenschaftlichen Institution für Tolle Zeilen).
Meine neuseeländische SIM-Karte geht zuerst ins Roaming, bevor sie jegliches Signal verliert. Während ich erfolglos alle Bandbreiten (SW, MW, FM, MFG und HDGDL) nach einem Radiosender absuche, kündigt uns die Dame im Navi fröhlich an, dass GPS-Signal verloren gegangen ist. Wo sind wir denn hier gelandet?
Wir kommen an der Westküste (West Coast, Baby) an. Hier sieht alles etwas unberührter aus, überall gibt es riesige Farne und Palmen. Man fühlt sich wie in Guadeloupe. Da bin ich mir sicher, ich war schließlich noch nie dort.
In Punakaiki schauen wir uns die Pancake Rocks, Felsen in Pfannkuchenform, und deren Blowholes, Löcher im Felser, die äußerst rüpelhaft Wasser in die Luft spucken, an. Damit ihr das Ganze besser versteht, haben wir ein informativ extremst wertvolles Video gedreht:
Was man im Video nicht sieht, sind das gewaltige Donnern und die kleinen Erdbeben bei jeder Welle. Neben uns rennen zwei dieser seltbaren Huhnenten hintereinander her und jagen sich wie Tom und Jerry auf Acid.
Die Dame am Empfang des Campingplatzes empfiehlt uns eine Grotte mit Glow Worms (leuchtenden Würmern) um die Ecke. Welch schändliche Lüge! Gesehen haben wir keine. Diese Würmer finden sich normalerweise an der Höhlendecke und leuchten, um Beute in Form von kleinen Insekten anzuziehen. Aus der Entfernung hat man den Eindruck, in einen Sternenhimmel zu schauen. Wie schön! Von ganz nah sieht man, dass die Würmer nicht nur leuchten, sondern auch klebrige Spuckefäden absondern, mit denen sie ihre nächste Mahlzeit einfangen.
Ungewollt und im Dunkeln teste ich meine neue Schuhe, indem ich meinen Fuß in den Matsch stecke. Ich bestätige, meine Schuhe sind wasser- und matschfest.
Wir begeben uns auf einen Halbmarathon durch den Wald. Auch sehr schön! Aber wir hätten auch selbst darauf kommen können, dass die angegebenen drei Stunden Wanderzeit nicht den Rückweg mit einschließen. Ja, wir spüren unsere Füße entweder gar nicht mehr oder zu sehr und wundern uns auch nicht, dass wir während zwei Stunden Wanderung keine Menschenseele gesehen haben. Und dann regnet es auch noch. Oder es schüttet. Es regnet wie eine pinkelnde Kuh. Oder was in der Bretagne auch als "Sommer" bekannt ist.
Um zwei Uhr morgens werden wir vom süßen Gerassel von Hagel auf unserem Autodach geweckt. Fünf Minuten später ist alles schon wieder vorbei und man kann die Sterne bewundern. Während man den Weg aufs Klo und zurück bewältigt, fängt es schon wieder von vorne na.
Auf geht's nach Hokitika. Auf einem Campingplatz mit sagenhaften vier Sternen erwartet uns eine richtige Duschkabine. Mit Heizung! Was ein Luxus!
Wir folgen einem Schild, dass uns Glow Worms verspricht und haben erneut kein Glück. Das Schild erklärt uns unmissverständlich, dass man die Würmer bei Nacht anschauen muss. Um 22 Uhr, in intimer Atmosphäre, können Anna, ich und etwa 50 andere Personen kleine Lichter überall an dem Klippchen (eine kleine Klippe) bewundern. Wir haben versucht, für die Nachwelt Fotos zu schießen, allerdings machen die Dinge wirklich nur sehr wenig Licht. Hier unsere Aufnahmen:
Auf dem Weg zum Kaniere-See halten wir vor einer Brücke, die laut Schild nicht mehr als 2500 kg verträgt. Ich: "Wie schwer sind wir denn?" Sie: "Kein Plan. Versuchen wir's einfach!" Noch bevor ich mich dem widersetzen oder aus dem Auto springen kann, fährt Anna also drauf los.
Wir halten an den Dorothy Falls, einem hohen Wasserfall. Ein weiteres der seltsamen Entengetiere nähert sich uns. Da wir endlich einen Blick von nahem erhaschen konnten, können wir auch Doktor Google, Experte in Ornithologie, befragen. Die Sache nennt sich Weka und hat, mit der Ausnahme von Hunden, vor nichts Angst.
Wir schauen uns die Hokitika Gorge an, wo türkis-cremiges Wasser fließt. Wir ersparen euch die wissenschaftliche und somit langweilige Erklärung für die Farbe. Es ist denke ich beruhigender, darüber nachzudenken, dass sich weiter flussaufwärts Schlümpfe waschen und dabei etwas zu sehr schrubben.
Es geht weiter nach Franz Josef, Stadt benannt nach einem österreichischen Kaiser (Dieses Wissen wird euch beim nächsten Quiz-Abend sicherlich nützlich sein). Wir kommen in der Westwood Lodge an, wo wir ab morgen arbeiten werden. Aber das, liebe Kinder, ist eine andere Geschichte für das nächste Mal.
Also dann, Bussi und bis gleich, Scheich!
Bon, vu comme ça ...











































No comments:
Post a Comment